Du möchtest deine Werbung in diesem und vielen anderen Podcasts schalten? Kein Problem!
Für deinen Zugang zu zielgerichteter Podcast-Werbung, klicke hier.

Audiomarktplatz.de - Geschichten, die bleiben - überall und jederzeit!

Ehebruch mit der Gattin des Bürgermeisters: Casanova im Kölner Karneval

Shownotes

Bei einem Maskenball im Karneval 1760 lernt Casanova die Gattin des Kölner Bürgermeisters, Maria Ursula Columba zum Pütz, kennen und verliebt sich in sie. Um sie zu verführen, muss er seinen Besuch im Rheinland verlängern, bevor sich die beiden schließlich zum Ehebruch verabreden. Zunächst musste der Lebemann aus Venedig Stunden zusammengekrümmt im Beichtstuhl verbringen. Nach dem Abschließen der Kirche soll er weitere Stunden zusammen mit Ratten in einem Kämmerlein verbracht haben. Dafür wurde er jedoch reich belohnt. Casanova berichtet in seinen Memoiren von einer „köstlichen Nacht“. Sieben Stunden lang habe sich „die Lust immer wieder erneuert“. Der Ehebruch ist nicht der einzige Gesetzesbruch, den Casanova hier beging. Er verprügelte einen Kölner Zeitungsredakteur und übte verbotene Selbstjustiz. Möglicherweise war er als Spion in Köln unterwegs. Bei seinem dritten Besuch ist er wohl in der Stadt, um Schulden einzutreiben. Casanova musste einen Raubüberfall abwehren und wegen Betrugs vor Gericht erscheinen. Und bei allen festlichen Anlässen war er der Star, weil er recht unterhaltsam von seiner spektakulären Flucht aus den gefürchteten Bleikammern im Dogenpalast von Venedig berichten konnte. Dort war er eingesperrt worden, weil er angeblich als Unruhestifter und Anhänger der Freimaurer die „heilige Religion“ geschmäht hatte. Zu Gast bei True Crime Köln sind der Casanova-Kenner Ansgar Bach und die Karnevalsexpertin Monika Salchert. In dieser Folge geht es auch um die Kölner Elendskirche, in der sich Casanova vor der wilden Nacht mit „Mimi“ versteckt hatte. Informationen zur Elendskirche im Severinsviertel und zur von Groote’schen Familienstiftung findet man im Netz unter www.st-gregorius.de

Du möchtest deine Werbung in diesem und vielen anderen Podcasts schalten? Kein Problem!
Für deinen Zugang zu zielgerichteter Podcast-Werbung, klicke hier.

Audiomarktplatz.de - Geschichten, die bleiben - überall und jederzeit!

Transkript anzeigen

00:00:02: True Crime Köln, der Podcast des Kölner Stadtanzeiger über wahre Verbrechen, spannende Geschichten und spektakuläre Fälle.

00:00:12: Die Stadt und die Region feiern Karneval.

00:00:15: Das Volk trinkt und singt in Wirtshäusern und verspottet bei Umzügen und Theaterstücken auf der Straße, die ober Schicht, die mit diesem Treiben nichts zu tun haben will.

00:00:25: Die feine Gesellschaft trifft sich lieber zu Maskenbellen in privaten Räumen oder Seelen.

00:00:32: Wir befinden uns im Jahr.

00:00:35: Ein Mann, dem ein besonderer Ruf voraus eilt, hat den Weg nach Köln gefunden.

00:00:40: Er sei ein Scharlatan der Menschenbetrüge und überall, wo er auftauche für Unruhe, Sorge, sagen manche.

00:00:47: Vier Jahre zuvor war ihm eine spektakuläre Flucht aus den Bleikammern von Venedig, dem Staatsgefängnis im Duschenpalast gelungen.

00:00:56: Er ist ein Abenteurer, der es mit dem Gesetz nicht so genau nimmt.

00:01:00: Und ein Verführungskünstler, ein angeblich großartiger Lied Liebhaber.

00:01:05: In Köln soll es keine geringere als die Gemahlin des Bürgermeisters sein, die zum Ehebruch verführt wird.

00:01:12: Eine Straftat, nicht nur im katholischen Kurk, kölnischen Fürstentum.

00:01:17: Doch das wird die beiden nicht abschrecken.

00:01:20: Maria Ursula Columba zum Pütz heißt die Dame aus feinem Hause und der Liebhaber ist kein geringerer als Giacomo Casanova.

00:01:32: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von True Crime Köln.

00:01:36: der Podcast-Reihe des Kölner Stadtanzeiger über Ware verbrechen aus Köln und der Region.

00:01:41: Heute machen wir eine Zeitreise ins achtzehnte Jahrhundert in die Karnevalssession im Jahr siebzehnhundertsechzig.

00:01:50: Aber nicht nur das, Casanova war nicht nur einmal hier, siebzehundertsechzig und siebzehundertdreiundachtzig kommt er nochmal wieder.

00:01:59: Und auch da wird er es mit Recht und Gesetz nicht ganz so genau nehmen.

00:02:03: Dazu später mehr.

00:02:05: Die riskante Liebschaft mit der Gattin des Bürgermeisters hat es sogar ins Übergangsquartier des Kölnischen Stadtmuseums geschafft.

00:02:13: Liebelei und Ehebruch steht da auf der Vitrine, in der man das sogenannte Totenschild von Mimi bewundern kann.

00:02:21: Mimi, das war der Spitzname von Maria Ursula Columba zum Pütz.

00:02:26: Sie wurde nur dreiunddreißig Jahre alt.

00:02:28: Sie starb wahrscheinlich an Tuberkulose.

00:02:31: Das Totenschild im Stadtmuseum zeigt einen weinenden Engel, ein Stundenglas und eine zerbrochene Kerze.

00:02:38: Das alles ist mit viel Liebe gemacht, was uns an dieser Stelle bereits verrät.

00:02:43: Die Liebschaft mit Casadova hat nicht dazu geführt, dass die selbstbewusste Frau in Ungnade fiel.

00:02:51: Ob das daran lag, dass sie die Liaison geheim gehalten hat oder ob es ihrem Ehemann mehr oder weniger egal war, werden wir versuchen zu klären.

00:03:01: Dabei hilft uns ein Casanova-Experte.

00:03:05: Ansgar Bach heißt der Mann, ein költer Jung, den es nach Brandenburg verschlagen hat.

00:03:10: Er leitet das Reiseunternehmen literarisch Reisen.

00:03:14: Er hat mehrere Bücher über Casanova geschrieben und dabei seine Besuche in Deutschland nachverfolgt, so die in Berlin, Potsdam, Dresden, Leipzig und nun auch in Köln.

00:03:26: Casanova in Köln und Bonn affären im Rheinland, heißt seit aktuelles kleines Buch über den Mann, der vor über dreihundert Jahren geboren wurde und bis heute Weltruhm genießt, weil sein Name zum Sinnbild für Herzensbrecher und erfolgreiche Verführer steht.

00:03:43: Dabei war Kasanova ja noch viel mehr, oder?

00:03:45: Natürlich, er hat angefangen, im Grunde genommen eine Priesterausbildung zu machen.

00:03:50: Also es war so, er war ja Student, in Pardua schon sehr jung als Jugendlicher, was damals aber jetzt nicht so unbedingt ungewöhnlich war.

00:03:57: Sein Talent wurde halt entdeckt.

00:03:58: Da hat er Rechtswissenschaften studiert und später auch Naturwissenschaftliche Vorlesung gehört, sich für Naturwissenschaften und Medizin sehr interessiert.

00:04:06: Da er offensichtlich viel Allotiria betrieben hat, war die Großmutter, die für ihn zuständig war, dafür gesorgt.

00:04:12: dass er auch in einer ordentliche Ausbildung macht und das war die Ausbildung zum Priester.

00:04:17: Und er hat dann tatsächlich jahrelang betrieben, er war also dann auch Predigten gehalten, ist bei einer Predigt fast zusammengekracht und später landete er in Rom direkt im Umfeld des Papstes.

00:04:28: Und wir erfahren, dass er mit sechzehn schon einen Doktortitel hatte.

00:04:31: Das behauptet er selbst.

00:04:32: Wir haben nur die Immatrikulationsbescheinigung in Padua.

00:04:36: Den Nachweis, der steht aus.

00:04:38: Aber er sagt, er hat promoviert.

00:04:39: Ja, genau.

00:04:40: Also er muss ein schlauer Mann gewesen sein.

00:04:42: Ich würde sagen, er war ein sehr intelligenter Mann.

00:04:46: Schlau dazu.

00:04:48: Aber er war intelligent.

00:04:49: Sowohl, sage ich mal, als eine scharfe naturwissenschaftliche Intelligenz, eine mathematische Intelligenz als auch eine emotionale Intelligenz.

00:04:57: Und ein weiterer Beruf, ich weiß nicht, ob man es berufen nennen kann, ist, er war Geheimagent für Frankreich.

00:05:02: Er ist als Spion nach Köln gekommen.

00:05:04: Warum?

00:05:04: Ja, dazu müssen wir natürlich erstmal zurückgreifen.

00:05:07: Er war schon mal Anfang der siebzehnfünfziger Jahre in Frankreich als junger Mann.

00:05:12: Dann kam er ja erst mal in Gefängnis, da in die Bleikammern, in Venedig und danach dann schließlich, als er wieder nach Paris kam, immer noch ein junger Mann übrigens, sechsundzwanzig Jahre alt, mit besten Kontakten gleich sofort über eine Schauspielerfamilie zu Politikern, zum Ausminister de Bernier.

00:05:32: Und da hat er sich angeboten, so, und zwar war das eine Win-win-Situation.

00:05:36: Casanova brauchte Geld, definitiv, da hat er nämlich keins gehabt.

00:05:39: Und das Zweite war, Frankreich brauchte Geld, denn Frankreich im Siebenjährigen Krieg war immer kurz vor der Staatspleite.

00:05:46: Und da suchte man nach Möglichkeiten, die zu verhindern.

00:05:49: Man konnte die Bürger nicht immer weiter ausquetschen.

00:05:52: Also gab es einerseits die Lotterie als Möglichkeit der freiwilligen Beitrags, um Gewinne zu erzielen, andererseits versuchte man auch Papiere vorteilhaft auf dem Markt in Amsterdam.

00:06:01: in Holland unterzubringen.

00:06:02: Und dafür braucht man dann einen Spion?

00:06:04: Dafür braucht man jemand, der in Kognito da reingeht und Papiere verkauft, nicht offiziellem Auftrag, sondern inoffiziell.

00:06:13: Dazu hat er aber auch natürlich, da wir uns im Krieg befinden, militärische Auskundschaftungen betrieben.

00:06:18: Und zwar lag er ein Teil der französischen Flotte in Dünnkirchen.

00:06:21: Und da hat er dann, sag ich mal, den Provianzzustand für die Regierenden ausgekundschaftet.

00:06:27: Proviant und Materialzustand und die Stimmung der Mannschaft.

00:06:32: Und man muss wissen, das waren französische Soldaten im Rheinland.

00:06:37: Dazu gehört der Konflikt zwischen der Stadt Köln und dem Erzbischof.

00:06:40: Das muss man wissen.

00:06:42: Der Erzbischof war im siebenjährigen Krieg auf der Seite Frankreichs, während die Kölner es so machten wie so oft.

00:06:47: Sie hielten sich aus allem raus und wollten neutral bleiben.

00:06:50: Also es waren Franzosen im Rheinland.

00:06:53: Hat da vielleicht die Stimmung ausgekundschaftet?

00:06:55: Ja, genau.

00:06:56: Das wissen wir eigentlich gar nicht, ob er offiziellen Auftrag hatte in Köln.

00:07:00: Es ist nur aufgrund der Vorgeschichte, dass er vorher schon für den französischen Staat, für zwei Außenminister war er tätig.

00:07:07: Ob er nun in Köln konkret Spionage-Tätigkeit betrieben hat, ist nicht ganz klar.

00:07:13: In Köln lagen etwa vierundzwanzigtausend stationierte französische Soldaten, muss sehr wild zugegangen sein in der Stadt damals und sehr rau auch.

00:07:21: Und da ist es so, dass Casanova vermutlich, ich vermute es jedenfalls, dass er auch Aufträge aus Frankreich mitgebracht hat, die er uns nicht erzählt hat.

00:07:31: Wenn

00:07:31: wir über die Rahmenbedingungen sprechen, müssen wir einmal den Namen des Erzbischofs schon mal nennen.

00:07:36: Den Fürsten von Köln, der ja gleichzeitig wendliche Herrscher war, Clemens August, viele, wenn wir den Namen kennen, weil er die tollen Schlösser in Brühl gebaut hat.

00:07:43: Definitiv.

00:07:44: Vierzig Jahre hat das gedauert.

00:07:45: Allein für Brühl, das Sommerresidenz.

00:07:47: Wir

00:07:47: werden den Mann noch ein bisschen besser kennenlernen.

00:07:49: Also, dass in die Rahmenbedingungen, als Casanova-Siebzenhundertsechzig nach Köln kommt, er ist zu diesem Zeitpunkt ein reicher Mann mit besten Kontakten.

00:07:57: Und er hat eine Geschichte im Gepäck, die es in sich hat.

00:08:00: in den Bleikammern in Venedig inhaftiert.

00:08:03: Und er ist aus diesem Bleikammern geflohen.

00:08:06: Warum war er im Gefängnis?

00:08:08: Casanova hatte das große Glück, als zwanzigjähriger Mann vermeintlich vielleicht oder echt einem hochgestellten Persönlichkeit in Venedig das Leben zu retten.

00:08:18: Sie waren gemeinsam auf dem Boot.

00:08:19: Und Herr Bragaedin, der das war, hat einen Art Schlaganfall bekommen oder einen Kreislaufkollaps.

00:08:26: Und Casanova hat ihm geholfen.

00:08:27: Und als der Mann wieder erwachte, der Bragaedin, Pallazzo Pragadino in Venedig, war es so, dass er ihm angeboten hat, monatlich auf Lebenszeit eine Zuwendung von neunzehn Kien Gold, das sind also viele tausend Euro heute, dazu sage ich mal eine eigene Kutsche, eigener Diener und sein Pallazzo zur Verwendung in Venedig.

00:08:48: Als

00:08:48: Dankeschön für die Lebensrettung.

00:08:50: Als Dankeschön für die Lebensrettung.

00:08:51: Und das für einen jungen Mann natürlich super.

00:08:54: Man muss mal Flaps sich zu formulieren und dann hat er Das genutzt und ist sofort in die Spielsalons gegangen und hat den großen Macker gemacht.

00:09:01: Also das Geld sogar so weit ausgegeben, dass es nicht reichte, dass er nachbetteln musste noch bei Prakadim.

00:09:07: Und dann fiel er auf in der Gesellschaft, hat natürlich auch die Damen bezirzt und auch Damen, die eigentlich schon vergeben waren.

00:09:13: Das gab Ärger, er kam unter Beobachtung und daher auch noch Freimaurer, war allgemeinste kaballistische Schriften zur Hause hatte und pflegte.

00:09:20: Und dazu ein recht arrogantes selbstbewusstes Auftreten, hat man ihn dann eingeknastet.

00:09:26: Freimaurer müssen wir kurz erklären, weiß nicht jeder, was das ist.

00:09:29: Ja, Freimaurer entwickelte sich im frühen achtzehnten Jahrhundert als berufständische Bewegung ursprünglich, die nachher eine Art Netzwerk war in vielen Fällen, die sich dem grundsätzlich den humanistischen Idealen verpflichtet fühlte.

00:09:41: Also

00:09:41: gegen die Kirche?

00:09:42: Auf jeden Fall kirchenkritisch, würde ich sagen.

00:09:45: Eineinhalb Jahre nach seiner Inertierung gelingt ihm zusammen mit einem Zellengenossen die Flucht und damit verschaffte er sich dann den Ruf des tollkühnen Abenteurers.

00:09:55: Wie ist ihm das gelungen?

00:09:56: Genau, es waren gerade die Bleikammern, waren sehr schwer daraus zu fliehen.

00:10:00: Die meisten Venedig-Besucher kennen das Gefängnis im Duschenpalast unten, das ist auch ganz grausam.

00:10:05: Da steigt das Wasser nämlich rein und ich finde es fast furchtbarer als die Bleikammern, die sind oben, da muss man eine Sonderführung heute beantragen, dann kann man auch da hoch.

00:10:13: Das war mehr für privilegierte oder speziellere Gefangene, aber auch das muss schrecklich gewesen sein, da das Dach mit Blei belegt war und im Sommer sehr heiß war und natürlich keine Lüftung gab, es war kaum auszuhalten.

00:10:24: Nach dem ersten gescheiterten Fluchtversuch hat es beim zweiten geklappt, zusammen mit einem Gefängnis-Kompagnon ein Mönch.

00:10:32: und da ist es so, dass die übers Dach ausgestiegen sind auf das Bleidach, da kann man aber nicht absteigen, obwohl es solche Grafiken gibt, aber wenn man vor Ort war, weiß das Gebäude ist vierzig-fünfzig Meter hoch, da steigt man nicht so leicht ab.

00:10:44: oben auf dem Fürst entlang und fanden dann so nach zehn, zwanzig Metern eine Art Luke.

00:10:49: Die haben sie geöffnet und sind dann in den Nichtgefängnistrakt sozusagen reingekommen, in einem Archiv des Duschenpalastes und wurden als versehentlich eingeschlossene Besucher betrachtet.

00:11:00: Und diese Situation haben sie sofort genutzt, ihnen wurden quasi die Türen geöffnet und dann haben sie aber die Beine in die Hand genommen

00:11:06: und reiß aus.

00:11:07: Mit dieser Geschichte begeistert Kasanova auch in Köln, in Bonn und am Hof von Clemens August.

00:11:12: Das kann man sich gut vorstellen.

00:11:13: Das kommt in jeder guten Gesellschaft als Geschichte an.

00:11:16: Er bringt noch eine zweite Geschichte mit, die ebenfalls justiziabel ist.

00:11:20: Es geht um einen großen Betrug, an dem er sich in den Jahren von siebhunderts, siebenundfünfzig bis siebhundertsechzig beteiligt.

00:11:27: Er täuscht einer der reichsten Damen Frankreichs vor, dass er etwas kann, was einen ganz ungewöhnlichen Wunsch erfüllt.

00:11:34: Das ist wirklich ein gigantischer... Betrug, der ist bis heute ausgesprochen bemerkenswert, die Jean-Marquis de Faye, einer der reisten Frauen Frankreichs und einflussreich mit direkten Kontakten zum Königshaus, hat in ihrem Stadtpalais ein eigenes alchemistisches Laboratorium eingerichtet und war auch eine anerkannte Alchemistin.

00:11:54: Über Umwege hat sich Casanova schon einen kleinen Namen gemacht, der mit ein bisschen magischen Spielchen irgendwo eine Neurodermatitis oder so was ähnliches gehalten hatte.

00:12:02: Und dann hat sie ihn eingeladen zur Kaffeetafel, war von ihm begeistert und hat ihn gefragt, sie hat ein Problem, sie würde gerne um besser mit den... Geistern kommunizieren zu können, und das würden Männer besser tun, möchte sie eine Transformation haben in das männliche Geschlecht, möchte wiedergeboren werden als Mann.

00:12:18: Dafür brauchen wir einen Medium, einen kleinen Jungen, wo sie dann reinwächst.

00:12:22: Also, sie muss dann erst kurz sterben und dann in dem neuen Jungen wieder aufblühen.

00:12:25: Und Casanova hat gesagt, das ist kein Problem, dieser Prozess ist bekannt aus der Kabbalah und er kennt die magischen Riten dafür und hat eine Art magische Therapie vor Ort.

00:12:35: Auch ein Theaterzauber drum herum gebaut, da kamen dann Freunde von ihm wurden dann Rosenkreuzer und haben also eine Show inszeniert und sie war sehr gutgläubig und hoffte in ständig, dass es funktionierte.

00:12:47: Und das ging über sechs Jahre tatsächlich, führte am Ende aber, da sich die Verwandten von der Marquis, besonders ihre Brüder, dachten, ell.

00:12:54: Die wird ja nur ausgenommen.

00:12:56: Über eine Million soll Casanova nur damit gemacht haben, er muss ja dann Paris schließlich verlassen.

00:13:01: Aber als er in Köln war, da war man mittendrin in diesem therapeutischen Prozess, erst dann später auch mal nach Aachen gegangen, dort haben sie auch gemeinschaftlich ein Bad genommen und ein Brief an den Mond geschrieben.

00:13:11: Also ganz verrückte Geschichte, die übrigens H.K.N.

00:13:15: Baikal, der Autor jetzt aktuell in dem sehr verrückten Buch, Okulte Versuchung, ein Sachbuch, Casanova und die Marquise de Fay publiziert hat.

00:13:25: eine abgefahrene Geschichte?

00:13:27: Absolut, absolut.

00:13:28: Bevor

00:13:28: er nach Köln kommt, gibt es so eine weitere Straftat.

00:13:30: Da ist er dann aber nicht Täter, sondern Opfer.

00:13:33: Genau, er kommt ja dann aus Holland quasi herüber.

00:13:37: Und kurz vor Köln wird seine Kutsche unter Beschuss genommen und Räuber wollen ihn ausrauben.

00:13:42: Und da saniert er drüber nach, ob es nicht besser wäre, ob er eine abgezählte kleine Reisetasche noch hätte zum Portemonnaie für die Räuber sozusagen.

00:13:49: Hat aber nicht gehabt, er hat alles Geld beisammenhalten müssen.

00:13:52: So sind hier einfach vorgeprescht und haben Glück gehabt.

00:13:55: dass das gut ausgegangen ist.

00:13:56: Also er ist ausgeraubt worden.

00:13:58: Nein, er ist nicht.

00:13:59: Er konnte fliehen.

00:14:01: Dann kommt er nach Köln und jetzt beginnt die Liebesgeschichte mit Mimi.

00:14:05: Er bleibt länger, als er das eigentlich geplant hat und der Grund ist tatsächlich die Gattin des Bürgermeisters, ein Ehebruch, die Planung und die Durchführung.

00:14:15: Das braucht Zeit, da braucht er Zeit für, aber auch sie braucht Zeit dafür.

00:14:19: Was müssen wir wissen über diese Ursula Maria Columba zum Pütz?

00:14:23: Also zunächst einmal ist laut Forschung sie die Wahrscheinlichste.

00:14:28: Maria Ursula Columba vom Pütz.

00:14:30: Er nennt den Namen nicht in seinen Memorern.

00:14:32: Nein,

00:14:32: also es gibt aber einen Nachlass, hat man ein Mimmy-Gedicht gefunden und das ist insofern interessant.

00:14:37: Ein Gedicht, das sowohl St.

00:14:39: Gregor erwähnt und das noch wichtig nachher, weil die Kirche zum Elend St.

00:14:43: Gregor gewidmet ist und eine Mimmy.

00:14:45: Und insofern ist es eigentlich ganz spannend, Aber die meint ist natürlich nicht bewiesen.

00:14:50: Es gibt keinen Beweis dafür, muss man von vornherein erst mal sagen, dass also die Frau des Bürgermeistern nun mit Casanova das gemacht hat.

00:14:58: Andere behaupten es sei eine Spionin gewesen, die nur vorgeblich dabei war.

00:15:01: Ich glaube aber schon, dass die Mimi in Frage käme.

00:15:04: Der Knackpunkt ist, Mimi ist ihm aufgefallen, als sehr freche Frau, die sehr direkte Antworten hatte auf alles eloquent war, wie er selbst.

00:15:11: Und Casanova, das geschätzt, wenn Leute eloquent waren, schnell waren, gleichzeitig Esprit gezeigt haben und auch Stil im Auftreten.

00:15:19: Und das hatte sie ihm gegeben, ihm gezeigt und dazu war sie ein wirklich nett.

00:15:23: Und ihr Mann war nett, die waren dann sogar, er war beim Essen bei denen zu Hause.

00:15:27: von Pütz und Degrote, das sind zwei Familien, Bürgermeisterfamilien, die zahlreiche Bürgermeister gestellt haben und die natürlich Stadt Adelig waren, Stadt Patrizia.

00:15:38: Und dass die ihre Töchter mit fünfzehn Jahren verheiratet haben, wie die Mimi an den Degrote, ist überhaupt nichts Ungewöhnliches, auch wenn Leute da einen Skandal draus machen wollen, sondern das ist eine arrangierte Ehe, wie man sie kannte, sage ich mal, im Adel.

00:15:51: Dass die sich trotzdem nachher herzlich verstanden, schließt das eine ja nicht aus oder das andere nicht aus.

00:15:56: Und deshalb, hier geht es um Macht, diese Familien wollten zusammenarbeiten und ihre Position halten.

00:16:03: Als erste Familien der Stadt.

00:16:05: Das muss man einfach so sehen.

00:16:07: Ihr Mann hat sich mit ihrem Vater das Bürgermeisteramt geteilt.

00:16:10: Genau, ja, so ist das.

00:16:13: Und zwar öfters.

00:16:14: Die ganzen Familien haben immer mal wieder den Bürgermeister gestellt.

00:16:18: Und sie war offenbar offen für Seitensprünge, wenn man Casanova glaubt.

00:16:23: Jedenfalls wird angedeutet, dass sie eine Affäre hat mit dem österreichischen Gesandten, ein österreichischer General, der als Vermittler zwischen der Stadt Köln und französischen Truppen agierte.

00:16:40: Herr Kettler war sehr einflussreich in Köln.

00:16:44: Sie hat offensichtlich nach Casanovas Beschreibungen, der Nachweis steht aus, sage ich mal, ist es so, dass sie ein Verhältnis mit dem hatte.

00:16:52: Das kommt so aus dem Text, sage ich mal, raus.

00:16:55: Und er selbst, natürlich auch damit ihr.

00:16:58: Er selbst bietet ihr das an, also die gehen schon sehr näckig zur Sache, treffen sich auf dem Karnevalsball und... tanzen zueinander, umarmen sich, küsten sich, gehen recht provokant vor.

00:17:07: Also normalerweise würde sowas natürlich auffallen.

00:17:11: Man fragt sich vielleicht, warum sagt ihr mal nix, sag ich mal.

00:17:14: Hat er das gewusst?

00:17:15: Hat er gewusst, dass sie...

00:17:17: Also ich gehe immer davon aus, dass der Klatsch der Stadt das bestimmt weitergetragen hat, sehr schnell.

00:17:21: Immerhin sind wir hier in einer speziellen Oberschicht unterwegs, die jetzt auch gezählt ist.

00:17:27: Da wird dann die eine Dame, die das gesehen hat, bestimmt weiter tratschen an den nächsten.

00:17:31: Davon könnte man ausgehen, aber vielleicht wären ja auch ganz andere Ziele damit verfolgt.

00:17:34: Casanova verliebt sich in diese Frau, sodass er seinen Aufenthalt um Wochen verlängert.

00:17:39: Sie haben das angedeutet, es gibt diesen Karnevalsball.

00:17:41: Der Karneval hilft beim Erstkontakt, kann man sagen.

00:17:44: Definitiv gilt ja bis heute.

00:17:46: Wie muss man sich so ein Ball vorstellen in der Zeit?

00:17:49: Es gab verschiedene.

00:17:50: Es geht ja hier im großen Ball des Kurfürsten.

00:17:53: Und der Kurfürst hat Bälle veranstaltet im Schloss Brühl und auch im Präsident-Schloss.

00:18:02: auch kleinere Bauernbälle bei ihm.

00:18:05: Und das ist so das sehr offene Bälle gewesen.

00:18:07: Er hat auch Bürger zugelassen, die sie ausgezeichnet haben.

00:18:10: Also, der Clemens August war ein Rokokofürs auf der einen, aber kein Abgehobener, in dem Sinne, dass er etwa sich für extrem höher gestellt gehalten hatte, sondern er hat auch auch Ehrenwetteburger immer eingeladen zu seinen Partys.

00:18:23: Man nannte ihn auch den Sonnenfürst vom Rhein.

00:18:25: Also das ist jetzt mich hoch und Fürst.

00:18:28: Also mit den kirchlichen Dingen hat das wahrscheinlich nicht so ganz genau.

00:18:32: Das

00:18:32: weiß ich nicht.

00:18:33: Ich würde das gar nicht so.

00:18:34: aus heutiger Sicht kann man das halt nicht sagen.

00:18:36: Da auch lieb schaffen.

00:18:37: Es gab auch schon... Heute gibt es bestimmt auch Liebschaften, sag ich mal.

00:18:41: Und ich würde ihm nicht absprechen, dass er auch christlich war und den Glauben der Kirche verteidigt hat.

00:18:47: Aber auf der anderen Seite hat er halt ein persönliches, war ein persönlicher Lebemann, der das ausgekostet hat.

00:18:52: Und der sah da keinen direkten Widerspruch drin.

00:18:55: Vieles ist möglich in dieser Zeit und erst recht im Kadewall.

00:18:59: Was muss man wissen über dieses Fest im achtzehnten Jahrhundert?

00:19:02: und wie ging es mit Mimi und Casanova weiter?

00:19:05: dazu gleich mehr.

00:19:07: Kleine Werbeunterbrechung in eigener Sache.

00:19:10: Hier ist Sarah Brassack, stellvertretende Chefredakteurin des Kölner Stadtanzeiger.

00:19:13: Wir berichten in der gedruckten Ausgabe oder im E-Paper des Kölner Stadtanzeiger sowie auf ksdr.de täglich intensiv über alles Wichtige, was in Köln passiert.

00:19:24: Aber natürlich auch in der Region, Deutschland und der Welt.

00:19:28: Dieser Podcast ist für Sie kostenfrei hörbar.

00:19:30: Deshalb freuen wir uns, wenn Sie unseren Lokaljournalismus und die Arbeit der Redaktion mit einem Abo unterstützen.

00:19:35: Alle Infos dazu finden Sie unter ksda.de-Abo oder für das rein digitale Abonnement unter ksda.de-plus.

00:19:45: Und jetzt geht's weiter mit dem Podcast.

00:19:47: Fasste Lorwend im achtzehnten Jahrhundert, was muss man wissen über dieses Fest?

00:19:52: Das Festkomitee Kölner Karneval tut ja gerne so, als wenn es den Karneval erst seit etwas über zweihundert Jahren gibt.

00:19:59: Da ist das Festkomitee gegründet worden.

00:20:02: Das ist natürlich Unsinn, den Kölner Karneval gibt es schon viel länger.

00:20:06: Und so wurde natürlich auch im achtzehnten Jahrhundert kräftig gefeiert.

00:20:10: In der Redaktion des Kölner Standanzeiger und nicht nur da gibt es eine Karnevals-Expertin, die sich mit der Geschichte des Festes auskennt.

00:20:18: Ich habe die Kollegin Monika Salchat gefragt, was man wissen muss über das Feiern vor zweihundertfünfzig Jahren.

00:20:25: Wie muss man sich den Karneval in dieser Zeit vorstellen?

00:20:29: Es gab damals und immer durch die Zeit hinweg Unterschiede zwischen dem Karneval, den Das sogenannte Volk, also die eher einfachen Leute auf der Straße feierten und dem, was die besser

00:20:44: gestellten.

00:20:45: Also Adeligen und auch vermögenen Bürger,

00:20:49: was die unter Feiern verstanden.

00:20:52: Und wenn wir mal ins

00:20:53: ausgehende siebzehnte Jahrhundert, beginnende achzehnte Jahrhundert springen, da gab es plötzlich die sogenannten

00:21:03: Redutten.

00:21:04: Was war das?

00:21:04: Es

00:21:05: waren Maskenfeste,

00:21:07: die

00:21:08: in prächtigen Sälen

00:21:10: gefeiert wurden.

00:21:11: Da wurde nicht nur getanzt, sondern da gab es auch

00:21:14: allerlei

00:21:15: Spiele.

00:21:16: Und zugelassen war

00:21:19: vor allen Dingen der Adel.

00:21:21: Hier und da auch mal vornehme Bürger, die wurden dann aber tatsächlich auf diesen Bällen, auf diesen Festen, auf diesen Reduten von der

00:21:30: Adeligen Gesellschaft.

00:21:33: separiert, also

00:21:34: gemeinsam

00:21:35: gefeiert wurde nicht und Leute unterhalb dieser Schichten schon ins Jahr

00:21:42: nicht.

00:21:43: Diese Reduten waren dazu da, man konnte sich prächtig verkleiden, man konnte ja Fantasie voll auftreten, also was sein wird man sonst nicht wahr.

00:21:56: Ein kennzeichen des Karnevals bis

00:21:58: heute

00:21:59: und besonders beliebt, damit das mit dem Verkleiden und dem in eine andere Rolle gehen auch klappte, waren bei den Feierenden die Masken.

00:22:10: Bei denen, die jetzt sagen hatten in der Stadt, waren sowohl die Reduten als auch vor allen Dingen diese Masken überhaupt

00:22:18: nicht belebt.

00:22:19: Die Ordnungshüter schaute also auf das bunte Treiben der feinen Leute ähnlich skeptisch wie auf den doch recht zünftigen Volkskarnewall.

00:22:28: Man hatte das Geschehen nicht genug unter Kontrolle, kann man sagen.

00:22:31: Interessant aus heutiger Sicht ist auch, dass es auch damals schon Debatten über den Straßenkarnewall gab.

00:22:37: Diese Redutten, von denen Monika Salchert spricht, wurden wohl auch im Freien gefeiert, so zum Beispiel auf dem Neumarkt.

00:22:45: Und die Stadtoberen reagierten mit Verboten und Vorschriften.

00:22:49: Da ging es nicht nur um Sitte und Moral, es ging auch um Politik.

00:22:52: Köln war gar nicht so ein Stadt, also ein Militärstützpunkt.

00:22:55: Und da wollte man in jedem Fall Unruhen vermeiden.

00:22:58: Im Karneval wurde die Oberigkeit gerne verspottet.

00:23:02: Auf Dreck in der Sittenpolizei wurden Mitte des achtzehnten Jahrhunderts mehrfach Verbote gegen zulaute Umzüge, das Mitführen von Waffen, exzessives Trinken und Prügeleien erlassen.

00:23:15: Solche Polizeiorhnungen sollten die öffentliche Ruhe sichern und dazu gehörte auch, das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit zu verbieten.

00:23:25: Erst wenn man kurz vor dem Veranstaltungsort war, sollte

00:23:28: man

00:23:29: die Maske aufsetzen.

00:23:31: Also

00:23:31: auf den Straßen

00:23:33: nicht.

00:23:34: Und dann durften es überhaupt keine garstigen, misgestalteten oder unvorschämten Masken sein, was immer dazu bedeuten hatte.

00:23:43: Und auf gar keinen Fall durften geringere

00:23:47: Bürgers

00:23:48: und Handwerksleute und auch deren Kinder, Knechte und Bedienstete die durften überhaupt nicht mit Masken rumlaufen.

00:23:56: Wenn man sich dazu ein bisschen weiter denkt, das war schon der Anfang dessen, dass sich die Feierenden immer weiter

00:24:05: voneinander

00:24:05: entfernten, weil wenn auf der einen Seite vor allen Dingen der Adel auf Maskenwellen feierte, dann war das Volk

00:24:15: weiter,

00:24:16: die einfachen Leute

00:24:17: waren weiter.

00:24:19: Auf den Straßen unterwegs.

00:24:21: Diese Reduten, diese

00:24:22: Maskenbälle hatten auch den großen Vorteil.

00:24:25: Es war nur da möglich,

00:24:28: dass sich

00:24:29: Männer und Frauen näher kamen.

00:24:32: Ansonsten war das ja von den Moralvorstellungen her nicht so möglich.

00:24:38: Aber da ging das und dort wurde

00:24:40: wohl auch gemacht.

00:24:42: weil

00:24:42: es schützte das Gostüm, es schützte

00:24:44: die Maske und deshalb waren die natürlich

00:24:47: besonders beliebt derartige Maskenwelle.

00:24:50: Die feinen Leute feierten also ihre Bälle.

00:24:52: Die einfacheren Leute blieben auf den Straßen und in Kneippen.

00:24:56: Tatsächlich haben die Vorschriften und die Maskenverbote wenig gebracht, was dann letztlich, zu Gründung des festordnenden Kobetes führte.

00:25:06: Man wollte das ausufernde Treiben, zudem auch viele Schlägereien gehörten, durch neue Angebote eindämmen.

00:25:12: Die Maskenbälle aber blieben fester Bestandteil des Karnevalsprogramms.

00:25:17: wahrscheinlich aus sehr gutem Grund.

00:25:19: Und es war wiederum auch eine wunderbare

00:25:23: Gelegenheit, Menschen des anderen Geschlechtes kennenzulernen.

00:25:29: Soll

00:25:29: auch sehr intensiv genutzt worden sein.

00:25:32: Mit der Gründung des Festkomitees verbindet sich übrigens auch die Etablierung einer speziellen kölnischen oder kölnschen Liedkultur.

00:25:40: Die interessante Frage, was man denn eigentlich vorher, also zu Zeiten von Casanova, für Musik zum Fest gehört hat, lässt sich leider nicht so einfach beantworten.

00:25:50: Da müssen wir ein bisschen die Fantasie bemühen, was nicht so schwerfällt, wenn man sich einen Ball in diesem prachtvollen Schloss Augustusburg in Brühl vorstellt.

00:25:59: Vielleicht hat man da zu Klängen von wie Waldi oder Händel geschwovt.

00:26:04: Man weiß es nicht so ganz genau, aber vorstellen kann man sich's.

00:26:07: In jedem Fall wird es etwas Festliches eher Getragenes gewesen sein.

00:26:12: Wir haben es gehört, der Kurfürst Clemens August war ein Mann.

00:26:15: für solch große Weste.

00:26:18: In den Memoaren von Casanova gibt es auch einen Bericht über ein opulentes, feines Frühstück mit Austern und Champagner im Schloss Augustus-Burgelbrühl, angeblich von Casanova selbst ausgerichtet.

00:26:32: Die Herren hatten offensichtlich sehr viel Spaß miteinander, die haben sich scheinbar sehr gut verstanden.

00:26:36: Ja,

00:26:37: das lag schon daran, als ich kennenlernte, und zwar konnte berichtet das Casanova an mehreren Stellen, nicht nur mit Memoaren, auch in Briefen, dass Clemens August sehr gut Venetianisch konnte, den Dialekt in Venedig.

00:26:49: Und er war auch in Venedig so oft und insofern konnte er mit Casanova auf Venetianisch palieren.

00:26:55: Und das ist natürlich köstlich.

00:26:57: Keiner kann das dann dort hinter Runde, aber die beiden können das.

00:27:00: Eine Geheimsprache.

00:27:01: Ja, man könnte fast eine Art Geheimsprache.

00:27:03: Und da ist so, die verstehen sich auf Anhieb, dann kannte natürlich der Kurfürst, dessen Bruder in München war, kannte die Geschichte von der Flucht.

00:27:12: Kasanovas und die ging ja über München.

00:27:15: Also insofern hat Clemens August die Geschichte von Casanova absolut präsent gehabt.

00:27:21: Dass die sich gleich kennengelernt haben, wundert überhaupt

00:27:23: nicht.

00:27:23: Clemens August hatte Liebschaft, der hatte ein Kind aus so einer Liebschaft, also ein uneheliches Kind mit einer Bürgerlichen.

00:27:30: Da müssen wir mal über den Straftatbestand des Ehebruchs sprechen.

00:27:33: Das war damals ein Straftatbestand.

00:27:35: Was heißt das eigentlich konkret?

00:27:37: Was heißt das praktisch?

00:27:38: Wie gefährlich war das?

00:27:40: Ich denke mal, dass es in der Liga weniger gefährlich war, als beim Bäckermeister.

00:27:45: Also Sie meinen, dass die gehobenen Schichten, die Adeligen, das hat man dann so weg vertuscht?

00:27:50: Ja, definitiv.

00:27:51: Dafür ist das Rokokorea bekannt.

00:27:52: Man hat es teilweise noch nicht mal vertuscht.

00:27:54: Also das heißt, man hat sich rausgenommen, die Freiheit.

00:27:57: Wissen Sie, mit welchen Strafen man zumindest theoretisch hätte rechnen müssen?

00:28:01: Damit habe ich mich ehrlich gesagt nicht genau beschäftigt, aber davor gab es bestimmt kerkerhaft.

00:28:05: Es ist schwierig rauszubekommen, also das zu recherchieren, wenn noch mal eine extra Aufgabe vielleicht meldet sich jemand, der uns jetzt zuhört und der da mehr weiß, also wie wurde Ehebruch im achtzehnten Jahrhundert praktisch konkret bestraft?

00:28:19: Es dauert ein paar Tage bis Mimi und Kazanova miteinander im Bett landen.

00:28:23: Die beiden betreiben sehr viel Aufwand, damit die Sache geheim bleibt.

00:28:28: Ja, sie wählen nämlich einen Ort, den man wirklich normalerweise ja niemals wählen würde.

00:28:32: Ein Kirschlein.

00:28:33: Aber dieses Kirchland.

00:28:34: Karsanova berichtet uns sehr detailliert über das Kirchland.

00:28:36: Er schreibt selbst, dass eine Privatkirche war.

00:28:39: Man muss sagen, dass es... ...fünfundzwanzig Jahre später hat er die Memo angeschrieben.

00:28:43: Man muss also Aufzeichnung gehabt haben.

00:28:45: Und die Details, die er dort schreibt, passen sehr gut auf die Kirche, wie schon der Karsanovaforscher Ilges mitteilt.

00:28:53: Aber... Wenn man genau dann die Jahreszahlen anguckt, muss man sagen, diese Kirche, die da in Frage kommt, nämlich die Kirche zum Elend, die St.

00:29:04: Gregor gewidmet ist und bis heute Privatkirche der Familie de Grote ist, der Stiftung.

00:29:08: genauer genommen, da ist es so, dass diese Kirche eigentlich im Jahr siebzehn, sechzigmal Rode war.

00:29:15: Das war eine ältere Kirche und die wurde eigentlich ersebzehnfünfernsechzig.

00:29:19: So gebaut wieder neu und Dennoch stimmt die Beschreibung, muss man sagen, Kasanova kam später noch einmal her, vermutlich hat in den Sechzehn und Sechzehn hat dann die neue Kirche gesehen und vermutlich das auf die alte oder vermengend in der Vergangenheit.

00:29:34: Das ist jedenfalls anzunehmen, aber selbst die alte Kirche hat Basisteile der Beschreibung, nämlich die Küsterwohnung, eine Wohnung, die aber Kasanova fälschlicherweise als die Palastwohnung der der Grotes bezeichnet.

00:29:48: Die Beschreibung passt erstaunlich.

00:29:50: Die Kirche wurde zerstört im zweiten Weltkrieg bis auf die Brandmauer und dann aber wieder in dem gleichen Stil wieder hergerichtet.

00:29:56: Aber Sie müssen mal erzählen, was er da gemacht hat oder was er machen

00:29:59: musste.

00:30:01: Also sie musste erstmal abwarten, dass ihr Mann natürlich nicht anwesend sein kann.

00:30:06: Da wurde eine Dienstreise nach Aachen abgewartet und da muss man natürlich, sie sagt dann, sie ist dann vor Ort in der Küsterwohnung oder in dieser Wohnung.

00:30:14: Das war damals das Familien-Schlafzimmer.

00:30:16: Solches beschreibt es Casanova.

00:30:18: Kann es aber eigentlich nicht gewesen sein.

00:30:20: Also da ist auch so ein kleiner Widerspruch durchaus.

00:30:24: Ja, und dann sollte er sich dort verstecken und so lange warten, bis sie einen Zeichen gibt.

00:30:29: Und dann hat er sich versteckt, er ist im Beichtstuhl eng zusammengekrümmt, gewartet, da war ein Aufschließer, das er ihn nicht entdeckt.

00:30:36: Dann in der kleinen, da gab es einen Aufstieg hoch zur Küsterwohnung, also so eine Treppe, die da hochführt, in der Kleine.

00:30:41: Und da hockte er dann bei Ratten und musste stundenlang dort, sag ich mal, ausharren.

00:30:48: Also er hat viel auf sich genommen und dann bei ihr zu langen.

00:30:51: Eine aufwendige Geschichte.

00:30:53: Er schreibt dann von einer köstlichen Nacht.

00:30:55: Definitiv.

00:30:55: Das Warten hat sich gelohnt.

00:30:56: Also sieben Stunden und die Lust hat sich immer wieder erneuert.

00:31:00: Das muss eine schöne Nacht gewesen sein.

00:31:02: Dabei bleibt das nicht.

00:31:03: Vierzehn Tage später wird die Nacht wiederholt.

00:31:05: Da ist aber mehr Blümchensex angesagt.

00:31:07: Die sind wesentlich eher so lieb zueinander.

00:31:11: Er sagte auch, das ging nicht mal so stürmisch zu, aber natürlich voller Liebe.

00:31:16: Sie haben das erwähnt, diese Kirche, die gibt es noch, die kann man sich anschauen.

00:31:19: Die Elenskirche, eigentlich heißt es St.

00:31:22: Gregorius im Elend.

00:31:24: Man kann da hingehen, der Innenhof ist jeden Tag geöffnet.

00:31:27: Wenn man Glück hat, kann man mal reingucken.

00:31:28: Und dann kann man sich vor Ort vorstellen, wie Casanova da der einst hinmarschierte und stundenlang im Dunkeln mit Ratten warten.

00:31:37: Wenn man Kircheln reinmüsse, dann wendet man sie an die Stiftung, die Grote.

00:31:41: Die haben ja eine Website und da sind die Kontakte, da kann man sie jetzt von innen auch anschauen.

00:31:46: Die Adresse findet man dann in den Show-Notes, da stelle ich sie nochmal hin.

00:31:52: Wir haben das gesagt, die Memoen von Casanova sind die wichtigste Quelle und den Namen der Bürgermeisterin nennt er nicht.

00:31:58: Das steht immer in X, glaube

00:31:59: ich.

00:31:59: Nein, Madame

00:32:00: X. Frau eines Bürgermeisters.

00:32:03: Aber sie meinen schon, sie war es.

00:32:06: Ich sage mal so, aufgrund der Empörtenhaltung vieler Forscher.

00:32:10: Aber auch natürlich verständlich.

00:32:12: vielleicht Menschen aus dem näheren Umfeld im Rahmen haben sich immer dagegen gewandt, dass das nicht möglich sei im katholischen Köln, in Paris vielleicht, in Venedig, aber doch nicht in Köln.

00:32:24: Ich meine schon, wir müssen denken, ah, weil ich glaube, dass vielleicht man auch den Kontakt vielleicht haben wollte zu Casanova, vielleicht Informationen auch von ihm dadurch bekommen wollte.

00:32:36: Das heißt, das würde heißen, dass die Bürgermeister die Junge auch als Bione missbraucht würde, sage ich mal, in dem Fall oder im Sinne von... bezweckt wurde, dass das also toleriert wurde, die Affäre.

00:32:47: Auf der anderen Seite, warum nicht?

00:32:49: Casanova war ein Typ, das habe ich jetzt auch neu herausgestellt oder verstärkt, das war wenig bekannt.

00:32:54: Wir wissen genau, welche Klamotten er hatte.

00:32:56: Also hoch imposant ausgestattet, da glitzerte und goldete es im bester Rucco-Manier.

00:33:02: Dazu kommt sein Auftreten selbst.

00:33:04: Er selbst war ein sixundachtzig groß.

00:33:06: Dazu kommt eine Gewandheit, eine Schnelligkeit, eine Eloquenz, eine Ein Esprit, eine Bildung, der muss einfach bezaubert haben.

00:33:15: Und dann hat er auch noch einen südlichen Charakter dabei gehabt.

00:33:18: Also man spricht vom Kolore Oliviastro, sein Hautton.

00:33:22: Das muss also irgendwie charmant rübergekommen sein.

00:33:24: Vielleicht hat er sie aber auch gepudert, man hat das gar nicht gesehen.

00:33:27: Das weiß ich jetzt nicht so genau.

00:33:28: Natürlich hat er auch Barücken getragen.

00:33:30: Jedenfalls muss er wirklich imposant sein.

00:33:32: Es gibt spätere Bilder von ihm.

00:33:35: die zeigen ihn eigentlich als markanten, wirklich markanten Typen.

00:33:38: Auf der anderen Seite gibt es auch Bilder von seinem Bruder, wo er noch jung war und da sieht man stark feminine Züge.

00:33:45: Er muss eine verlockende, ja, illustre Persönlichkeit, im besten Sinne des Wortes

00:33:50: gewesen sein.

00:33:50: Aus der Zeit seines ersten Köln Besuchs ist auch ein Gerichtsverfahren dokumentiert.

00:33:55: Er war zweieinhalb Monate hier und stand offensichtlich unter Beobachtungen.

00:33:58: Und da sind wir wieder, da sind wir tatsächlich im kriminellen Geschäft, vorher nämlich in Holler In Holland war es so, da traf er also Barom Wiedau und andere Abenteurer der Zeit, die bis heute als Professionelle Betrüger bekannt sind beim Spiel, bei der Wechselfälschung, was so damals das übliche Modell war.

00:34:17: Und Casanova berichtet uns aber nur so ansatzweise davon.

00:34:21: Also in Holland, da war der Wiedau, den trifft er dort und da gibt es Streit um Wechseln, falschen Wechseln.

00:34:27: Und das konnte gefährlich sein, da konnte man sehr schnell im Knast landen.

00:34:30: Also

00:34:30: um Schulden.

00:34:31: Um Schuldscheine.

00:34:32: Ja, Schuldscheine sozusagen.

00:34:35: Oder Schecks ausgestellt auf den falschen Namen sozusagen.

00:34:37: Der Vido kam nach Köln, Kasanova war in Köln und Vido zeigt ihn dann sogar in Köln an.

00:34:42: Es gibt Gerichtsaknissen erhalten am Reichsgericht Wetzlar.

00:34:45: Sieben Jahre später, siebzehntundsechzig, kommt Casanova zu einem zweiten Besuch.

00:34:50: Zwischen dem ersten und dem zweiten Köln Besuch ist etwas geschehen, dass seine Prominenz weiter vergrößert hat.

00:34:56: Er hat sich selbst einen Adelstitel zugelegt, also Nächste Straftat Titelbetrug.

00:35:01: Und er hat sich mit einem polnischen Grafen duelliert.

00:35:04: Und das hat für eine europaweite Berichterstattung in den Medien gesorgt.

00:35:08: Was ist da geschehen?

00:35:09: Also kurz auf den Adelstitel, schon kurz nach Köln, hat er sich in der Schweiz mit der Begründung Die Buchstaben gehören jedem Menschen und jeder kann sie zusammensetzen, wie er will.

00:35:18: Hat er sich Chevalier des Seins Galt genannt.

00:35:20: Sehr sympathisch.

00:35:21: Sehr sympathisch.

00:35:22: Er hat auch niedrigen Adel gewählt.

00:35:24: Chevalier ist relativ niedrig, damit er nicht so leicht auffällt.

00:35:27: Viel aber dann schon später mal auf, dass er eigentlich gar kein Adeliger ist.

00:35:30: Wobei er selbst immer meinte, dass er doch ein Kind, eine Stadtpatrizias war aus Venedig.

00:35:36: Wie auch immer.

00:35:36: Und in Polen war er in den Frühjahr in Sachsen.

00:35:42: Und da gab es mit einer Schauspieler eine Streiterei um eine Schauspielerin mit dem polnischen General und Grafen Branicki.

00:35:49: Grunde muss Kasanova das mit provoziert haben, dass die Lösung über ein Duell erfolgen sollte.

00:35:55: Und das Duell hat eine ganz wichtige Funktion gehabt.

00:35:58: Duell lieren war nur eigentlich unter Adligen üblich, nicht mit bürgerlichen oder Handwerkern.

00:36:03: Also ein Duell war ein Privileg, auch wenn es verboten war, nur unter Adeliken.

00:36:08: Und damit wurde ja sein Adel quasi mit anerkannt.

00:36:11: Das heißt, er wollte durch das Duell mit einem höheren Adeliken, sage ich mal, auch eine Anerkennung erfahren.

00:36:17: Und er wurde verletzt, getroffen an der Hand.

00:36:23: Sein Gegenüber Branitzki bekam ein Borschuss von Casanova, hat aber belebt.

00:36:27: Und Casanova war froh darüber, da wollte ich den gar nicht umbringen.

00:36:29: Im Gegens eigentlich mehr um die Show.

00:36:31: und die Show hat auch bekommen.

00:36:32: Ganz Europa hat also über ihn berichtet über diesen Fall.

00:36:36: Er war aber etwas betrübt darüber, dass am Anfang zwar stand ein Edelmann aus Venedig, ein Chevalier des Sein-Galt in den ersten Meldungen, dann aber ganz schnell ein Abenteurer aus Venedig über D-D-Gazetten berichten.

00:36:47: Das heißt, es war klar schon auch den Zeitung nachher, spätestens mit dem Wiener Dialekt, Wir haben es als erstes gebracht, dass Kasanova offensichtlich gar kein Adliger war und Titelbetrug betrieb.

00:36:58: Er wurde auch ausgewiesen aus Polen dann und landete in Tristen.

00:37:02: Und in Köln gab es eine Zeitung, die ebenfalls berichtet hat.

00:37:05: Wie müssen wir die aussprechen?

00:37:05: Gazette Colonia?

00:37:07: Gazette

00:37:07: Colonia war einer der ganz wichtigen Zeitungen Europas, muss man sagen.

00:37:11: Selbst Friedrich der Große hat die abonniert.

00:37:15: Also das war eine zentrale Zeitung, die hat einfach nur gemeldet, eigentlich relativ unspektakulär.

00:37:20: Ein Monsieur Casanova, also da natürlich ohne jeglichen Titel, wurde aus Polen ausgewiesen nach einem Duell.

00:37:26: Er hat sich empört über diesen Artikel, was etwas verwunderlich, weil so eher abschneidend wirkt er eigentlich nicht.

00:37:33: Aber er behauptet, dieser Redakteur hätte Schlimmes geschrieben.

00:37:36: Dieser Gazette Cologno und den hat er dann besucht und mit Pistole und Knüppel und ihn verprügelt.

00:37:42: Er hat den Besuch klingelt.

00:37:45: Also er begeht im Grunde den nächsten Gesetzesbruch, erschreitet zur Selbstjustiz.

00:37:49: Definitiv

00:37:50: und Körperverletzung, aber hier gibt es interessanterweise auch unterschiedliche Versionen.

00:37:54: Die Version, die Casanova in den Memoaren schreibt, Casanova publiziert aber die Duellgeschichte noch mal gesondert.

00:38:00: Von sich berichtet er da ein dritter Person über diejenigen, der da das Duell führt und da sagt, er sogar, dass er dem Kölner Redakteur nachher ein Trinkgeld gegeben hätte.

00:38:10: Das ist etwas verrückt.

00:38:11: Es gibt mehrere Versionen, aber auch mehrere, wo er sagt, dass er ihm unter Druck gesetzt

00:38:15: hat.

00:38:15: Und verprügelt hat.

00:38:16: Ja, ja, klar.

00:38:19: Er hat ihm eins übergehauen und dann kniet er sich voller Angst vor ihm hin und dann lässt er ihn aber auch.

00:38:24: Er verprügelt ihn jetzt nicht.

00:38:27: Aber er muss ihm zusagen, dass er sich quasi in der Zeitung entschuldigt und die Dinge richtig stellt.

00:38:33: Genau.

00:38:33: Das wurde aber nie gefunden.

00:38:35: Diese, sage ich mal, Korrektur, sage ich mal, wurde nie gefunden.

00:38:39: Also an der Stelle kleine Exkurs zur Rechtslage prügeln war eine strafbare Körperverletzung.

00:38:44: Das stand seit ... also ewig schon in den gültigen Polizeihordnungen.

00:38:49: Außerdem, eigenmächtige Racheakte waren ausdrücklich untersagt.

00:38:53: Man konnte da ein geregeltes Verfahren wählen.

00:38:55: Wer sich verleumdet fühlte, konnte eine Ehr-Verletzungsklage erheben.

00:38:59: Das Gericht konnte dann genug Togen in Form von öffentlicher Ehrenerklärung, Widerruf oder auch einer symbolischen Strafe anordnen.

00:39:07: Sie haben es gesagt, Duelle waren in den meisten deutschen Ländern verboten.

00:39:10: Auch in Kuhr-Köln war das Duell offiziell untersagt.

00:39:14: Auch das Verprügeln eines Journalisten war keine erlaubte Form der Selbstverteidigung, sondern eine strafbare Handlung.

00:39:20: Also Casanova hätte sich eigentlich vor Gericht verantworten müssen, aber das geschieht alles nicht.

00:39:25: Er wird auch für nichts bestraft.

00:39:27: Nein, das kann auch gar nicht groß ermittelt werden.

00:39:30: Er war auf Abfahrt nach Aachen.

00:39:32: Der hat ihn kurz besucht, ist dann in die Kutsche gestiegen und ab nach Aachen weitergefahren.

00:39:36: Und keiner hat je versucht ihn.

00:39:38: Der Redakteur hat gesagt, ein Glück war der Typ weg und er hat jetzt seine Ruhe.

00:39:41: Ich glaube, der wollte da nicht noch großen Zirkus draus veranstalten.

00:39:44: Es gibt Spekulationen darüber, dass der Besuch in Köln, dieser zweite Besuch in Köln nicht nur wegen des Zeitungsartikels erfolgt ist.

00:39:51: Da gibt es ein gesundheitliches Problem.

00:39:54: Kasanova hat einen Arzt kennengelernt, der ihn gerettet hat, kurz nach der Englandfrucht, vermutlich Tripper und weitere Entzündungen, Infektionen gehabt, musste mehrere Monate kurieren, ist nach Wesel, oben im Norden nach Wesel, und dort hat Dr.

00:40:10: Piper, der später Karriere in Köln machte, ihn, sag ich mal, kuriert.

00:40:14: Und als Casanova in Polen war, wissen wir von einem Brief im Nachlass, dass Dr.

00:40:20: Piper sich freuen würde, immer wieder zu sehen, eigentlich, wenn er mal durch Köln kommt oder so.

00:40:26: Da wissen wir von diesem Brief, was er denn alles so hatte.

00:40:29: Kasnova hat sich wohl an ihn auch mal gewann.

00:40:30: Der hatte eine schwere Form vom Hämoriten.

00:40:34: Der war über sechzigtausend Kutschkilometer, der zurückgelegt.

00:40:37: Und wenn das so harte Kutschen waren, kann ich mir schon vorstellen, dass da nicht so schön war.

00:40:40: Dann hat er auch verschiedene Salben dazu, die das also verbessern sollen, auch mit der Liebe, mit dem Rotweinkonsum soll er vorsichtig sein.

00:40:48: Also das wurde ihm sozusagen als Rezept auferlegt von Dr.

00:40:52: Piper's.

00:40:53: Es gibt keinen Nachweis dafür, es wäre aber durchaus folgerichtig, wenn er an diesem Tag Dr.

00:40:57: Piper's getroffen hätte, der ihm vielleicht, bevor er die Bäder in Aachen und Spa besucht, Vielleicht noch mal gesundheitliche Tipps, bevor etwas peinlich wird.

00:41:06: Also der Tripper ist dann Folge eines ungezügelten Liebeslebens.

00:41:10: Ja, der Tripper, den hat er öfters gehabt, der er bestimmt, ich weiß nicht, einen Dutzendmal gehabt.

00:41:15: Das war in Köln aber eher wahrscheinlich aus dem Behandlungsbrief, da steht nichts von Tripper, da steht nur Hämorrhiten.

00:41:20: Stark ausgeprägte Form von Hämorrhiten.

00:41:23: Und da gibt er im Ratschläge, wie er das besämpftigen kann, das leiten.

00:41:27: Also er war etwas angeschlagen, kann man sagen, hat er denn in dem Zustand Mimmy noch mal wieder gesehen, die lebte ja noch, sie starb in den Sehntonundsechzig.

00:41:35: Also ein Jahr nach dem zweiten Köln Besuch hat er diese große Liebe noch mal

00:41:38: getroffen.

00:41:38: Aber dem zweiten Köln Besuch hat er mal ganz kurz, ist er auch zu Mimmy gegangen, zur Bürgermeisterfamilie.

00:41:43: Deswegen glaube ich auch nicht, dass eine Spionin war, weil er hat ja dieselbe Dame wiedergetroffen sieben Jahre später und das berichtet wieder davon, dass er bei dem Bürgermeister zusammen gespeist hätte und wurde eingeladen.

00:41:56: Deswegen glaube ich, da ist was dran an der Geschichte.

00:42:00: Und da ist es so, dass sie aber nicht noch mal sich auf eine Affäre einlädt.

00:42:04: Definitiv nicht.

00:42:05: Sie lehnt das ab.

00:42:06: Er bietet es an, es noch zu erneuern.

00:42:08: Aber er meint sogar, sie sei noch schöner als damals.

00:42:12: Aber sie lehnt ganz brüsk eigentlich ab, bleibt aber dennoch freundlich im Umgang.

00:42:16: Und dann entscheidet er, es keinen Sinn in Köln zu bleiben, so sagt das.

00:42:19: Und da kommt noch die Geschichte mit dem Redakteur und dann fährt er ab.

00:42:23: Es gab noch eine dritte Reise ins Rheinland, und da haben wir es dann mit einem ganz anderen Casanova zu tun.

00:42:32: Der ist kein reicher Mann mehr, er kommt wohl her, um Schulden einzutreiben.

00:42:37: Das tolle Leben ist vorbei, in Venedig wurde er ausgewiesen, gemeldet ist er mittlerweile in Wien, aber tatsächlich ist er nur unterwegs im Rheinland.

00:42:46: geht es vor allem darum, die Pachtzahlungen für einen Gutshof im Herzogtum Jülich, im Auftrag einer sächsischen Prinzessin zu kontrollieren und einzutreiben.

00:42:57: Wir können nicht jedes Detail vertiefen, aber interessant ist daran, dass sie solche Erkenntnisse aus Dokumenten gewonnen haben, die ihnen erst vor Kurzem.

00:43:05: bekannt geworden sind.

00:43:07: Es gibt also auch nach dreihundert Jahren immer noch Neues über Casanova zu entdecken.

00:43:12: Sie haben in den Jahren des Jahrhunderts die bis dahin unbekannte Sammlung an Dokumenten einsehen können.

00:43:18: Bis dahin wusste man nichts von diesem dritten Aufenthalt in der Region und es gibt natürlich auch neue Hinweise.

00:43:25: auf Damenbekanntschaft.

00:43:26: Ja, jetzt zu der Eighty gibt es noch was ganz Besonderes.

00:43:29: Er war bei einer Dame im Bonn einer Madame Lacombe-Teste Loringhofen.

00:43:34: Und das ist wirklich interessant, wer sich um wen es sich dabei handeln könnte.

00:43:39: Hier kann man etwas spekulieren.

00:43:41: Ich habe das in dem Buch mal gemacht, tendiere zu einer durchaus bekannten Dame, die bekannt ist für eine große Adelsbibliothek, die bis heute erhalten ist im Stadtarchiv Wotrop.

00:43:51: nämlich die Grave Investorholt.

00:43:54: Und das ist enorm spannend und hier muss noch weiter geforscht werden.

00:43:58: Das kennen ja Habilitationsschrift, die ich da mache und auch keine Doktorarbeit, sondern ich gebe hier nur Anregung für weitere Nachforschungen.

00:44:05: Aber wichtig ist festzuhalten, wenn einer loszieht, um Schulden einzutreiben, ist er nicht mehr der generöse, großzügige Mann, der

00:44:12: die

00:44:12: Taschen voll hat und andere einladen kann.

00:44:15: Ausstrahlen und Champagner.

00:44:16: Nein,

00:44:18: der hatte zwar noch Netzwerke, ihm ging es auch gesundheitlich gut.

00:44:20: Das wissen wir, gesundheitlich war er noch fit, obwohl er in einem Brief geschrieben hat, siebzehn, zweieinachtzig, hat er geschrieben, wie kann es sein, ich bin achtundfünfzig, wie kann es sein, dass ich jetzt nochmal auf die Straße ein Abenteurerleben führen kann?

00:44:33: Ich kann es nicht mehr.

00:44:34: Und er war, hatte auch nicht mal die Kohle.

00:44:37: Der Braga-Din, der ihm das Geld immer versprochen hat, jeden Monat, den gab es auch nicht mehr, der war längst verstorben.

00:44:42: Das heißt, er musste sich Job suchen.

00:44:44: Er hat auch einen Job gehabt, einen kurzzeitigen, beim Venetianischen Botschaftergesandten in ... Wien, der ist aber dann schnell verstorben, deswegen war der Job nur sehr kurzzeitig.

00:44:56: Er braucht da so unbedingt eine Möglichkeit.

00:44:58: und er traf dann in Paris einen Grafen Waldstein.

00:45:02: und dieser Graf Waldstein hat ihn, war noch ein junger, Graf-Achtenzwanzig.

00:45:05: Die haben gemeinsames Interesse für Altchemie und Kabbalah wieder geteilt, also trifft man Menschen und lernt sie kennen.

00:45:10: und er hat ihm angeboten, du armer alter Mann, könnte man sich vorstellen, ich rette dich, du wirst Bibliothek auf meinem Schloss in Böhmen.

00:45:17: Und tatsächlich ist er das geworden, weil die letzten Jahre seines Die großen Jahre als Schriftsteller war ja Bibliothek K. in Böhmen.

00:45:25: Da hat er die Memoiren dann geschrieben und hatte eigentlich die Grundfesten seines Postum-Rums gelegt.

00:45:32: Aber nochmal zu Köln, drei Köln-Besuche, mehrere Straftaten.

00:45:36: Fazit, nichts ist geahndet worden.

00:45:38: Nichts ist geahndet worden.

00:45:40: Köln könnte vielleicht noch etwas mehr profitieren, wenn es das touristisch mehr ausschlachten würde.

00:45:46: Ein guter Tipp.

00:45:47: Also wir sind beeindruckt von dem, was Sie alles wissen.

00:45:49: Wir müssen das vielleicht nochmal sagen.

00:45:50: Sie sind nicht der einzige auf der Welt, der sich so in den Bannen von Casanova ziehen lässt.

00:45:53: Es gibt richtig eine internationale Gemeinschaft.

00:45:56: Eine

00:45:56: Community.

00:45:57: Eine Community.

00:45:58: Das ist abgefahren.

00:45:59: Das ist abgefahren.

00:46:00: Es gibt da eigene Fachzeit durch Casanoviana.

00:46:02: Es ist eine Community von vielleicht hundert Leuten weltweit.

00:46:05: Vielleicht, ja, vielmehr sind es wohl nicht, die sich sehr intensiv damit beschäftigen.

00:46:08: Hundert Freaks.

00:46:10: Ja, ja, Fritz.

00:46:11: Aber doch mal ernsthaft gefahren.

00:46:14: Worin liegt die Faszination, die bis heute mitschwingt?

00:46:17: Die Faszination, ich drück's mal in einem Satz aus, in einem Zitat.

00:46:22: Das Zitat geht in etwa so und ist im ersten Band seiner Memoaren.

00:46:27: Da sagt er, im Vorwerk glaube ich sogar schon, der Mensch ist frei, aber er ist nicht mehr frei.

00:46:32: wenn er nicht an seine Freiheit glaubt.

00:46:35: Und das ist das Entscheidende.

00:46:37: Man muss persönlich von sich überzeugt sagen, von seiner Freiheit Dinge zu tun, die man denkt zu tun.

00:46:43: Und er hat sich die Freiheiten auch gegen gewisse Regelungen herausgenommen.

00:46:46: Dazu muss man sich.

00:46:47: was trauen.

00:46:49: Herzlichen Dank Ansgar Bach für diese sehr erhellende Reise mit Casanova durch das achtzente Jahrhundert.

00:46:55: Sie haben es gesagt, seine letzte Anstellung war die als nicht besonders gut bezahlter Bibliothek in einem Schloss in Böhmen.

00:47:02: Da starb Casanova im Jahr seventeenhundert, achtundneunzig.

00:47:06: Er selbst behauptete von sich, dass er in seinem Leben hundertzwanzig bis hundertfünfzig Geliebte gehabt hat.

00:47:14: Als er starb, war er von dem Glamour und von den Abenteuern nicht mehr viel übrig.

00:47:19: Er lebte zuletzt einsam und zurückgezogen fern vom geliebten Venedig und mit dem Schreiben der Memoaren soll er auch deshalb begonnen haben, weil ihm einfach langweilig war.

00:47:31: Das Buch von Ansgar Bach heißt Casanova in Köln und Bonn, Affären im Rheinland.

00:47:36: Erschieden ist es im Verlag Kopf und Welt.

00:47:39: Genau wie das Buch, das Ansgar Bach im Zusammenhang mit dem Betrug an der reiche Dame aus Frankreich erwähnt hat, die gerne als Mann wieder geboren werden wollte, um besser mit den Geistern zu kommunizieren.

00:47:51: Das Buch heißt Ukulte Versuchung Casanova und die Marquise Dürfe, geschrieben von Hakan Baikal.

00:48:00: Wer in Köln und in der Region nach Spuren suchen will, kann sich manches anschauen.

00:48:05: Einiges haben wir erwähnt.

00:48:06: Die Schlösser in Brühl und Bonn sind natürlich immer Top Ausflugstipps.

00:48:10: Die Totentafel der bereits mit dreiunddreißig Jahren verstorbenen Mimie, also von Maria Ursula Columba zum Pütz, befindet sich im Stadtmuseum.

00:48:19: verbunden mit Porträts des Liebes Paares.

00:48:22: Gesprochen haben wir über die Elendskirche im Severinsviertel, die da etwas versteckt liegt und die wahrscheinlich auch viele Kölnerinnen und Kölner noch nicht bewusst wahrgenommen haben.

00:48:32: Gehen Sie also mal hin.

00:48:33: Man muss an der großen Kirche am Anfang der Severinstrasse vorbeigehen.

00:48:37: Das ist St.

00:48:38: Johann Baptist.

00:48:39: Und direkt dahinter an der Straße an St.

00:48:41: Katharinen befindet sich St.

00:48:44: Gregorius im Elend.

00:48:46: Der Ort, an dem sich höchstwahrscheinlich der Einzelnen Casanova im Weichtstuhl und in einem Treppenaufgang versteckte und stundenlang warten musste, bevor ihn die Angebetete zu sich ließ.

00:48:58: Die Stiftung der Degrotis präsentiert sich im Internet mit vielen Infos sowie mit einigen Geschichten und Aneknoten zu dieser Kirche und zu diesem Ort und da erfährt man auch, warum die Elenskirche Elenskirche

00:49:11: heißt.

00:49:11: Den Link setzt sich in die Shownotes dieser Ausgabe.

00:49:15: Das war's für heute.

00:49:15: Wenn Sie und Ihr diese Episode von True Crime Köln zum Zeitpunkt Ihres Erscheinens gehört haben, kann ich wunderbare Tage im Straßen und Kneipenkarnival wünschen.

00:49:25: Ansonsten gilt wie immer, bleiben Sie wachsam, aber bitte gelassen.

00:49:29: Bis zum nächsten Mal.

00:49:31: Tschö

00:49:32: und

00:49:37: a laf.

Neuer Kommentar

Dein Name oder Pseudonym (wird öffentlich angezeigt)
Mindestens 10 Zeichen
Durch das Abschicken des Formulars stimmst du zu, dass der Wert unter "Name oder Pseudonym" gespeichert wird und öffentlich angezeigt werden kann. Wir speichern keine IP-Adressen oder andere personenbezogene Daten. Die Nutzung deines echten Namens ist freiwillig.