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Mord ohne Leiche: Gerechtigkeit für Lotis

Shownotes

Im April 2007 verschwindet in Köln die 33-jährige Lotis K. und ihr Ehemann gerät unter Mordverdacht. Zusammen mit seiner Schwester und seinem Schwager soll er Lotis umgebracht und die Leiche verschwinden lassen haben. Die Philippina wollte sich von ihrem deutschen Ehemann trennen und war zusammen mit dem gemeinsamen Sohn ausgezogen. Die Ermittler sind sich sicher, vor allem nachdem sie bei einer Abhöraktion ein Geständnis des Mannes aufzeichnen konnten. Trotzdem wird es acht Jahre bis zu einem rechtskräftigen Urteil im spektakulären Prozess um einen Mord ohne Leiche dauern. Nach einem Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger platzt die Urteilsverkündung. Aber nicht nur das war außergewöhnlich: Mit der juristischen Aufarbeitung wird Rechtsgeschichte geschrieben. Der Bundesgerichtshof traf nämlich eine folgenreiche Entscheidung darüber, wo die Grenzen bei einer Abhöraktion der Polizei liegen. Die Entscheidung werden viele nicht nachvollziehen können. Zu Gast im Podcaststudio des Kölner Stadt-Anzeiger ist Polizeireporter Tim Stinauer. Moderator Helmut Frangenberg hat selbst über den Berufungsprozess in dem Fall berichtet. Damals wie heute geht es bei dem Fall auch um illegale Heiratsvermittlungen und das Leben von Migrantinnen aus Asien, die nach der Hochzeit mit einem deutschen Mann nach Deutschland kommen. Mary Lou Hadrillo-Werning

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Transkript anzeigen

00:00:02: True Crime Kallen, der Podcast des Kölner Stadtanzeiger.

00:00:06: Über wahre Verbrechen, spannende Geschichten und spektakuläre Fälle.

00:00:12: Das letzte Lebenszeichen von Lotus stammt vom Eightzehnten April, sie unterbricht ein Telefongespräch mit einer Freundin, weil ihr Mann komme.

00:00:22: Irgendwann in den folgenden Stunden vielleicht auch Tagen verschwindet Lotus spurlos.

00:00:29: Ihre Familie wird sie nicht als vermisst melden, das macht ein paar Monate später eine Freundin.

00:00:34: Die Polizei glaubt nicht, dass die junge Frau einfach untergetaucht ist.

00:00:38: Sie glaubt an ein Verbrechen und startet eine Abhöhraktion.

00:00:43: Stundenlange Mitschnitte werden später ausgewertet und tatsächlich befindet sich auf einer Aufnahme ein Geständnis.

00:00:51: Trotzdem wird es fast acht Jahre dauern, bis in einem spektakulären Mordprozess ein rechtskräftiges Urteil gesprochen wird.

00:00:59: Bis heute weiß man nicht, wo sich die Leiche der jungen Frau befindet.

00:01:03: Vor Gericht wird über den Abriss eines Neubau-Blocks in Köln-Mühlheim diskutiert.

00:01:08: Als Lotus verschwand, könnte der Mörder sie dort in eine Baugrube geworfen haben.

00:01:14: Dass die Leiche nicht gefunden wird, ist nicht die einzige Besonderheit dieses Falls.

00:01:18: Er bekommt eine politische Dimension.

00:01:20: Frauen, die wie das Opfer von den Philippinen nach Deutschland gekommen sind, fordern Gerechtigkeit für Lotus.

00:01:27: Sie werden vom deutschen Rechtssystem enttäuscht werden.

00:01:32: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von True Crime Köln, der Podcastreihe des Kölner Stadtanzeiger.

00:01:38: Heute nehmen wir uns Zeit für einen ganz besonderen Kriminalfall, aber auch für einen ganz besonderen Prozess, oder besser gesagt, um zwei besondere Prozesse.

00:01:49: Denn beim zweiten sorgte ein Artikel im Kölner Stadtanzeiger dafür, dass die Richterin den Termin zur Urteilsverkündung platzen ließ.

00:01:56: So etwas kommt nicht alle Tage vor.

00:01:59: Aber noch gewichtiger dürfte sein, dass im Laufe der juristischen Aufarbeitung desfalls Rechtsgeschichte geschrieben wurde.

00:02:06: Der Bundesgerichtshof traf nämlich eine folgenreiche Entscheidung darüber, wo die Grenzen bei einer Abhöraktion der Polizei liegen.

00:02:15: Die Entscheidungen werden viele nicht nachvollziehen können.

00:02:18: Dazu später mehr.

00:02:20: Die Erzählung des Fals beginnt damit, dass die Polizei nach einer Vermisstenmeldung Ermittlungen aufnimmt.

00:02:27: Gesucht wird die dreihunddreißigjährige Lothis K. Die Polizei bittet um Hinweise aus der Bevölkerung, als das geschieht, gehen die Ermittler bereits davon aus, dass die Frau nicht mehr lebt.

00:02:38: Ein Auszug aus der Berichterstattung des Kölner Stadtanzeiger vom dritten November.

00:02:45: Das letzte Lebenszeichen stammt vom Frühjahr.

00:02:48: Seitdem fehlt von Lothis Kahr aus Mühlheim jede Spur.

00:02:51: Freitag ging die Polizei mit einem Fahndungsaufruf an die Öffentlichkeit.

00:02:56: Sucht

00:02:56: nun mit einem Foto nach der thirty- drei-jährigen Philippine.

00:03:00: Aufgrund der Gesamtumstände ihres Verschwindens kann ein Kapitalverbrechen nicht ausgeschlossen werden, heißt es in einer Pressemitteilung.

00:03:06: Vor

00:03:07: sieben Jahren ist Lothis K. nach Köln gekommen und hat ihren heute fünfundvierzig Jahre alten Mann geheiratet, berichtete die Polizei.

00:03:14: Das Paar lebte in Niel und bekam einen Sohn.

00:03:16: Doch die Ehe hielt nicht lange.

00:03:19: Nach der Trennung zu Lothis K. im September, im September, mit ihrem damals dreijährigen Kind in eine eigene Wohnung nach Mühlheim.

00:03:26: Vor sechs Monaten dann meldete eine Freundin, die dreidreißigjähriger als vermisst.

00:03:31: Am achtzehnten April hätte sie zuletzt mit ihr telefoniert, sagte die Frau der Polizei.

00:03:36: Seitdem wurde die Philippina nicht mehr gesehen.

00:03:39: Trotz intensiver Nachforschungen in ihrem Lebensumfeld haben sich keine Anzeichen dafür ergeben, wo sie sich aufhalten könnte, berichtete Polizeisprecher Wolfgang Baldes.

00:03:49: Ihr fünfjähriger Sohn lebe seit dem Verschwinden seiner Mutter bei Verwandten ihres Ehemannes.

00:03:53: Die Kriminalpolizei

00:03:54: hält es für möglich, dass Lothis K. ermordet wurde.

00:03:58: Konkrete Hinweise gebe es allerdings nicht.

00:04:01: Mehr Details wollte ein Behördensprecher nicht verraten,

00:04:04: um

00:04:04: die Ermittlungen nicht zu gefährden.

00:04:19: Auch damals habe sich nach ihrer Rückkehr nicht ergründen lassen, wo sie war, sagte er ihr Mann.

00:04:24: Wer Lothys Coles gesehen hat, wird gebeten, die Polizei zu benachrichtigen.

00:04:29: Die Gesuchte ist einundfünfzig Kilogramm schwer, ein Meter zweiundfünfzig groß und sehe jünger aus, als sie in Wahrheit sei, so der Polizeisprecher.

00:04:39: Geschrieben hat diesen Artikel mein Kollege Tim Stienauer.

00:04:43: Fünf Tage nach dem Artikel berichtet er wieder.

00:04:46: Über den Fall Zwillinge unter Mordverdacht lautet am acht November zwei tausend sieben seine Überschrift.

00:04:53: Die Kripo sei sich sicher, dass Lotis K. von ihrer Familie umgebracht worden ist.

00:05:00: Ihr Ehemann, ihre Schwergerin, also die Zwillingschwester des Ehemanns und der Schwager werden festgenommen.

00:05:07: Tim Schiedauer ist zu Gast im Podcaststudio des Kölner Stadtanzeiger.

00:05:11: Der Fall Lothis K. ist für ihn und für mich ein besonderer Fall.

00:05:16: Tim hat über die Festnahme und die polizeilichen Ermittlungen berichtet und ich war fünf Jahre später im Gerichtssaal bei der Berufungsverhandlung dabei.

00:05:25: Nicht nur wegen dieser langen Dauer ist der Fall ungewöhnlich.

00:05:29: Es gibt sogar noch ein Zivilverfahren, das bis Der Fall ist aber noch aus mehreren weiteren Gründen etwas Besonderes.

00:05:38: Vor Gericht wird ein Mord ohne Leiche verhandelt.

00:05:40: Das ist immer sehr speziell.

00:05:42: Es gibt ein Geständnis, das aber dann vor Gericht nicht verwendet werden darf, sodass aus dem Ganzen ein sehr wackeliger Indizienprozess wird.

00:05:52: Und außerdem ermöglichte dieser Fall einen Einblick in eine Community, von der die meisten wenig wissen, aber trotzdem das ein oder andere Vorurteil pflegen.

00:06:02: Philippedische Frauen, die in Köln und in Deutschland leben, meldeten sich lautstark und selbstbewusst zu Wort, mischten sich in die Ermittlungen ein und forderten, Gerechtigkeit für Lothis, was für einen Eklat vor Gericht sorgte, auch dazu später mehr.

00:06:19: Fangen wir mal vorne an.

00:06:20: Am Anfang steht eine vermissten Meldung, eine junge Frau ist verschwunden.

00:06:25: Was müssen wir wissen über die dreien- und dreißigjährige Lothis Karthim?

00:06:28: Aus den ersten sechsundzwanzig Jahren ihres Lebens weiß man ehrlich gesagt nicht viel.

00:06:33: Lothis Kar wurde auf den Philippinen geboren, hat dort mit ihren Eltern und ihrer Schwester gelebt.

00:06:38: Die Familie kommt aus eher armen Verhältnissen.

00:06:41: Und Ende neunzehntenhundertneunzig lernt Lotus dann Siegfried K. kennen.

00:06:46: Der ist damals achtunddreißig Jahre alt.

00:06:48: Lotus, sechsundzwanzig.

00:06:50: Siegfried wohnt in Köln, ist gelernter Schlosser, lebt hier in einem Mehrfamilienhaus in Niel, in dem auch seine Zwillingsschwester und deren Mann leben.

00:06:58: Und Siegfried K. hat eine Annonce bei einer Heiratsvermittlung geschaltet und lernt Lotus dann bei einem Urlaub auf den Philippinen kennen.

00:07:07: Ein Jahr später heiraten die beiden.

00:07:18: Und das sogar ziemlich intensiv.

00:07:24: Ungewöhnlich intensiv könnte man auch sagen, aber dazu hören wir später noch mehr.

00:07:30: Die Ehe von Lothis und Siegfried hält nicht lang, die beiden trennen sich wieder.

00:07:35: Und in den letzten Jahren zieht Lothys mit ihrem Sohn in eine eigene Wohnung nach Mühlheim.

00:07:40: Siegfried, seine Schwester und der Mann bleiben in Niel.

00:07:43: Und spätestens jetzt beginnt ein erbittert geführter Streit um das Sorgerecht für den Jung.

00:07:49: Lothys verschwindet.

00:07:50: Wer hat das gemeldet?

00:07:52: Wer hat Lothys als vermisst gemeldet?

00:07:54: Und wann passiert das?

00:07:55: Ja, das war Ende April, in den letzten Jahren.

00:07:58: Da meldete eine Freundin, die inzwischen dann drei Jahre alte Lothys als vermisst.

00:08:05: Die beiden hatten am achtzehnten April noch miteinander telefoniert, lotes.

00:08:09: letzte Worte in diesem Telefonat waren, mein Mann kommt, ich muss Schluss machen.

00:08:14: Und seitdem fehlt von ihr jedes Lebenszeichen.

00:08:17: Die Freundin erreicht sie nicht mehr, macht sich Sorgen, sucht nach ihr, fährt auch zu ihrer Wohnung nach Mühlheim.

00:08:24: Schon da kommt es ihr verdächtig vor, dass alle Rolläden heruntergelassen sind.

00:08:30: Die Freundin spricht Nachbarn an, fragt, ob sie Lotus vielleicht gesehen haben, aber niemand kann ihr helfen.

00:08:36: Sie fährt dann schließlich auch zum Haus von Siegfried K. nach Niel, trifft ihn auch an.

00:08:42: Aber der habe sie nicht in seine Wohnung gelassen, berichtet die Freundin später vor Gericht.

00:08:47: Stattdessen habe er zu ihr gesagt, Lotus sei vielleicht in Berlin oder in Frankfurt, genau wisse er das nicht.

00:08:53: Die Frau ist sieben Monate verschwunden.

00:08:56: Ist das normal, dass die Polizei so lange wartet, bis sie die Bevölkerung um Mithilfe bei so einer Suche bittet?

00:09:02: Wie läuft das im Normalfall ab, wenn ein Erwachsener verschwindet?

00:09:06: Das macht tatsächlich einen großen Unterschied, ob ein Erwachsener verschwindet oder ein Kind.

00:09:11: Ein Erwachsener kann im Grunde erst mal tun und lassen, was er möchte, ohne dass er irgendwem Rechenschaft ablegen muss.

00:09:17: Dazu gehört auch, dass er sich aufhalten kann, wo er will.

00:09:21: Und zwar ohne, dass er irgendjemanden mitteilen müsste, wo er ist.

00:09:25: Kommt ja vor, dass Leute aus freien Stücken abtauchen wollen, aus welchen Gründen auch immer.

00:09:30: Und dann möchte niemand, dass einem dann automatisch die Krippe hinterher schnüffelt.

00:09:35: Die Polizei wird erst mal nur tätig und darf auch nur dann zeitnah tätig werden, wenn es nach dem verschwinden Hinweise darauf gibt, dass diese Person in Gefahr schwebt oder eine akute Gefahr für andere darstellt.

00:09:49: Also könnte sein.

00:09:50: dass sie krank ist und alleine nicht überlebensfähig ist, dass sie auf Medikamente angewiesen ist, aber keine Beisig hat.

00:09:58: Das wären Fälle, wo die Polizei dann auch schnell eine Suche einleitet.

00:10:02: Oder weil es konkrete Hinweise auf ein Verbrechen gibt, dass diese vermisste Person möglicherweise plant oder dem sie zum Opfer gefallen sein könnte.

00:10:11: Und liegt all das nicht vor, so wie anfangs bei Lotus, dann ist die Polizei erst mal zurückhaltend.

00:10:18: Bei Minderjährigen dagegen geht man grundsätzlich davon aus, dass die allein in Gefahr schweben.

00:10:23: Da läuft die Suche viel schneller und größer an.

00:10:25: In deinem Artikel vom dritten November zitierst du den Ehemann von Lotus Car.

00:10:29: Du bist da hingegangen und hast einfach mal an der Tür geschält.

00:10:33: Da fragt man sich natürlich, ist das so das übliche Vorgehen für einen Polizeireporter?

00:10:37: Läuft das bei jeder vermissten Meldung so?

00:10:40: Das machen wir nicht immer so.

00:10:42: Aber je nach Fall ist das durchaus üblich.

00:10:44: Die Hintergründe von Lotus verschwinden waren ja auch damals schon gleich am Anfang durchaus etwas rätselhaft.

00:10:51: Man konnte schon vermuten, dass Lotus etwas zugestoßen sein könnte.

00:10:54: Und dann liegt es natürlich nah, ihren Mann zu fragen, ob er vielleicht eine Erklärung hat.

00:11:01: Dann habe ich seinen Namen und seine Anschrift herausgefunden und bin hingefahren.

00:11:05: Wissen, dass ganz oft in solchen Fällen die Ehemänner nicht Täter sind, ne?

00:11:09: Trotzdem geschält.

00:11:11: Ahnend, sagen wir so.

00:11:13: Wie war die Reaktion, als du da geklingelt hast?

00:11:16: Also, er war selbst nicht zu Hause, sondern seine Schwester hat mir die Tür geöffnet, die auch später dann als angeklagte Vorgericht stand.

00:11:25: Ich hab mich vorgestellt, hab gesagt, wer ich bin, warum ich hier klingel und dass ich gerne ihren Bruder sprechen würde.

00:11:30: Und die Frau wirkte freundlich, also nicht abweisend.

00:11:35: Er sagte, ihr Bruder sei bei der Arbeit, vielleicht würde er mich aber zurückrufen, wenn er wieder da ist.

00:11:40: Also habe ich meine Nummer hinterlassen und bin wieder gegangen.

00:11:43: Und dann hat er angerufen.

00:11:45: Und dann hat er angerufen, ein paar Stunden später am Abend.

00:11:47: Ein paar Tage später wird sie dann verhaftet, zusammen mit ihrem Bruder und ihrem Ehemann.

00:11:52: Es besteht dringender Tatverdacht.

00:11:54: Du zitierst den damaligen Oberstaatsanwalt Alf Willwacher in ganz typischer Juristenbehördensprache.

00:12:02: Er sagt, da es gibt viele Hinweise, die sich in der Gesamtheit zu einem Tatverdacht verdichten.

00:12:07: Was waren das für Hinweise?

00:12:09: Der Haftbefehl lautete auf Mord aus niedrigen Beweggründen und das mögliche Motiv war der Sorgerechtstreit um den gemeinsamen Sohn.

00:12:19: Verdächtig gemacht hatten sich Siegfried, seine Schwester und deren Mann nach Ansicht der Staatsanwaltschaft vor allem wegen ihres Verhaltens nach dem Verschwinden von Lothis.

00:12:29: Das Handy ihres Ehemanns wurde am Morgen des neunzehnten April gegen sechs Uhr im Bereich des Nielehafens geortet.

00:12:38: Eine Stunde später verlor sich dort auch das Satellitensignal des Handys von Lotus.

00:12:42: Das waren also einige wenige Stunden nach dem letzten Telefonat von Lotus mit ihrer Freundin.

00:12:48: Die damalige Vermutung der Ermittler Siegfried habe die Leiche seiner Frau möglicherweise im Rhein versenkt und Spuren beseitigt, können die Ermittler aber bis heute nicht belegen.

00:13:00: Polizeitaucher durchsuchten zwar das Hafenbecken auf die Leiche, schießen sie aber nicht.

00:13:05: Ihren Verdacht stützen die Fahnder auch auf eine Vollmacht, die in der Wohnung von Siegfrieds Schwester gefunden wurde.

00:13:11: Und in dieser Vollmacht gestattet Siegfried, seiner Schwester und deren Mann, den Sohn bei der Stadt auf seine Adresse umzumelden.

00:13:20: Datiert ist diese Vollmacht auf den zwölften April.

00:13:23: Zu diesem Zeitpunkt war Lotus aber noch gar nicht verschwunden.

00:13:26: Daraus schlossen die Ermittler, dass Siegfried das verschwinden seiner Frau da bereits einkalkuliert hatte und Vorsorge getroffen hatte.

00:13:34: Sein Anwalt hingegen hält das später beim Prozessauftakt für reine Spekulationen.

00:13:38: und in der Tat, der Hauptbeweis für all das, die Leiche, die fehlt bis heute.

00:13:43: Und vor allem gegen die Schwester und deren Mann bleiben die Hinweise anfangs auch schon offenbar ziemlich dürftig.

00:13:49: Du hattest auch Kontakt mit dem Vater des Ehemanns, also mit dem Schwiegervater von Lotus.

00:13:56: Der Mann wohnte damals in Chemnitz, was hat der Lee erzählt?

00:14:00: Wir haben kurz nach der Festnahme seines Sohnes und seiner Tochter telefoniert.

00:14:04: Er war völlig entsetzt und hat wörtlich gesagt, das ist doch ungeheuerlich und meinte, er könne sich überhaupt nicht vorstellen, dass sein Sohn und seine Tochter irgendetwas mit dem Verschwinden von Lotus zu tun haben.

00:14:16: Außerdem hat er erzählt und das war ganz interessant, er habe schon vor einigen Wochen einen Drohbrief erhalten.

00:14:22: Und sinngemäß fragte der Verfasser oder die Verfasserin dieses Drohbriefs ihnen darin, warum musste Lothis sterben?

00:14:30: Wo hat dein Sohn die Leiche?

00:14:31: Und wer hat den Brief geschrieben?

00:14:33: Weiß man bis heute nicht.

00:14:35: Der Brief war abgestempelt in Köln.

00:14:38: Verfasser oder Verfasserin blieben anonym.

00:14:41: Im Laufe der Ermittlungen und vor allem während des Prozesses wird die Familien-Situation der Verdächtigen deutlich, wie muss man sich das Leben in dieser Konstellation, in dieser Familie vorstellen?

00:14:53: Offenbar drehte sich in der Familie sehr vieles, wenn nicht alles, um den kleinen Sohn von Lothys und Siegfried.

00:14:59: Lothys ist damals relativ schnell schwanger geworden, als das Kind zur Welt kam, begann die Verwandtschaft auch gleich damit, sie zu bevormunden und zu kontrollieren.

00:15:08: Den Eindruck gewann man dann später aus der Hauptverhandlung.

00:15:11: Laut Anklage der Staatsanwaltschaft war es der Plan von Siegfried, seiner Schwester und deren Mann Lothys das Kind wegzunehmen und es bei sich.

00:15:21: aufwachsen zu lassen.

00:15:23: Ihre eigenen Schwester sagte Lothys früher mal am Telefon, es gefallen ihr gar nicht, dass das ihre Schwägerin und deren Ehemann so eine enge Beziehung zu einem Jungen hatte.

00:15:34: Die Freundin von Lothys sagte Lothys sei regelrecht eifersüchtig darauf gewesen.

00:15:38: Jetzt muss man dazu sagen, die Schwester und Der Schwager von Siegfried Kerr hatten selber einen unerfüllten Kinderwunsch, haben also keine eigenen Kinder bekommen, mischten sich aber offenbar in die Erziehung von Lothys und Siegfrieds Sohn ein, wo es nur ging.

00:15:55: Und Lothys hat wohl befürchtet, der kleine werde ihr mehr und mehr entfremdet.

00:16:00: Auf die Hilfe ihres Ehemanns gegen diese Vereinnamung durch Schwägerinnen und Schwager konnte sie übrigens nicht bauen.

00:16:08: Im ersten Urteil hieß es später, dass außergewöhnliche Engagement des kinderlos gebliebenen Ehepaars sei mit normaler Kinderliebe nicht mehr erklärbar.

00:16:17: und um nur mal ein Beispiel zu nennen.

00:16:19: Die Schwester von Siegfried hat oder soll beispielsweise die Entwicklung des Jungen von Geburt an in einem Tagebuch dokumentiert haben.

00:16:26: Als er in den Kindergarten kam, ließ sich nicht etwa der Vater Siegfried, sondern der Onkel in den Elternrad wählen.

00:16:33: Und das Paar soll die Mutter vor dem Kind schlecht gemacht haben, soll sie auch mal als Trottel bezeichnet haben.

00:16:40: Als Lothis das nicht länger hinnehmen wollte mit dem Kind ausgezogen ist, nahm der Streit um den Jungen seinen Lauf.

00:16:46: Das passt ja so ein bisschen ins Klischee.

00:16:48: Da wird eine Filipina von einem deutschen Mann geheiratet.

00:16:51: Und die Familie denkt dann, mit der kannst du alles machen.

00:16:54: Die ist in dieser Konstellation schwach und abhängig.

00:16:57: Aber Lothis entscheidet sich dann, diese Familiensituation zu verlassen.

00:17:01: Du hast es gesagt, sie zieht in eine Wohnung nach Mühlheim.

00:17:04: Also sie emanzipiert sich im Grunde.

00:17:07: Genau, sie emanzipiert sich.

00:17:08: Und das gefällt der Familie.

00:17:11: Das gefällt vor allen Dingen ... Lothys Schwägerin und dem Schwager überhaupt nicht.

00:17:17: Und der Schwager bietet Lothys tatsächlich twenty-fünfzigtausend Euro, damit sie ohne ihr Kind auf die Philippinen zurückkehrt und den Jungen eben zurücklässt.

00:17:27: Der Schwager selbst hat das vor Gericht über seine Anwälte übrigens abgestritten.

00:17:32: Aber Lothys Schwester sagte aus, Lothys habe ihr mal gesagt, sie gebe ihren Sohn nur über ihre Leiche her.

00:17:40: was für eine bittere Selbsterfüllung dann im Nachhinein.

00:17:43: Ihre Schwägerin kämpfte sogar für ein eigenes Umgangsrecht, nachdem Lothys sich dann von ihrem Bruder getrennt hatte.

00:17:49: Und Siegfried, offenbar in einer starken Abhängigkeit zu seiner Schwester, ließ sie auch gewähren.

00:17:54: Als Lothys sich von ihm trennte, wurden Jugendamt und Gerichte eingeschaltet, um der Mutter das Kind wegzunehmen.

00:18:00: Sie befürchteten einfach, Lothys könnte mit dem Jungen zusammen Deutschland verlassen.

00:18:05: Also sie tun alles, um ihr das Kind wegzunehmen.

00:18:07: In den Ehe-Mann werden der Ehe-Mann seine Schwester und deren Mann wegen Mordes angeklagt.

00:18:12: Die Ermittler haben eine ziemlich klare Vorstellung davon, wie die Tat abgelaufen ist.

00:18:17: Ja, also das Motiv soll, wie gesagt, gewesen sein, das alleinige Sorgerecht zu bekommen und zu verhindern.

00:18:23: Das lotet sich mit dem Jungen auf die Philippinen absetzt.

00:18:26: Und die Anklage wirft dem Ehepaar.

00:18:29: keine aktive Tatbeteiligung vor, sondern geht viel mehr von einer gemeinsamen Tatplanung aus.

00:18:35: Im Klartext heißt das, für die Ermittler hat Siegfried K. Lothys im Alleingang getötet.

00:18:42: Seine Schwester und Schwager sollen allerdings davon gewusst und ihm anschließend bei der Entsorgung der Leiche und der Spurenbeseitigung geholfen haben.

00:18:50: Das ließ sich allerdings bis heute auch nicht beweisen.

00:18:54: Siegfried K. soll am achtzehnten April, um vierzehn Uhr sieben und dreißig Lothis in deren Wohnung in Mühlheim aufgesucht haben.

00:19:03: Da hatte sie offenbar dann unterbrochen bei dem Telefonat mit ihrer Freundin.

00:19:07: Und er soll seine Frau dann irgendwann in dieser Zeit bis zu den frühen Morgenstunden des nächsten Morgens getötet haben.

00:19:14: Alles weitere liegt bis heute im Dunkeln.

00:19:17: Leichenspürhunde sollen in der Küche angeschlagen haben.

00:19:20: Aber das wichtigste Indiz ist ein anderes.

00:19:22: Es gibt ein Geständnis, der eher man hat sich selbst als Mörder bezeichnet, allerdings nicht bei der Polizei, sondern in einem Selbstgespräch.

00:19:31: Ja, das war alles sehr kurios.

00:19:33: Also nachdem Siegfried K. sich bei Befragungen der Polizei in Widersprüche verwickelt hatte, hat die Polizei ihn mit richterlichen Beschluss abgehört.

00:19:42: Zum Beispiel im Besuchsraum der JVA.

00:19:46: Und man hat auch sein Auto verwandst.

00:19:48: Eine DVD mit hunderten von Minuten heimlich abgehörter Telefonate und Selbstgespräche von ihm.

00:19:54: Die Abschriften füllen zehn Aktenordner.

00:19:57: Da ist viel Alltagsgeplauder dabei.

00:19:59: Es geht zum Beispiel um die Farbe von Handtüchern, um das Wetter oder darum, ob Tee trinken bei Krankheit hilft.

00:20:06: Die Qualität der Mitschnitte ist nicht immer einwandfrei.

00:20:09: Mal hört man ein Autoradio im Hintergrund, mal macht ein Ventilator Geräusche.

00:20:15: Aber ein ungefähr ein halbes Jahr nach Lotus verschwinden, soll Siegfried die Bemerkung gemacht haben.

00:20:22: Die Lotus ist schon lange tot, die wird auch nicht wieder, kannst du natürlich nicht sagen.

00:20:27: Einer der entscheidenden Sätze, so wie die Ermittler das sehen, ist auch eine Bemerkung von Siegfried.

00:20:33: Da sagte er, oh yes, I know, I kill her, and that's my problem.

00:20:37: Das soll er irgendwann mal im Auto vor sich hingebrabbelt haben.

00:20:40: Er soll auch gesagt haben, wir haben sie tot gemacht, wir haben sie tot gemacht.

00:20:45: Für die Ermittler kommt das am Ende einem Geständnis gleich und auch nach Meinung des Gerichts sind die Selbstgespräche ein schwerwiegendes Indiz.

00:20:53: Im Landgericht kommt auch heraus, dass auch du abgehört worden bist und das hatte dir niemand bis dahin erzählt.

00:20:59: Ja, genau.

00:21:01: Seine Schwester hatte mir ja an der Haustür gesagt, dass er mich zurückrufen würde, wenn er abends wieder zu Hause ist.

00:21:06: Das hat er ja auch getan.

00:21:08: Wir haben lang telefoniert.

00:21:09: Ich habe das in Erinnerung als fast eine Stunde.

00:21:12: Ich hab ihn gefragt, ob er denn eine Ahnung hat, wo Lothis sein könnte, was ihr zugestoßen sein könnte, wann er sie zuletzt gesehen hat und so weiter.

00:21:20: Und er sagte mir, er habe überhaupt keine Ahnung, wo sie ist.

00:21:23: Er meinte, er habe keine Anhaltspunkte dafür, dass seiner Frau etwas zugestoßen sei.

00:21:29: Sie sei in der Vergangenheit auch schon mal, und ich erinnere mich noch genau an seine Formulierung, weil die so ein bisschen ungewöhnlich war.

00:21:36: Er hat gesagt, seine Frau sei schon mal für längere Zeit auf unbekanntem Aufenthalt gewesen.

00:21:42: Aber auch damals habe sich nach ihrer Rückkehr nicht ergründen lassen, wo sie gewesen ist.

00:21:47: Zu diesem Zeitpunkt, als ich mit ihm sprach, hatte die Polizei ihn aber längst als tatverdächtigen Invisier und hatte sein Telefon angezapft.

00:21:56: Das konnte ich damals ahnen, aber rauskam, dass er es im Gerichtsprozess, wo aus unserem Telefonat einzelne Passagen zitiert worden sind.

00:22:04: Das darf man eigentlich nicht, ne?

00:22:05: Und hätte man dir das sagen müssen?

00:22:07: Das ist jetzt glatt als?

00:22:08: das weiß ich nicht.

00:22:08: Das konnten wir auch mit Frau Daas nie so richtig klären.

00:22:11: Frau Daas ist die Juristin hier überhaupt.

00:22:13: Das ist umstritten irgendwie.

00:22:14: Die haben ja nicht mich angezapft, sondern die haben ihn angezapft.

00:22:18: Und ich bin da quasi in diese Telefonüberwachung reingeplatzt.

00:22:22: Und ob man mich hätte informieren müssen oder nicht, das ist so ein bisschen unklar geblieben.

00:22:28: Der Prozess beginnt und jetzt erwartet man das eigentlich.

00:22:32: dann vor Gericht.

00:22:33: die Beschuldigten auch mal was zu den Vorwürfen sagen.

00:22:35: Was machen die drei?

00:22:37: Sie schweigen, alle drei.

00:22:38: Ihre Verteidiger sagen, sie seien unschuldig und sie fordern ein Freispruch bis zuletzt.

00:22:44: Und sogar das Recht des letzten Wortes, was ja jeder Angeklagte hat, nehmen die drei alle nicht wahr.

00:22:49: Das können sie auch, ist ihr gutes Recht.

00:22:51: Ihre Verteidiger stellen die These in den Raum.

00:22:54: Lotus könnte sich abgesetzt haben, ausgewandert sein.

00:22:57: Sie könnte sich auch selbst getötet haben oder sie könnte von jemand anderem umgebracht worden sein.

00:23:03: Während der Ermittlungen, du hast es eben erwähnt, es gab Versuche im Rhein nach ihr zu suchen, dann hat immer wieder die Frage eine Rolle gespielt, wo ist eigentlich die Leiche?

00:23:13: Sie ist nie gefunden worden, du hast das gesagt, was war denn aus Sicht der Ermittler ein möglicher Ort, was war denn wahrscheinlich?

00:23:19: außerdem rein, wo man sie hätte verstecken können oder wo man sie hätte suchen müssen.

00:23:23: Ja, die haben an verschiedenen Orten gesucht.

00:23:25: Es gab zwischendurch ja immer wieder Hinweise, entweder aus den Ermittlungen heraus oder von Zeugen und Nachbarn, die sich gemeldet haben und Verdachtsmomente geäußert haben, wo die Leiche liegen könnte.

00:23:37: Kurz nach der Verhaftung hat die Polizei zum Beispiel die Garage von Sikfridkar durchsucht und auch eine Zisterne, einen Brunnen auf seinem Grundstück leer gepumpt, aus dem er für gewöhnlich den Rasen gesprengt hatte.

00:23:48: Das hatte er laut Nachbarn aber die letzte Zeit nicht mehr getan, was den verdächtig vorgekommen war.

00:23:55: Aber der Boden war völlig unauffällig.

00:23:57: Die Ermittler haben auch zwischendurch ein Hochbeet im Kindergarten umgegraben.

00:24:02: Du hast auch schon gesagt, Spürhunde schlugen auch in Lotus Küche an.

00:24:05: Bleibt ein bisschen unklar, warum.

00:24:06: Die Polizei konnte keine Blutspuren finden.

00:24:10: Am wahrscheinlichsten galt den Ermittlern damals, dass Siegfried K. die Leiche auf einer Großbaustelle an der Düsseldorfer Straße in Mühlheim vergraben hat.

00:24:19: Und der Körper dann später bei der weiteren Bebauung des Grundstücks gewissermaßen eingemauert wurde.

00:24:24: An dieser Stelle stehen heute mehr Familienhäuser.

00:24:27: Das ist so ein bisschen wie im schlechten Mafia-Film.

00:24:30: Gleiche Betonvorgericht wird ernsthaft erwogen, ob man diesen ganzen Neubau-Block abreißen muss, um nach der Leiche zu suchen.

00:24:38: Aber so eine Suche hat dann auch Grenzen.

00:24:40: Das kann man nicht machen, oder?

00:24:42: Darüber wurde diskutiert.

00:24:43: Die Verteidiger von Sigfritz Schwager waren es, glaube ich, die haben damals beantragt, um abschließend zu ermitteln, ob die Leiche unter oder in diesem Neubau verborgen ist.

00:24:55: auch die Möglichkeit ins Auge zu fassen, die Wohnsiedlung so weit abzureißen oder zurückzubauen, wie sie zum Zeitpunkt des Verschwindens fertiggestellt war.

00:25:05: Also bis zum siebzehnten April, sie wollten damit beweisen, dass die Leiche dort eben nicht liegt.

00:25:11: Sie waren überzeugt, das hätte ja mindestens den Bauarbeitern damals auffallen müssen, wenn da irgendwo in einer Grube eine Leiche vergraben worden wäre.

00:25:20: Die Polizei hatte damals nur die Bodenplatte des Gebäudes mit Radar untersucht und hatte auch sogenannte Anomalien entdeckt, also irgendwelche auffälligen Dinge im Boden.

00:25:31: Hat auch Stichprobenartig bohren lassen, aber das gab alles keinen Hinweis darauf, dass da ein Mensch lag.

00:25:40: Klar, so ein Abriss wäre sehr teuer geworden, aber die Anwälte warnten, hier steht eben das Rechtsstaatsprinzip auf dem Spiel.

00:25:47: Und sie fragten, ist es denn verhältnismäßig, das Risiko einzugehen, drei Menschen unschuldig, zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe zu verurteilen, nur um Kosten zu sparen?

00:25:57: Das Gericht hat den Antrag aber letztendlich abgelehnt.

00:25:59: Nach Überzeugung der Kammer hatte die Polizei seinerzeit auf dieser Baustelle in Mühlheim ausreichend ermittelt.

00:26:05: Und der Staatsanwalt hatte diesen Antrag selbst auch von Anfang an für unrelevant erklärt.

00:26:11: Er sagte, es deute zwar einiges darauf hin, dass die Leiche seinerzeit auf der Baustelle abgelegt wurde.

00:26:17: Immerhin hatten da auf dieser Baustelle Leichenspürhunde angeschlagen.

00:26:21: Aber die Ermittler gingen damals auch schon davon aus, dass der Körper womöglich nur vorübergehend dort gelagert worden war und inzwischen dann längst fortgeschafft wurde, wohin auch immer.

00:26:30: Vor dem Urteilsspruch hat die Verteidigung das Wort, sie fordert für alle drei Angeklagten einen Freispruch.

00:26:37: Man habe es mit drei unbescholtenen Bürgern zu tun.

00:26:40: Es gebe keine Beweise, keine Leiche, nur schwache Indizien.

00:26:45: Vieles sei überhaupt nicht plausibel, wie hätte der Ehemann z.B.

00:26:49: seine Frau unbemerkt aus dem Haus schaffen können.

00:26:52: Und auch zum abgehörten Selbstgespräch im Auto hat die Verteidigung eine klare Meinung, das gesagt sei Ausdruck von reiner Fantasie.

00:27:03: Es handele sich da um hypothetische Gedanken ohne jeden Realitätsbezug.

00:27:09: Das Landgericht zeigt sich davon völlig unbeeindruckt.

00:27:12: Alle drei Beschuldigten werden wegen Mordes an Lothis zu lebenslanger Haft verurteilt.

00:27:18: Der Richter sagt, es gibt keinen vernünftigen Zweifel an der Täterschaft.

00:27:23: Tatsächlich passt alles zusammen und es gibt auch keine überzeugende andere Erklärung für Lotus verschwinden.

00:27:30: Aber das wird nicht reichen.

00:27:33: Die Verteidiger verlangen eine Überprüfung des Urteils und der Bundesgerichtshof gibt ihnen Recht.

00:27:40: Das Verfahren muss wiederholt werden.

00:27:43: Es kommt zu einer spektakulären Neuauflage des Prozesses und mit der Begründung des Bundesgerichtshofs wird Rechtsgeschichte geschrieben, die kommt damals für viele überraschend.

00:27:54: Der BGH erklärt nämlich das wichtigste Indiz für die Schuld der Angeklagten für unverwertbar.

00:28:03: Es geht da um das abgehörte Selbstgespräch.

00:28:06: Der Bundesgerechtshof folgt nicht der Verteidigung, die das Geständnis als Fantasieprodukt bezeichnet hatte.

00:28:12: Es geht nicht darum, was der Angeklagte gesagt hat, der BGH argumentiert vielmehr ganz grundsätzlich.

00:28:19: Ein Selbstgespräch gehöre zur unantastbaren Privatsphäre.

00:28:24: So etwas darf nicht abgehört und erst recht nicht vor Gericht verwendet werden.

00:28:29: Die Entscheidung zum Verlot ist war nicht der erste Prozess, wo das eine Rolle spielte.

00:28:34: Bereits im Jahr Zwei-Tausend-Fünf gab es ein ähnliches Urteil.

00:28:38: Ein Mann war in einem Krankenhauszimmer abgehört worden.

00:28:41: Da hatte er sich selbst belastet.

00:28:44: Damals ging es um die Rechtmäßigkeit des sogenannten großen Lauschangriffs in Wohnungen oder anderen geschlossenen Räumen.

00:28:51: Im Dezember Zwei-Tausend-Ilf war es dann die Wandse im Auto über die verhandelt wurde.

00:28:56: Auch da, mit dem gleichen Ergebnis wie Zwei-Tausend-Fünf, Selbstgespräche dürfen nicht genutzt werden.

00:29:03: Das ist nicht leicht nachzuvollziehen.

00:29:05: Natürlich gibt es ein Grundrecht auf die Unantastbarkeit der Privatsphäre.

00:29:10: Aber es gibt im Zusammenhang mit polizeilichen Ermittlungen eben immer auch Einschränkungen.

00:29:16: Sonst könnten ja viele polizeiliche Maßnahmen gar nicht stattfinden.

00:29:20: Von der Wohnungsdurchsuchung bis hin zum kleinen und großen Lauschangriff.

00:29:24: Da muss vorher nachvollziehbar abgewogen werden, ob die Maßnahme angemessen ist.

00:29:29: Wenn es um Mord geht.

00:29:31: Ist das eigentlich immer der Fall?

00:29:33: Warum ist es dann ein Unterschied, ob ein Gespräch zwischen zwei Menschen aufgenommen wird oder ob ich mit mir selber spreche, Tim Stienauer?

00:29:41: Der entscheidende Unterschied besteht juristisch gesehen darin, dass ich mich unbeobachtet und mit mir alleine fühle, wenn ich selbst Gespräche führe.

00:29:50: oder wie der Bundesgerichtshof das in seiner Entscheidung zu dem Fall, dass er ausgedrückt hat.

00:29:55: Die Selbstgespräche von Siegfried K. gehören zum Kernbereich des Persönlichkeitsrechts.

00:30:00: Und dieser Kernbereich muss geschützt werden.

00:30:03: Denn Kernbereich der Persönlichkeitsentfaltung besteht darin, den Menschen einen letzten Rückzugsraum zu bieten, sich mit dem eigenen Ich zu befassen.

00:30:13: Und zwar ohne Angst haben zu müssen, dass der Staat dies überwacht.

00:30:17: Und das beschränkt sich laut BGH eben nicht nur auf Selbstgespräche in der eigenen Wohnung, sondern kann auch in einem Auto erfüllt sein.

00:30:24: Der damals vorsitzende Richter des BGH, Thomas Fischer, hat das so ausgedrückt, es gelte nicht nur der Grundsatz, die Gedanken sind frei, geschützt seien auch ausgesprochene Gedanken, wenn die Person glaubt, allein zu sein.

00:30:37: Allerdings sei auch nicht jedes Selbstgespräch diesem Kernbereich der Persönlichkeit zuzuordnen, letztendlich komme es immer auf eine Abwägung im Einzelfall an.

00:30:46: Ist das für dich nachvollziehbar?

00:30:49: Ja, ein.

00:30:50: Grundsätzlich finde ich es richtig, dass es ein Bereich des ganz persönlichen geben muss, der auch von der Polizei und den Ermittlern nicht ausgeforscht werden darf.

00:30:57: Das ist Kennzeichen des Rechtsstaats, dass er sich auch selbst Grenzen auferlegt.

00:31:01: Allerdings sagt ja auch der BGH, dass in jedem Einzelfall abgewogen werden muss.

00:31:06: Das heißt, in besonders gravierenden Fällen, mit starkem Ermittlungserdresse, könnten theoretisch Ausnahmen denkbar sein.

00:31:14: Und ich ganz persönlich finde, wenn es um schwerste Straftaten geht, wenn also die Gedanken, die man in einem Selbstgespräch äußert, ja nicht nur das eigene Leben betreffen, sondern auch das Leben anderer, wir reden hier über Mord, dann sollte nach meinem persönlichen Empfinden das Interesse der Angehörigen und der Allgemeinheit eine Aufklärung dieser Tat den Schutz des Einzelnen überwiegen.

00:31:38: So kommt es zur Neuauflage des Prozesses.

00:31:41: Die drei Beschuldigten hatten da schon vier einhalb Jahre im Gefängnis gesessen.

00:31:46: An der Ausgangslage vor dem zweiten Prozess ändert sich erst einmal wenig.

00:31:50: Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass sie auch ohne das Selbstgespräch die Schuld der drei nachweisen kann.

00:31:57: Und die Verteidigung bleibt bei ihrer Forderung nach einem Freispruch für alle drei.

00:32:03: Ich habe im Jahr zwölf nicht wenige Tage der Weihnachtszeit im Landgericht verbracht, um über die Verhandlung im Kölner Stadtanzeiger zu berichten.

00:32:12: Dazu kam es, weil der Prozess durch Proteste eine politische Dimension bekommen hatte.

00:32:17: Bei einem Protestmarsch gegen Gewalt, gegen Frauen trugen Frauen Plakate mit der Aufschrift Gerechtigkeit für Lotus durch die Stadt.

00:32:27: Zu meinen Themen damals beim Kölner Stadtanzeiger gehörte unter anderem der Bereich Integration und Migration.

00:32:33: Und so kam es zu einem sehr interessanten Austausch.

00:32:37: Frauen, die von den Philippinen nach Deutschland gekommen waren, wollten sich öffentlich zum Prozess äußern.

00:32:43: Ich habe mich damals mit Vertreterinnen des Vereins Babajan getroffen.

00:32:48: Babajan heißt auf Deutsch so viel wie Heilerin.

00:32:51: Priesterin.

00:32:52: Das ist ein Frauennetzwerk, das für Menschenrechte und für eine faire Behandlung von filipinischen Migrantinnen streitet.

00:33:01: Es fordert auch eine Echtung der illegalen Heiratsvermittlung.

00:33:04: Eine Sprecherin von Barbarian war und ist Merilou Hadiyo-Werning.

00:33:09: Ich habe sie für diese Podcastfolge noch einmal angeschrieben.

00:33:13: Die Lage der Frauen, die von den Philippinen nach Europa kommen, ist nicht ganz einfach zu beschreiben.

00:33:19: Merilou Hadiyo-Werning bat darum, dass sie meine Fragen nicht in einem Interview beantworten muss, sondern in aller Ruhe, damit sie sich vorher aufschreiben kann, was sie sagen will.

00:33:30: Mich hat damals sehr beeindruckt, wie sich diese kleine Gemeinschaft von Frauen selbstbewusst zu Wort meldete, von der man bis dahin wenig oder nichts gehört hatte.

00:33:40: Der Blick auf Frauen von den Philippinen oder auch aus anderen asiatischen Ländern ist in Deutschland ja in der Regel von einem klaren Urteil vor Urteil geprägt.

00:33:49: Das sind Frauen, die sich von Männern haben kaufen lassen, die im Grunde für Geld alles abgeben und zurücklassen, um ein besseres Leben zu bekommen und sich dafür freiwillig in eine totale Rechtlosigkeit begeben.

00:34:03: Ich habe Mary Loua, die Jo Werning damals wie heute gefragt, was sie denen gerne sagen möchte, die so

00:34:10: Diese Leute kleben an diese klischeehaften Vorstellungen und wagen es nicht, andere Perspektiven überhaupt in Betrag zu sehen.

00:34:25: Diese Menschen sollte sich bewusst machen, dass es viel Mut erfordert, wenn Frauen ihre Familie, ihre Freunde und ihr Land verlassen.

00:34:35: um einem Traum von einem besseren Leben und wirtschaftlicher Sicherheit, nicht nur für sich selbst, sondern auch für ihre zurückgelassenen Angehörige zu verwirklichen.

00:34:50: Es wäre gut, wenn diese Menschen mehr Verständnis aufbrechten, anstatt Stereotypen zu pflegen und wenn sie möglichst mit dafür sorgten, dass diese Frauen in Deutschland Schutz und Freude finden.

00:35:05: Im Grunde lässt sich das, was Merylou Adio Werning sagt, auf eine einfache Forderung bringen.

00:35:11: Sie wünscht sich mehr Respekt.

00:35:14: Da treffen Frauen eine Entscheidung, die vielleicht nicht jeder nachvollziehen kann, aber sie tun es selbstbestimmt und selbstbewusst.

00:35:21: In dem Netzwerk Barbarian geht es darum, die Frauen nach ihrer Einreise in ein europäisches Land zu unterstützen.

00:35:28: Es soll ein Diskussionsforum für alle möglichen Themen sein.

00:35:32: Die Organisation veranstaltet Seminare, Treffen und Workshops.

00:35:37: Da geht es natürlich vor allem um das Leben hier.

00:35:40: So vernetzen sich die Mitglieder auch mit anderen Fraueninitiativen, die sich für die Rechte von Migrantinnen einsetzen.

00:35:47: Politischen Engagement geht es aber auch immer wieder um die Lage auf den Philippinen.

00:35:53: Wenn in Deutschland über die Philippinen berichtet wird, geht es meist um ethische Konflikte, um Korruption und um Gewalt in einer schwachen oder geschwächten Demokratie, was viele in Deutschland nicht wissen.

00:36:05: Es gibt auf den Philippinen durchaus eine gesetzliche Regelung im Zusammenhang mit Heiratsvermittlung, die Frauen schützen soll.

00:36:13: Gewerbsmäßige Heiratsvermittlung ist auf den Philippinen strengstens verboten.

00:36:17: In den letzten Jahren sind die bestehenden Gesetze weiter verschärft worden.

00:36:22: Das heißt natürlich nicht, dass es diese Art der Heiratsvermittlung nicht mehr gibt, es werden Schlupflöcher genutzt.

00:36:28: Das sagt Mary Lou Adio-Werning zum Thema.

00:36:31: Es gibt zwar Gesetze, die Frauen und Männer für Menschenhandeln schützen sollen.

00:36:39: Aber es gibt auch kreative Möglichkeiten, diese zu umgehen.

00:36:44: Weißbild durch persönliche Vorstellung im Kreis von Freunden und Verwandten, die bereits in Deutschland leben.

00:36:53: Was ich auch Grund ihrer Anwesenheit und Unterstützung als sichere Methoden bezeichnen würde.

00:37:02: Und über das spielen soziale Medien eine herausragende Rolle.

00:37:08: Dating-Apps können keine Grenze, sind in vielen Ländern verfügbar und vor allem in Deutschland akzeptiert und legal.

00:37:17: Sie waren vor Pauschalurteilen, ja natürlich, da gibt es diese Fälle, wo Frauen von Männern wie ein Objekt angesehen werden, das man kaufen kann.

00:37:26: Aber es gibt eben auch die Frauen, die hier einen mutigen Schritt in eine ungewisse Zukunft in einem unbekannten Land wagen, um ihr Glück zu suchen.

00:37:35: Es ist ein sehr komplexes Phänomen.

00:37:39: Man sollte Faktoren wie wirtschaftliche Aspekte, kulturelle Erwartungen sowie persönliche Ambitionen oder Aspirationen berücksichtigen.

00:37:52: Für manche Frauen kann es einer befreienden Schritt sein.

00:37:57: Für mich sind es mutige Frauen, die bereit sind, risiken für sich selbst.

00:38:05: einzugehen.

00:38:07: Ich kann zahlreiche Gründe dafür nennen, warum Frauen die Dienste illegale Heiratsagentüre in Anspruch nehmen würden.

00:38:18: Ich kann mir zu dem gut vorstellen, dass ihr Bedürfnis, Glück und neue Chance für sich und ihre Familien zu finden, So gross ist, dass sie dieses Risiko eingehen.

00:38:33: Natürlich gibt es auch andere Wege, um nach Deutschland zu kommen, vor allem, wenn man in einem Berufsfeld arbeiten will, wo in Deutschland und anderen Ländern intensiv nach Arbeitskräften gesucht wird, zum Beispiel im Pflegebereich.

00:38:46: Doch da gibt es eine Hürde.

00:38:48: Wenn Frauen im Ausland Arbeit suchen, müssen sie eine hohe Vermittlungsgebühr zahlen, während Heiratsagentüren kostenlos sind.

00:38:58: sehr praktisch.

00:38:59: Ja, in den Philippinen gibt es Sprichwörter wie Machipag-Sappalaran sein Glück versuchen und Kuma Kapit-Sappatalim sich an einer Klinge festhalten, die bedeuten, dass man, egal wie groß das Risiko auch sein mag, etwas tun muss, um aus dem Elend herauszukommen.

00:39:28: Das Unterstreik, wie stark letztlich diese Frauen sind, dass sie es wagen, ihre Situation zu ändern.

00:39:37: Die Heimat zu verlassen ist das eine, ob das fremde Land zu einer neuen Heimat werden kann, hängt natürlich davon ab, wie es den Auswanderinnen hier ergeht.

00:39:46: Es gibt bereits salreiche Untersuchungen zur Situation von Filipinas in Deutschland.

00:39:52: Die jüngste Zuwanderung vieler Krankenschwester und Pflegekräften hat ebenfalls zu einer Veränderung des Migrationsbilders geführt.

00:40:04: Ich kann mit Sicherheit konstatieren, dass Filipinas hier im Allgemeinen ein glückliches Leben führen.

00:40:14: Es gibt zwar Fälle von häuslicher Gewalt und anderen Beziehungsproblemen, aber die Mehrheit legt Ein gutes Leben.

00:40:25: In vielen Städten gibt es lebendige Philippinische Gemeinschaften, Kirchengruppen, Karaoke, Veranstaltungen usw.

00:40:38: Die übliche Herausforderungen sind Sprachprobleme und die Unkenntnis der eigenen Rechte als Ehefrau.

00:40:46: oder Arbeitnehmerin.

00:40:47: Mary Lou Adio-Werning sagt, Integration sei für Filipinas grundsätzlich kein großes Problem.

00:40:54: Deshalb die Frage, ist der Fall Lotus ein Einzelfall oder kommt sowas dann doch häufiger vor?

00:41:01: Das vermag ich nicht zu sagen.

00:41:03: Doch ich kann mir gut vorstellen, wie überrascht der Ehemann und seine Familie sind, als diese zerbrechliche, süß aussehende Filipina beginnt.

00:41:15: ihr wahres Wiesen zu zeigen.

00:41:18: Sie sagt auf einmal nein, fordert ihre Rechte und Autorität als Ehefrau und Mutter ein, wie sie es von zu Hause aus gewohnt war.

00:41:28: Also Surprise.

00:41:31: Ihr Fall hat gezeigt, wie wichtig es ist, eine Gemeinschaft und Freunde zu haben, die nicht nur vor Karaoke und Essenveranstaltungen sondern wie eine fürstögliche Familie vor einem das sind, die sich von Zeit zu Zeit nach einem erkundigen und nach einem suchen, wenn man nicht da ist.

00:41:56: Dass sich umeinander kümmern oder jemand besuchen hilft natürlich nicht gegen jemanden.

00:42:02: Der bereit ist einen Mord zu verüben.

00:42:05: Das ist klar.

00:42:06: Für die Zukunft wünscht sich Merilou Adio Werning mehr staatliche Unterstützung.

00:42:11: für Vereine und Gruppen, in denen sich Migrantinnen selbst organisieren.

00:42:17: Zur juristischen Aufbereitung von Lothis Verschwinden, vor allem zum zweiten Prozess vor dem Landgericht, wollte Mary Lou Adio Werning nichts mehr sagen.

00:42:27: Das deutet an, welche Emotionen das damals ausgelöst hat.

00:42:32: Dieser Prozess war auch unter integrationspolitischen Aspekten höchst interessant.

00:42:36: Da traf nämlich eine formalisierte deutsche Justiz, ein deutscher Rechtsstaat mit seinen klaren Strukturen zur Rechtsfindung auf eine Vorstellung von Gerechtigkeit und Respekt, die stark von Emotionen geprägt ist.

00:42:52: Die Filipinas, die da protestierten, haben zum Beispiel überhaupt nicht verstanden, warum sich der Angeklagte oder die Angeklagten nie erklären mussten, dass ein Angeklagter nach dem Tod eines Menschen einfach schweigen darf, empfinden sie als falsch, weil es völlig respektlos gegenüber den Opfern und ihren Angehörigen ist.

00:43:14: Die Richterin im Berufungsprozess hat meines Erachtens keinen guten Umgang mit dieser hoch emotionalen Seite des Verfahrens gefunden, im Gegenteil Die öffentlichen Äußerungen der Frauen, die im Grunde nur wollten, dass die Opfer, also Lothis und ihr Sohn im Mittelpunkt stehen sollten, haben zu einem folgenreichen Eklat im Landgericht geführt.

00:43:36: Am Tag der geplanten Urteilsvergündung hatte ich im Kölner Stadtanzeiger über das Engagement der philippinischen Frauen und die Arbeit des Netzwerks Barbarian berichtet und eine der zitierten Frauen war die Dolmetscherin im Prozess.

00:43:51: Daraufhin ließ die Richterin die Urteilsverkündung ausfallen und schloss die Philippinische Dolmetscherin wegen angeblicher Befangenheit vom Verfahren aus, weil sie sich in ihrer Freizeit für die Sache der Filipinas in Deutschland engagierte und sich der Forderung Gerechtigkeit für Lotus angeschlossen hatte.

00:44:11: Die Richterin fand, dass die Frau aufgrund ihres Engagements befangen sei und deshalb auch nicht Dolmetschen dürfe.

00:44:18: Das kann man so sehen.

00:44:20: Aber dann musste man natürlich fragen, warum die Dolmetscherin überhaupt beauftragt worden war.

00:44:25: Ihr Engagement war ja kein Geheimnis.

00:44:29: Ich fand die Entscheidung der Richterin damals übertrieben und auch ein bisschen anmaßend, weil da ja ein Urteil über die Professionalität der Dolmetscherin mitschwang, ohne ihr einen fachlichen Fehler nachweisen zu können.

00:44:42: Die Richterin entschied sogar, dass alle Zeugenaussagen, bei denen die Dolmetscherin übersetzt hatte, wiederholt werden mussten.

00:44:49: Der Prozess wurde um neun Verhandlungstage verlängert, somit also auch deutlich teurer für die Steuerzahler, vierzehn Anwälte, drei Richter, zwei Schöffen und zwei Ersatzschöffen mussten nach fünf Jahren Ermittlungen in letzter Sekunde ihre Pläne für die folgenden Wochen umstellen.

00:45:05: Das war sehr hohe Aufwand.

00:45:07: Viele haben gesagt, das war völlig unangemessen.

00:45:11: Bei den Zeugenbefragungen, die dann wiederholt wurden, zeigte sich, dass die entlassene Dolmetscherin nichts falsch gemacht hatte.

00:45:19: Als Zeugen haben nicht nur die Freundinnen von Lotus in Köln ausgesagt, sondern auch Familienmitglieder, die extra von den Philippinen eingeflogen werden mussten.

00:45:29: Das waren sehr beeindruckende Berichte, die man da hören konnte.

00:45:33: Da hat man viel Trauer, Verzweiflung und auch Wut gespürt.

00:45:37: Nicht zu wissen, wo die Leiche sei, war schlimm, sagte zum Beispiel Lothis Schwester.

00:45:42: Sie berichtete vor Gericht von schlimmen Träumen.

00:45:45: Sie sie fast jede Nacht plakten.

00:45:48: Lothis müsse doch wenigstens ein Grab bekommen.

00:45:51: Dem Vater auf den Philippinen hat die Familie Jahrelang verschwiegen, dass Lothis spurlos verschwunden ist.

00:45:57: Man wollte ihn wegen eines Herzleidens schonen.

00:46:00: Er starb in dem Glauben, dass seine Tochter nichts mehr von ihm wissen wollte, weil sie sich nicht mehr bei ihm gemeldet hatte.

00:46:09: Verschlimmert wurde das Ganze für die Familie von Lothis durch die Weigerung des Kindes, des Sohnes mit irgendjemand in Kontakt zu treten, der etwas mit seinem früheren familiären Umfeld zu tun hat.

00:46:21: Der Junge war in eine Pflegefamilie gekommen, viel mehr als das es ihm da gut geht.

00:46:26: Erfuhren seine Verwandten damals nicht.

00:46:30: Anfang Jahrzehnte war es dann soweit, das Gericht verkündete das Urteil.

00:46:36: Und das hatte es in sich.

00:46:38: Es sah Lothis Ehemann als Mörder überführt.

00:46:42: Seine Schwester und deren Mann, die von der Staatsanwaltschaft als die Drahtzieher des Mordes angesehen wurden, konnten jedoch als freie Leute nach Hause gehen.

00:46:52: Die Richter änderten das Urteil ihrer Kollegen beim ersten Prozess, so stand es am elften Januar im Kölner Stadtanzeiger.

00:47:00: Die Kammer habe keinen Zweifel.

00:47:02: Siegfried K. hat am achtzehnten April zwei tausend sieben seine Ehefrau Lothys umgebracht.

00:47:07: Eine geplante Tat aus niederen Beweggründen.

00:47:10: Er habe nicht ertragen können, dass das gemeinsame Kind bei der Mutter lebte.

00:47:15: Außerdem habe er keinen Unterhalt mehr zahlen wollen.

00:47:18: Die Neuauflage im spektakulären Indizienprozess um den Mord ohne Leiche ist mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe für den Ehemann zu Ende gegangen.

00:47:27: Die beiden mit angeklagten Schwester und Schwager des Verurteilten wurden freigesprochen.

00:47:33: Ihnen sei eine Tatbeteiligung nicht zu beweisen gewesen.

00:47:36: Regungslos folgten die drei Angeklagten der dreistündigen Urteilsbegründung.

00:47:40: Siegfried K. verabschiedete sich schließlich mit einem Lächeln und Handschlag zurück ins Gefängnis.

00:47:46: Er wirkte so, als wäre es hier nicht um ihn gegangen.

00:47:49: Als alles vorbei ist, kommen der Schwester ein Paträn.

00:47:52: Die erste Gefühlsäußerung nach unzähligen Prozesttagen.

00:47:55: Sie und ihr Mann bleiben in Freiheit.

00:47:57: Die Kammer hatte bereits vor Monaten ihre Untersuchungshaft aufgehoben.

00:48:00: Die

00:48:00: Richterin findet die passenden Worte, weil sie immer wieder den jetzt zehnjährigen Sohn der Toten und des Angeklagten in den Mittelpunkt stellt.

00:48:09: Ihm sei nicht nur die Mutter genommen worden, er habe auch alle anderen ihm wichtigen Bezugspersonen verloren und müsse nun wie alle anderen Angehörigen mit der Gewissheit über den Tod der Mutter und den Verbleib ihrer Leiche leben.

00:48:22: Dass die Angeklagten bis zuletzt geschwiegen hätten, sei ihr gutes Recht.

00:48:26: Aber sie hätten sich auch dafür entscheiden können, einen Aufklärungsbeitrag zu leisten.

00:48:32: Zitat, das wäre für die Angehörigen wichtig gewesen.

00:48:35: Sie hätten ihnen und vor allem dem Kind helfen können.

00:48:38: Kein Verständnis habe die Kammer für die Aussage der Verteidiger von Siegfried K. gehabt, die eine Einlassung ihres Mandanten von einem entgegenkommenden Staatsanwaltschaft abhängig machen wollten.

00:48:49: Die Familie K. sei eine Festung, die Außenstehenden kein Einblick gewähre.

00:48:54: Sie haben darüber aber vergessen, dass auch das Kind ein Teil dieser Familie ist, so die Richterin.

00:48:59: Beachtlich sei, wie der Junge mit der Belastung umgehe.

00:49:02: Er habe die Ermittlung gegen Menschen, denen er vertraut habe, relativ gut überstanden.

00:49:07: Was die Zukunft bringe, wissen wir nicht.

00:49:09: Der Junge sehe die freigesprochenen Angeklagten als Gefahr.

00:49:12: Sie könnten versuchen, ihn nun aus seiner Pflegefamilie herauszureißen.

00:49:16: Ausgerechnet

00:49:17: ein Dokument des Vaters, das zu einem von mehreren Indizien wurde, die seine Verurteilung begründeten, könnte dafür die Handhabe sein.

00:49:25: Siegfried K. hatte kurz nach dem Verschwinden seiner Frau eine Vorsorgevollmacht und sein Testament geschrieben, dass seine Schwester und seinen Schwager zu Ersatzeltern und Vermögensverwaltern für seinen Sohn machen sollte.

00:49:38: Aus Sicht des Gerichts habe er damit Vorsorge für den Fall seiner Verhaftung treffen wollen.

00:49:42: Dieses Dokument war für das Gericht auch ein wichtiges Indiz, um die Alleintäterschaft von Siegfried anzunehmen.

00:49:51: Er habe seine Verwandten nicht mit hineinziehen wollen, damit sie im Notfall für das Kind sorgen können, so das Gericht.

00:49:59: Möglicherweise hätten sie erst nach der Tat von dem Mord erfahren.

00:50:03: Die Vorsitzende Richterin sagte wörtlich, wir sind nicht an den Punkt gelangt, wo man nahtlos beweisen kann, was wirklich passiert ist.

00:50:12: Im Falle des Ehemanns sah das Gericht auch ohne die Berücksichtigung des Selbstgesprächs genug Beweise dafür, dass er der Mörder ist.

00:50:20: Bei seiner Schwester und seinem Schwager war das nicht der Fall.

00:50:23: Sie wurden freigesprochen.

00:50:25: Für die fünf Jahre Haft gab es eine Entschädigung.

00:50:28: Dem Chinau, wie läuft das in so einem Fall?

00:50:30: Was bekommt man für einen Tag im Gefängnis, wenn man dazu unrecht sieht?

00:50:33: Das hat schon einige Jahre her.

00:50:34: Damals bekam man gesetzlich festgeschrieben, dann bei der Schwester von Siegfried K. und deren Mann jeweils forty-fünfzigtausend Euro.

00:50:47: Das ist nicht viel für fünf Jahre Gefängnis, wenn man unschuldig sitzt.

00:50:52: Zwei-tausend neunzehn wurde dieser Betrag dann von fünfundzwanzig auf fünfundsiebzig Euro pro Tag angehoben.

00:50:59: Das heißt, im Fall Lothis K. hätten die Angeklagten nach dieser Berechnung dann pro Person schon mal hundertzweiunddreißigtausend Euro bekommen.

00:51:08: und ganz aktuell ist in der Diskussion den Betrag noch weiter anzuheben auf hundert Euro oder bei längerer Haft ab sechs Monaten sogar auf zweihundert Euro pro Haftag.

00:51:17: und in diesem Fall hätten die Angeklagten heute jeweils dreihundertzweiundfünfzigtausend Euro bekommen.

00:51:23: Der

00:51:23: Schwager wollte mehr als die viervierzigtausend Euro Haftentschädigung und verlangte einen Ausgleich für seinen Verdienstausfall in Höhe von vierhundertzehntausend Euro.

00:51:33: Genau, er wollte Schadensersatz haben.

00:51:36: Es gab ein Zivilverfahren, er hat dann allerdings nur dreißigtausend Euro Schadensatz für Verdienstausfälle bekommen.

00:51:42: Nachzutragen ist noch das Siegfried K. bzw.

00:51:45: sein Verteidiger ein weiteres Mal, versuchten, das Kölner Urteil von dem Bundesgerichtshof anzufechten.

00:51:51: Doch diesmal gab es keine Kritik an der Arbeit der Kölner Richter.

00:51:55: Die Revision wurde als unbegründet zurückgewiesen.

00:51:58: Es blieb beim Urteil des zweiten Prozesses, der Mann blieb in Haft.

00:52:02: Das Urteil wegen Mordes wurde Ende des Jahrhunderts, also fast acht Jahre, nach Lothis verschwinden.

00:52:11: Was sagen wir zum Abschluss dieses Verfahrens?

00:52:14: Es bleibt beim Schuldspruch für Siegfried Ka, die Schwester und ihr Mann, werden aber freigesprochen.

00:52:19: Was würdest du sagen, sind da Mörder freigekommen?

00:52:22: Können wir uns ein Urteil über das Urteil anmarschen?

00:52:25: Sagen wir so, es gibt bis heute keinen Beweis, dass Siegfrieds Schwester und ihr Mann in den Mord oder in die Planung eingeweiht waren.

00:52:35: Noch weniger kann man beweisen, dass sie ihm sogar geholfen hätten, Lotus zu töten.

00:52:40: Am Ende ... kann man einfach nicht ausschließen, dass Siegfried Lothis umgebracht hat und seine Schwester und ihrem Mann erst nach der Tat davon berichtet hat.

00:52:48: Und somit waren die beiden frei zu sprechen.

00:52:51: Das sagt der Richter.

00:52:52: Und was sagst du?

00:52:54: Ich finde das nachvollziehbar.

00:52:56: Das Problem bei den Beobachtern war halt, dass die permanent geschwiegen haben.

00:53:00: Die haben auch in den Berufungsverfahren immer weiter geschwiegen.

00:53:02: Und dann denkt man natürlich, das ist ja ein Punkt, womit man sich ja eigentlich selbst belastet.

00:53:06: Also wenn ich keine Schuld habe, kann ich doch reden.

00:53:09: würde ich auch immer so denken.

00:53:10: Allerdings halten Juristen einmal dann immer entgegen.

00:53:13: Das ist eben das gute Recht eines Angeklagten, sich so zu verteidigen.

00:53:17: Aber klar, auf Außenstehende, auf Leihen wirkt das oft befremdlich oder fast schon wie ein Schuldeingeständnis.

00:53:25: Aber rechtlich gesehen ist es das eben genau nicht.

00:53:29: An das Kind, um dessen wohl sich alles drehen sollte, hatte offensichtlich keiner der Verwandten mehr gedacht.

00:53:35: Der Junge muss mit dieser furchtbaren Ungewissheit über den Tod seiner Mutter leben und ob ihm irgendeiner seiner deutschen Verwandten mehr gesagt hat, als dem Gericht kann man bezweifeln.

00:53:46: So hat er nicht nur seine Mutter, sondern gleich seine ganze Familie in Deutschland verloren, unwissend, wer nun wann genau was wusste oder gemacht hat.

00:53:56: Wir haben die Richterin zitiert.

00:53:58: Wir sind nicht an den Punkt gelangt, wo man nahtlos beweisen kann, was wirklich passiert ist.

00:54:03: Ich finde, das klingt schon fast zu präzise.

00:54:05: Eigentlich ist man von diesem Punkt doch ziemlich weit entfernt geblieben.

00:54:10: Sehr viele Fragen sind offen.

00:54:12: Und selbst da, wo es Antworten gab, kann man weiter diskutieren.

00:54:16: Ist es richtig, dass ein abgehörtes Selbstgespräch nicht als Beweis zugelassen werden darf?

00:54:22: Worin liegt der Unterschied zwischen einem vertraulichen Gespräch unter Freunden und einem Gespräch mit mir selbst?

00:54:28: Was geschieht, wenn mir jemand beim Selbstgespräch zuhört, weil ich zum Beispiel mit dem Auto bei offenem Fenster an einer Ampel stehe, wäre dann die Zeugenaussage des Zuhörenden mehr wert als das Abhörprotokoll der Polizei?

00:54:43: Mit diesen Fragen entlassen wir sie für heute.

00:54:45: Herzlichen Dank an Tim Stienauer.

00:54:48: Der Kollege verlässt den Kölner Stadtanzeiger.

00:54:51: Das ist natürlich sehr schade, aber True Crime Köln wird er verbunden bleiben.

00:54:55: Denn Tim wechselt in die Presse Stelle der Kölner Polizei.

00:54:59: Da bleiben wir natürlich in bestem Kontakt.

00:55:02: Dank auch an Laura Ostender und Julia Handclose, die als Sprecherin mitgemacht haben.

00:55:08: Das war's für heute.

00:55:09: In der nächsten Folge sollen wir ein wenig dem Kalenderespekt und machen.

00:55:13: eine spannende Zeitreise, um den mutmaßlich größten Liebhaber aller Zeiten zu treffen.

00:55:20: Casanova hat in Köln Karneval gefeiert.

00:55:24: Und nicht nur das, es wird von zahlreichen Gesetzesbrüchen zu berichten sein.

00:55:28: Mehr dazu in der nächsten Folge.

00:55:30: Bis dahin, bleiben Sie wachsam, aber bitte auch gelassen.

00:55:34: Tschö.

00:55:35: True Crime Kallen mit Helmut Frangenberg.

00:55:39: Alle zwei Wochen eine neue Folge.

00:55:41: Überall da, wo es Podcasts gibt und auf ksda.de.

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