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Verbrecherjagd auf dem Ostfriedhof: Als die ganze Stadt einen Polizistenmörder suchte

Shownotes

Hausfrauen unterbrechen ihren Einkaufsgang und Kinder ihre Spiele. Autofahrer halten an und steigen aus. Kein Parkplatz sei mehr in der Nähe des Ostfriedhofs zu bekommen, berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger im April 1980. Beerdigungen mussten abgesagt werden, weil die Polizei das Gelände durchsuchen wollte. Drumherum standen offenbar Hunderte Schaulustige. Das Spektakel sei „eine prächtige Abwechslung“. Eigentlich fehle nur die Würstchenbude. Die Überschrift des Artikels lautete „Die Jagd hat ihr Publikum“. Er endete mit dem Satz „The show must go on.“ Es ist kaum zu glauben, was sich vor 46 Jahren in Köln abspielte: Eine ganze Stadt schien den Mörder Stefan Hlywa zu suchen, der tagelang die Polizei narrte, nachdem er ohne Schuhe aus einem Haus in Odenthal im Bergischen Land geflohen war. Immer wieder tauchte er irgendwo im Osten der Stadt und im Kölner Umland auf und verschwand wieder. In der neuen Folge von True Crime Köln berichten Laura Ostenda und Helmut Frangenberg von einem heute fast vergessenen Kriminalfall, der zu einem großen Medienspektakel wurde. Private Internetnutzungen und soziale Medien gab es damals noch nicht. Man kann sich leicht vorstellen, was sich in heutigen Zeiten abspielen würde, wenn die Polizei ähnlich arbeiten würde wie damals, als staunende Zuschauer gleich neben schwer bewaffneten Polizisten in der ersten Reihe standen. Bei der Fahndung durch die Polizei reihte sich eine Panne an die nächste. Alles schien unkoordiniert und planlos. Das Opfer des Flüchtigen war ein Polizist gewesen, der mit einem Kollegen ohne besondere Schutzmaßnahmen Hinweisen auf ein illegales Waffenlager in einer Privatwohnung nachgehen sollte. Die Lage eskalierte. Nachdem Stefan Hlywa auf Socken vom Balkon gesprungen war, versuchten die Polizisten, ihn zu stellen. Im Garten hinter dem Haus erschoss Hlywa den Polizeihauptmeister Günther Müller und entkam. Es begann eine Verfolgungsjagd ohne Gleichen. Dass Hlywa tagelang nicht gefasst werden konnte, obwohl er immer in der Nähe blieb, sorgte für bundesweites Aufsehen. Das zweiwöchige Katz-und-Maus-Spiel endete da, wo es begonnen hatte – im Haus der Wohnung seiner Lebensgefährtin.

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Transkript anzeigen

00:00:01: True Crime Keilen,

00:00:03: der Podcast

00:00:04: des Kölner Stadtanzeiger.

00:00:06: Über wahre Verbrechen, spannende Geschichten und

00:00:10: spektakuläre

00:00:11: Fälle!

00:00:12: Dass diese Wohnungsturchsuchung gefährlich werden könnte hatte keiner erwartet.

00:00:17: Es gab Hinweise darauf dass in einem Haus in Odental gestohlene Waffen und anderes Diebesgut gelagert wurden.

00:00:25: Der Polizeihauptmeister Güter Müller und sein Kollege klingelten an der Wohnungstür von Ursula V. Die Mutter mehrerer Kinder öffnete die Tür einen Spalt weit und blieb am Eingang stehen.

00:00:37: Die Polizisten sahen, dass ein junger Mann versuchte ohne Schuhe über den Balkon zu flüchten.

00:00:43: Aus einem Routineinsatz wurde eine Verfolgungsjagd – die Günter Müller das Leben kostet.

00:00:50: Der Mann auf der Flucht hieß Stefan Löwer.

00:00:53: Er zögerte nicht auf seine Verfolger zu schießen.

00:00:56: Müller wurde von mehreren Kugeln getroffen.

00:00:59: Er starb im Garten vor dem Haus, Lüver entkam.

00:01:02: Es begann die bis dahin größte Fahndung der Nachkriegsgeschichte.

00:01:06: Zwei Wochen narte ein Mann die Polizei bevor er die Jagd selbst beendete.

00:01:12: Stefan Lüfer erschoss sich in dem Haus wo die Verfolgungsjagd begonnen hatte.

00:01:19: Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von True Crime Köln der Podcast Reihe des Kölner Stadtanzeiger über Ware verbrechen in Kölnen und der Region.

00:01:28: Der Anstoß zu unserer heutigen Folge kommt von einem Hörer, der uns gebeten hat doch einmal über diesen in Vergessenheit geraten Fall zu berichten.

00:01:37: Er ist der Sohn eines Polizisten, der damals beteiligt war.

00:01:42: Meine Kollegin Laura Ostender hat ein Interview mit ihm geführt indem er über seine Erinnerung als Kind an diesem Fall spricht.

00:01:49: Der Fall aus dem April, der Fall von Stefan Lüver ist so spannend wie skurril.

00:01:56: Ein siebenundzwanzigeriger Österreicher mit polnischen Wurzeln flieht halsüber Kopf auf Socken vor der Polizei und weil die ihn tagelang nicht stellen kann.

00:02:07: obwohl er immer wieder auftaucht wird diese Flucht auch zu einem medialen Großereignis.

00:02:13: Aus dem Verbrecher wird ein Superschurke mit jeder Polizeihundertschaft, die in den Königsforst geschickt wird, nimmt auch die angebliche Gefährlichkeit des Mannes auf der Flucht zu.

00:02:24: Angeblich hat man es mit dem Staatsfeind Nummer eins aus Österreich zu

00:02:28: tun.".

00:02:30: Man kann sich vielleicht vorstellen, wie das heute laufen würde.

00:02:33: Was da alles so durchs Netz weltweit gehen würde.

00:02:36: Im Jahr neunzehntundachzig haben wir es mit der grauen Vor-Internetzeit zu tun und trotzdem war der Rummel um diese Flucht auch damals schon enorm.

00:02:46: Der Express titelte am sechzehnten April, Polizist starb im Kugel Hagel international gesuchter Gangster Flo Barfuß.

00:02:56: Am nächsten Tag konnte man dem Express lesen die Kölner Bevölkerung zittert vor dem Killer.

00:03:03: Er sei in Österreich der Verbrecher Nummer eins und habe den Spitznamen Schrecken der Exekutive.

00:03:10: Stefan Lüver lief tagelang ohne Hilfsmittel und ohne Schutz durch den Wald- und Durchwohnengebiete.

00:03:16: Nachts wurde es im April nixundhundertachtzig noch bitter kalt.

00:03:20: er hätte erfrieren können, dass er tagelange trotz eines riesigen Polizeiaufgebots innen und um Köln herumherumstreichen konnte sorgte für viel Kritik und Erstaunen.

00:03:32: Der Image-Schaden für die Polizei, das kann man sich leicht vorstellen war groß.

00:03:36: Die Medien berichteten täglich über die Flucht Nübers der immer wieder von Anwohnern gesichtet wurde und doch auch immer wieder um Haaresbreite entkamen.

00:03:46: Bei manchen dieser Einsätze kam es erneut Zuschieße rein bei denen Polizisten verletzt wurden.

00:03:52: Auszüge aus der Berichterstattung im Express und Kölner Stadtanzeiger im April,

00:03:59: Bei einer Wohnungsdurchsuchung wurde gestern in Odental bei Berges Schlagbach der zweinvierzigjährige Kriminalhauptkommissar Günther Müller von einem Waffenhändler erschossen.

00:04:08: Obwohl dreihundert Polizeibeamte die Umgebungen durchkämmten, gelang es dem Täter durch das Fahndungsnetz zu schlüpfen.

00:04:14: Der getötete Polizeibeamt hinterlässt seine Frau und zwei Söhne im Alter von zwölf und fünfzehn Jahren.

00:04:19: Etwa eine halbe Stunde nach den tödlichen Schüssen suchten schon etwa fünfzig Polizeibeambte das umliegende Waldgelände ab.

00:04:25: Kurz darauf wurden auch Kölner Spezialeinheiten eingeschaltet, sodass mobile Einsatzkommando, zwei Hundertschaften der Bereitschaftspolizei und zwei Polizeihubschrauber.

00:04:34: Nach Mitteilung der Kriminalpolizei unter Staatsanwaltschaft wird Stefan Lüver in Österreich und in der Bundesrepublik mit Haftbefehl gesucht.

00:04:42: In Österreich liegt ein Haftbuffel wegen verschiedener Einbrüche gegen ihn vor – in Köln wegen Körperverletzung und in Aachen wegen schweren Diebstahls.

00:04:50: In unvermindeter Stärke wurde die Fahndung nach Lüfer fortgesetzt.

00:04:53: Die Kriminalpolizei sieht nun die Möglichkeit im Betracht, dass er sich in einem der vielen Wochen enthäuser oder auf einem Campingplatz im Bergischen Land versteckt halten könnte.

00:05:01: Die Fahnder gehen davon aus, das Herr Verbrecher auch auf Zivilisten rücksichtslos schießt – sobald er sich entdeckt glaubt!

00:05:07: Am Freitagmittag wurde durch Zufall im Bergeschlag Bachschildchen Lüwer von einem neuen sechzigjährigen Mann und dessen achtenvierzigjähriger Frau entdeckte.

00:05:15: Als der Rentner eine Plane hoch hob, schreckte ein Mann

00:05:18: auf.

00:05:19: Es war Lüwa.

00:05:20: Der ungepflegte und übernächtigte Verbrecher bedrohte ihn sofort mit der Pistole, und raste im Lieferwagen des Paares davon.

00:05:26: Kurz

00:05:26: darauf wurde der Wagen in Köln-Ports gesichtet.

00:05:29: Die Besetzung eines Streifenwagens nahm die Verfolgung auf.

00:05:32: An einem Waldstück bei Gutleidenhausen geriet Lüver mit dem Fahrzeug in den Straßengraben.

00:05:37: Im nächsten Augenblick stand er neben dem Wagen, legte die Pistolen an und schoss zweimal auf die Verfolger.

00:05:42: Eine Kugel traf den Führer der Streife in den linken Fuß.

00:05:45: Lüva flüchtete dann in einen Waldstuck unmittelbar neben der Straße.

00:05:49: Der Verkehr wurde umgeleitet.

00:05:51: Über dem abgeriegelten Wald- und Wiesengelände kreisten wenig später zwei Polizeihubschrauber, besetzt mit Beamten des Spezialeinsatzkommandos in Kugelsicheren Westen.

00:06:00: Gepanzerte Polizeiverzeuge patrouillierten auf den Wegen.

00:06:04: Als sich Innenminister Burkhard Hirsch kurz nach sechzehn Uhr am Ort des Geschehens über die Situation informieren ließ gab es allerdings immer noch keine Spur von Lüber.

00:06:13: Der Gangster war wie vom Erdboden verschluckt.

00:06:15: Um keine Möglichkeit umgenutzt zu lassen, setzte die Polizei am Samstag auch ein technisches Hilfsmittel ein, das normalerweise dazu dient, die Wärmedämmung von Gebäuden zu überprüfen.

00:06:24: Der achtenzwanzigjährige Kölner Ingenieur Volker Wendler bot den Ermittlern einen Infrarotspürgerät an – dass in Amerika entwickelt und schon im Vietnamkrieg für die Suche nach Personen eingesetzt worden war.

00:06:35: Um neunzehn Uhr wurde aber auch diese Aktion ohne Erfolg beendet.

00:06:38: Am Dienstagvormittag hatte Polizeirad Kessler den Ostfriedhof in Dellbrück räumen lassen.

00:06:43: Vom Hubschrauber aus waren die Besucher mit Lautsprechern dazu aufgefordert worden.

00:06:48: Die einzige Beerdigung des Tages war zum Glück schon am frühen Morgen gewesen.

00:06:52: Es gab zwei weitere verletzte Polizeibeamte, die beiden erlitten Oberschenkeldurchschüsse als sich aus der Maschinenpistole eines Kollegen mehrere Kugeln aus bisher ungeklärten Gründen lösten.

00:07:03: Unrasiert und barfuß.

00:07:05: So ist Stefan Lüver auf der Flucht.

00:07:08: Eintausend siebenhundert Polizisten jagten ihn bisher ergebnislos, doch man ist sich sicher bald taucht er wieder auf um sich Nahrung und Kleidung zu besorgen.

00:07:17: Am Sonntagabend gegen neunzehn Uhr dreißig führt ein Architekt aus der Dona-Straße in Königsforst seine beiden Jagdhunde im Garten herum.

00:07:24: Heiner der Vielbeiner schlägt an und führt seinen Herrn vor einen Haufen Tannenzweige.

00:07:29: darunter schauen ein paar Füße hin und grün roten Ringelsocken hervor.

00:07:32: Es ist Stefan Lüver.

00:07:34: Wieder droht er mit seiner Pistole.

00:07:36: Sekunden später ergreift der Gangster die Flucht.

00:07:40: Am Ende kehrte Lüfer freiwillig in das Haus zurück, aus dem er zwei Wochen vorher geflohen war.

00:07:47: Auch das ist ein erstaunlicher Aspekt dieser Geschichte!

00:07:51: Die Polizei war zur Stelle – dass es klar sie hat das Haus beobachtet – doch verhaften konnte sie nicht.

00:07:57: Der Mann erschoss sich im Keller des Hauses.

00:08:00: Warum er freiwillig zum Tatort zurückkehrte, ist eine der vielen Fragen die offen geblieben sind.

00:08:06: Warum gelang es ihm so oft zu entkommen und wie angemessen war dieses riesige Aufgebot der Polizei?

00:08:13: Über all diese Fragen spreche ich mit meiner Kollegin Laura Ostender.

00:08:18: Laura, welches Bild hast du von diesem Stefan Lüver während deiner Recherchen bekommen?

00:08:22: Was haste über Hinarus finden können.

00:08:24: Hallo Helmut!

00:08:24: Das Bild vom höchst gefährlichen und wild um sich schießenden Lüfer wurde sowohl von Polizei als auch den Medien genährt.

00:08:32: Es erschienen immer wieder Berichte über Stephan Lüvers Vergangenheit die die Geschichte vom Höchst intelligenten und kaltblütigen Kriminellen weiter festigen sollten.

00:08:41: Er soll als Bester seines Jahrgangs seinen Schulabschluss im österreichischen Wenz gemacht haben und nach einer Automechanikerlehre durch Kontakt zu einem Schweizer auf die schiefe Bahn geraten sein.

00:08:51: Manches davon klingt wirklich ziemlich an den Haaren herbeigezogen, mit sechzehn soll er zum Beispiel eine Bande gegründet haben und sich nur noch als Sheriff hat anreden lassen.

00:09:00: Selbst Sport soll er nur Zweck seiner Verbrecherkarriere gemacht haben.

00:09:04: aus dem gleichen Gründen soll er übrigens auch oft Skäretten- und Alkohol verzichtet haben.

00:09:09: Außerdem soll Stefan Lüver Banken überfallen haben und ein Waffenhändler mithang zum Kidnapping gewesen.

00:09:16: Eine Frau habe er bei einem Überfall angeblich mit Leuco Plast an einen Tresor gefesselt.

00:09:22: Freunden gegenüber soll Lüver vor seinem Umzug nach Deutschland gesagt haben, ich schieße bis zur letzten Patrone und die ist für

00:09:29: mich.".

00:09:30: Glaubt man diese Aussage lässt sich sowohl auf eine allgemeine Gefährlichkeit schließen als auch auf jemanden der lieber stirbt als von der Polizei festgenommen zu werden?

00:09:39: Und zumindest letzteres scheint der Wahrheit entsprochen zu haben.

00:09:43: Ein nicht näher spezifizierter Experte hat dem Express damals erzählt, dass Lüwe ein Blutbad anrichten wird und die Bergisch-Gladbacher Polizei war schon vor einem Jahr von Interpol vor ihm gewarnt worden.

00:09:56: Wie muss man... wie kann man diese Informationen einordnen?

00:09:58: War dieser Mann so wirklich so gefährlich, wie ihn die Polizei beschrieben hat?

00:10:02: Also bei dem Mord an Polizeihauptmeister Günter Müller hatte Stefan Lüver bereits eine lange kriminelle Laufbahn hinter sich.

00:10:09: Wir haben schon gehört, es bestanden Haftbefehle gegen ihn – angeblich auch wegen Körperverletzung.

00:10:15: Das klingt also erstmal nach Riemannem, der für die Allgemeinheit sehr gefährlich ist.

00:10:19: Aber primär scheint es hat er Diebstähle und Einbrüche begangen.

00:10:23: Auf die österreichische Fahndungsliste kam er wegen eines Diebstahls an Waffen.

00:10:27: daher dann auch der Interpol-Eintrag.

00:10:30: Vieles lässt sich heute nicht mehr vollständig überprüfen, aber der Staatsfeind Nummer eins aus Österreich war er sicherlich nicht.

00:10:37: Dafür gibt es keine glaubhaften Anhaltspunkte und bei wirklich aufsehenerregenden Verbrechern besteht meistens ja auch ein kontinuierliches Interesse von Menschen.

00:10:45: Verkürzt gesagt als ehemaliger Staatsfeinde Nummer Eins aus Österreich hätte Stefan Lüver noch eine stärkere Onlinepräsenz.

00:10:53: Wie bist du denn überhaupt an Infos gekommen bei so einem in Vergessenheit geratenen Fall aus dem Jahr neunzehntundachtachzig?

00:11:00: Das ist ja mittlerweile doch eine geraume Zeit her.

00:11:03: So einen Fall kann man nicht einfach im Internet nach recherchieren, oder?

00:11:06: Im Internet gibt es kaum Informationen über Stefan Löwer aber man findet einen aufschlussreichen Artikel vom Spiegel mit dem schönen Titel der reine Rummel.

00:11:15: Der ist auch öffentlich zugänglich.

00:11:17: Da es das Versagen der Polizeithema, die Lüwa je länger seine Flucht dauerte zu einem immer größeren Schreckenmachte.

00:11:24: aber auch die Rolle der Medien wird kritisch beleuchtet.

00:11:27: Auch bei der Berichterstattung in unserem Archiv ist mir aufgefallen dass bei vielen Zitaten der Polizei die Einordnung fehlt.

00:11:33: Es scheint als hätten die Medien den Mythos um Lüva mit erschaffen statt journalistisch abzuwägen.

00:11:39: Für Informationen über die Flucht und Fahndung war das Archiv des Kölner Stadtanzeiger aber unerlässlich.

00:11:45: Was ist mit Fahndungsbildern von Lüver?

00:11:48: Die Menschen in der Umgebung mussten ihn ja erkennen können, um ihn zu finden und zu identifizieren auf seiner Flucht.

00:11:55: Der Fahnderungsbilder gab es – ich gehe auch davon aus dass viele davon aufgehängt wurden.

00:12:00: Abgesehen vom Fernsehen war damals alles andere analog Und im Kölner Stadtanzager wurden mindestens dreimal Fahrendungsbilden von ihm abgedruckt.

00:12:08: Klar, mit der Zeitungen erreichte man viele Menschen auf einmal Und als ich das Bild von Stefan Lüwer das erste Mal gesehen habe, dachte ich, dass ist ein Mann aus der Kolgate-Werbung.

00:12:18: Dunkeldichte Haare, ein breites eingefrorenes Grinsen sehr gerade Zähne und auf dem Bild trug er eine große abgerundete Sonnenbrille hat etwas von der Fliege puck.

00:12:29: Er soll einen Meter siebzig groß gewesen sein da steht aber natürlich nicht auf dem Fahndungsbild.

00:12:34: Bevor wir weiter auf die abenteuerliche Fahndung der Polizei eingehen, lasst uns einmal einen genaueren Blick auf die Beziehungen zwischen Lüver und Ursula V werfen.

00:12:44: Besonders viel haben wir noch nicht über sie erfahren.

00:12:46: Was ist über Sie bekannt?

00:12:47: Und inwieweit ist sie in seine illegalen Geschäfte und die Flucht verwickelt?

00:12:52: am Ende Kette Lüva ja schließlich zu ihr zurück und nahm damit seinen eigenen Tod in Kauf.

00:12:58: Schon bei den Fakten gibt es widersprüchliche Angaben über Ursula V. Mal hat sie zwei Kinder, an anderer Stelle plötzlich vier.

00:13:05: In einem Artikel ist die thirty-fünf in einem anderen neun und dreißig.

00:13:09: Klar ist aber dass Ursula v vor ihrer Beziehung zu Lüver verheiratet war und Kinder aus dieser Ehe hat mit denen sie zum Zeitpunkt des Mordfalls zusammengelebt hat.

00:13:19: Wie sich der Fall auf ihre Kinder ausgewirkt hat.

00:13:22: das ist eine interessante Frage und macht eine spannende Perspektive auf die wir hier aber leider nicht vertiefen können.

00:13:28: Denn zu den Kindern von ihr konnte ich leider keinen Kontakt

00:13:30: herstellen.".

00:13:31: Da fragt man sich natürlich, wie man sich so eine Beziehung vorstellen muss.

00:13:35: Der Mann ein Mitte-ende-Zwanzigjähriger, der lebt seit Jahren ein kriminelles Leben ist immer auf dem Sprung, immer damit rechnend dass ihm die Polizei auf den Fersen ist und sie eine alleinerziehende Mutter, die in Odenthal verwurzelt ist.

00:13:49: das klingt sehr gegensätzlich.

00:13:52: Ja, das Leben von den beiden scheint sehr verschieden und auch der Altersunterschied fällt auf.

00:13:57: Um die zehn Jahre werden das her gewesen sein – das ist zu der Zeit und in dieser Konstellation ziemlich ungewöhnlich!

00:14:03: Es ist auch unklar wie die beiden sich kennengelernt haben.

00:14:06: Fest steht aber dafür dass sie sich seit mehreren Monaten kannten und Ursula V mit Stefan Lübers Bruder Ivern in einem Haus zusammen wohnte.

00:14:16: Beide wurden im Verlauf von Lübers Flucht von der Polizei verhört und wegen möglicher Strafvereitelung festgenommen, aber vorläufig wieder freigelassen.

00:14:25: Hinweise zu seinem Aufenthaltsort schienen sie nämlich beide nicht zu haben.

00:14:29: Bei Ursula V bestand zudem keine große Fluchtgefahr wegen ihrer schulpflichtigen Kinder.

00:14:34: So wie sie sich Günther Müller und dem anderen Polizisten in den Weg gestellt hat wird sie aber mindestens gewusst haben dass ihr Partner sich Gesetzeswidrig verhalten hat.

00:14:43: Gibt es irgendeine direkte Äußerung von ihr zu Stefan Lüver?

00:14:46: Bei dem öffentlichen Interesse muss doch zumindest jemand versucht haben, mal eine Interview mit ihr zu führen.

00:14:52: Es gibt einen Artikel im Express mit ihr.

00:14:54: das ist so ne Art Home Story.

00:14:56: ich persönlich fand die eher kitschig und es ist auch der einzige Bericht in dem einer andere Seite von Stefan Lüber gezeigt wird.

00:15:03: Ursula V spricht dort von seinen Qualitäten als Partner der unterstützend an ihrer Seite war.

00:15:09: Beispielsweise soll er sich um ihre Kinder gekümmert haben, als sie im Krankenhaus lag und Schulden von ihr durch Arbeit auf den Bau getickt haben.

00:15:17: Das klingt fürsorglich und empathisch – was davon stimmt konnte ich nicht mehr nachvollziehen!

00:15:22: Aber es deutet alles darauf hin, dass Sie füreinander wichtig waren und sich auch gegenseitig geholfen

00:15:27: haben.".

00:15:29: Wir haben einen guten Eindruck von Stefan Lüber gewonnen ein aktiver ziemlich gewöhnlicher Krimineller aber keinesfalls der Schrecken der Exekutive wie die Polizei ihn damals darstellte, womöglich ein guter Partner.

00:15:42: Ein Mann der eher sterben wollte als von der Polizei gefasst zu

00:15:47: werden.".

00:15:47: Das Leben von Stefan Lüver endete schließlich höchst dramatisch fünfzehn Tage nach seiner Flucht erstab am gleichen Ort wie der Mann, den er zuvor das Leben genommen hatte – dazu gleich mehr.

00:16:02: Kleine Werbeunterbrechung in eigener Sache.

00:16:04: Hier ist Sarah Brassack stellvertretende

00:16:06: Chefredakteurin des Kölner

00:16:07: Stadtanzeiger.

00:16:08: Wir berichten in der gedruckten Ausgabe oder im E-Paper des Kölner Stadtanzeiger sowie auf ksdr.de täglich intensiv

00:16:16: über alles wichtige,

00:16:16: was in Köln passiert – aber natürlich auch

00:16:19: in der

00:16:19: Region, Deutschland und der Welt!

00:16:22: Dieser Podcast ist für Sie kostenfrei

00:16:23: hörbar.

00:16:24: Deshalb freuen wir uns wenn sie unseren Lokaljournalismus und die Arbeit der Redaktion mit einem Abo unterstützen.

00:16:29: Alle Infos dazu finden Sie unter ksdr.de slash abo Oder für das rein digitale Abonnement unter kstda.de.

00:16:39: Und jetzt geht's weiter mit dem Podcast.

00:16:41: Stefan Lüver stirbt dort, wo seine Flucht begann im Haus, wo sein Lebensgefährtin wohnte.

00:16:47: Warum kehrt er zurück zu Ursula V?

00:16:50: Es muss ihm doch eigentlich klar gewesen sein dass die Wohnung seiner Partnerin von der Polizei beobachtet wurde.

00:16:55: Das ist schwer zu sagen vermutlich eine Mischung aus Verzweiflung wegen Hunger und Kälte nach Tagen in den Wald und der Hoffnung doch noch vielleicht gemeinsam mit Ursula v fliehen zu können.

00:17:07: Die Ermittler hatten die Telefonate zwischen Ursula V. und Lübers Bruder Ivan abgehört, und dadurch mitbekommen dass sie beiden Stefan Lüver helfen wollten zu fliehen.

00:17:17: Und seitdem wurde das Haus rund um die Uhr schattet.

00:17:20: Stefan Lüber kehrte schließlich in der Nacht vom neunundzwanzigsten zum dreißigsten April um zwei Uhr zwanzig in die Wohnung seiner Freundin zurück.

00:17:28: Durch ein Streichholz, das er nur ganz kurz auflamm ließ entdeckte die Polizei ihn letztendlich.

00:17:34: Der Zugriff erfolgte jedoch erst einige Stunden später um halb sechs mit einem Spezialeinsatzkommando.

00:17:40: Als die Ermittler im Keller auf einen Karton stießen und mit dem Fuß leicht antippen, drückte Lüwa ab.

00:17:46: Lüva schießt sich in einem schlecht gewählten Versteck im Keller des Hauses selbst durch den Mund in den Kopf.

00:17:53: Zwei Wochen nach dem Mord am Polizisten Peter Müller hat sich der Täter selbst getötet.

00:17:59: Über den Mann haben wir jetzt einiges erfahren.

00:18:01: sprechen wir mal über das Verhalten der Polizei.

00:18:03: Wie beurteilst du das?

00:18:05: Der Ablauf der Fahndung ist klar.

00:18:07: Besonders interessant ist, was die Suche nach Lüver so schwierig machte.

00:18:11: Was war den Grundsätzlich komplizierter, grundsätzlich anders bei der Polizeiarbeit im Vergleich zu heute?

00:18:20: Informationen einzuholen waren natürlich deutlich komplizierte als heute.

00:18:24: Die Informationswege waren viel länger ohne öffentlich zugängliches Internet und Mobiltelefone.

00:18:30: deshalb liegt die Fahnung vor allem durch die Suchen vor Ort ab.

00:18:34: Das abgesuchte Gebiet erstreckte sich von Odental über Schildkin bis nach Köln-Ports.

00:18:39: Es war aber unklar, wohin Stefan Rüwer eigentlich fliehen wollte in ein bestimmtes Versteck oder möglichst schnell weit weg.

00:18:46: Anfangs war er ja auch zu Fuß unterwegs Richtung Wald.

00:18:49: Ziel war also in erster Linie das Gebiet, indem er sich aufhalten konnte, möglichst klein zu halten und ihn einzukesseln.

00:18:57: Wir wissen bereits, dass das nicht so gut klappte und die Fahndung stattdessen immer aufwendiger wurde.

00:19:03: Hat er die Polizei noch alles unter Kontrolle oder hatte sie diese längst verloren?

00:19:08: Die Maßnahmen im Fallüber gehen über einen Standard-Einsatz sehr weit hinaus.

00:19:12: schon bei der Fahnderung, die unmittelbar nach den tödlichen Schissen auf Müller begann kann man die Verhältnismässigkeit infrage stellen.

00:19:19: Von Tag eins an waren zwei Hundertschaften des SEK und ein mobiles Einsatzkommando involviert, obwohl bereits eine halbe Stunde nach Müllers Tod fünfzig Beamten die Gegend absuchten.

00:19:31: In den Tagen darauf folgten Schwerpunkteinsätze mit Suchhunden, Hubschraubereinsätzen mit Infrarotgerät, Straßensperrung und die Sperrungen des Ostfriedhofs.

00:19:40: Auch mit Menschenketten versuchte man Lüver den Weg abzuschneiden – das klingt erstmal ja nach einer aktiv handelnden Polizei aber tatsächlich lief die Polizei Lüfer eher hinterher.

00:19:51: Es gab viele Hinweise aus der Bevölkerung Die stellten sich aber größtenteils als wenig hilfreich heraus.

00:19:57: Zwei Dinge finde ich bemerkenswert.

00:19:58: Erstens, wie die Polizei in dieser Stärke es nicht schaffte den Täter in einem doch begrenzten Gebiet zu finden und zweitens wie Lüber selbst bei Sichtkontakt entkommen konnte.

00:20:11: Die Verhandlung wurde zum medialen Ereignis.

00:20:13: Inwieweit war die Bevölkerung Teil der Verhandlungsstrategie der Polizei?

00:20:17: Die Mithilfe der Bevölkerung war von zentraler Bedeutung, deswegen wurde auch einen Tag nach Lübers Flucht eine Belohnung von acht tausend Mark auf zielbringende Hinweise ausgesetzt.

00:20:27: Das sind um sich das jetzt gut vorstellen zu können umgerechnet viertausend Euro.

00:20:32: aber wenn man die Kaufkraft die sich verändert hat.

00:20:35: mit einberechnet sind diese acht Tausend mark heute eher neun bis zehntausend euro also schon relativ viel Geld Aber der finanzielle Anreiz war nur ein Hebel die Bevölkerungen mit einzubinden.

00:20:46: Was war denn die größte Chance der Polizei, Lüber zu stellen?

00:20:49: Besonders knapp und spektakulär war Lübers Flucht im Lieferwagen von Passanten.

00:20:54: Das Ehepaar hatte ihn zufällig im Wald in einem kleinen Unterschlupf entdeckt Und als Lüver mit ihrem Lieferwagen davon fuhr – er hatte sie vorher mit seiner Waffe bedroht – alarmierten Sie sofort die Polizei, die wiederum Lüwer mit einer Streife über Köln-Ports hinweg verfolgte.

00:21:10: Bei der Verfolgungsjagd kam es auch zum Schusswechsel, verletzt wurde aber ein Polizist und nicht Glühweir selbst.

00:21:17: Und selbst als dieser den Lieferwagen in einen Graben steuerte und irgendwie aus diesem zerbeuten Auto herauskletterte entkam er in den Wald und konnte trotz Vierhundert Polizisten im Einsatz die eine dichte Kette bildeten, nicht gefasst werden.

00:21:31: Das kann man sich kaum vorstellen!

00:21:33: Aber wichtig ist der Wald Bewarte.

00:21:35: Stefan Lü war oft in letzter Sekunde vor einer Festnahme.

00:21:39: Durch diesen Rückzugsort wurde er etwas flapsig von verschiedenen Zeitungen als Waldmensch bezeichnet, aber stellt sich in Anbetrachtesfalls schon die Frage, war er wirklich die ganze Flucht über im Wald?

00:21:53: Er muss sich ja irgendwie versorgt haben.

00:21:55: wie schaffte es zu überleben in diesen Tagen?

00:21:59: Es gibt einige Berichte, nach denen sich Lüwer zeitweise auch in verfallenen oder verlassenen Unterschlützen aufgehalten haben soll.

00:22:07: Die Flucht in den Wald ist ja auch einerseits gefährlich wegen der niedrigen Temperaturen aber auch wegen der Nahrungssuche und dabei hat er eine Pistole.

00:22:16: mit der kann man jetzt nicht richtig jagen Und es gibt keine Hinweise dass Lüver ansonsten ein versierter Jäger gewesen ist.

00:22:23: Deshalb wurde er wohl mehrmals beim Diebstahl in Geschäften gesichtet.

00:22:26: Einmal soll er in eine Bäckerei eingebrochen sein, ein anderes Mal auf einem Wochenmarkt Bananen geklaut haben.

00:22:33: Und nach mehreren Tagen im Wald fiel Lüver vermutlich auch Leuten auf die seinen Fahndungsfoto nicht gesehen hatten – das nimmt einen dann ja doch mit!

00:22:41: Einige Nächte seiner zweivöchigen Flucht schlief er dann vermutlich im Wald, schützte sich durch Blätter und Äste vor Kälte und Fortieren.

00:22:49: Ein einziges Versteck, das er vorher präpariert hatte gab es aber vermutlich

00:22:53: nicht.".

00:22:54: Und besonders unangenehm muss es ja auch gewesen sein, in Socken zu fliehen.

00:22:58: Die ersten Tage war er nur auf diesen Socken unterwegs bis er in einem Unterschlupf ein paar Schuhe fand.

00:23:04: Im späteren Obduktionsbericht steht dann auch dass Stefan Lüver durchgelaufene Füße gehabt hat.

00:23:11: Mit jedem Tag wuchs nicht nur die öffentliche Aufmerksamkeit sondern auch der Verhandlungsdruck.

00:23:16: Was war der Grund für dieses riesige Polizeiaufgebot schon von Anfang an?

00:23:21: Warum wurden Verhandlungsmaßnahmen in dem Ausmaß überhaupt in Gang gesetzt.

00:23:26: Vielleicht hilft viel.

00:23:28: Anfangs dachte man sicher, dass ein einmaliges Suchen so viele Einsatzkräfte ausreichen muss um den fußläufigen Lüber festzunehmen.

00:23:35: Die Suche begann ja auch zu günstigen Verhältnissen.

00:23:38: Es war morgens, also hell und im April herrschte auch kein extremes Wetter Und das ein Beamt dem Dienst erschossen wird.

00:23:45: Das ist ein Worst-Case-Szenario und passiert auch ganz selten.

00:23:49: Es ist also klar, dass von Anfang an eine hohe Bereitschaft innerhalb der Polizei besteht schnellstmöglich zu finden.

00:23:57: Wenn ein Kollege erschossen wird, ist das auch immer ein Angriff auf die Institutionenpolizei und damit auf jeden einzelnen

00:24:04: Polizisten.".

00:24:05: Ich denke also es ging vor allem darum, dass eigene Gesicht zu waren – und bei einem Täter der die ersten Tage auf Socken mit einer einzigen Pistole in den Wald flüchtet, ist die Erwartungshalten diesen schnell zu fassen natürlich groß!

00:24:20: Warum gelang es ihm dann trotzdem immer wieder zu entkommen?

00:24:23: Hat da die Polizei versagt oder war er total geschickt, oder war das tatsächlich eine Reihe unglücklicher Zufälle.

00:24:29: Was würdest du sagen?

00:24:31: Stefan Lüwer scheint sich schon unauffällig und auch geschickt verhalten zu

00:24:34: haben.

00:24:35: Polizeipräsident Hosse entgegnete dem Könner Stadtanzeiger damals auf den Grund für den fehlenden Fahndungserfolg dass der Faktor Zeit die entscheidende Rolle hier spiele.

00:24:45: Und ich denke, das stimmt zum Teil!

00:24:47: In Momenten in denen die Polizei Lüver hätte ergreifen können waren sie einfach zu langsam und dass Lüva nicht nach einem durchdachten Plan handelte – das war sowohl vor- als auch nachteil denn dadurch blieb seine Route ja unvorhersehbar.

00:25:01: Stefan Lüvar entkam der Polizei aber mehr mal so knapp, dass es einem schon merkwürdig vorkommt Der Wagen, den Lüber für eine mögliche Flucht vorbereitet hatte.

00:25:10: Den entdeckte die Polizei einem Woche Nachverhandlungsbeginn.

00:25:13: Er hatte sie mit Perücken, Ausweispapieren, Waffen und einem Funkgerät der Polizei präpariert.

00:25:19: Nutzen konnte er den Wagen aber nicht.

00:25:22: Lübers war ein Täter der unvorbereitet der ganzen Kraft der Polizei trotzte Und man kann es nicht anders sagen er hielt die Polizei zum Narren und war am Ende auch ein Produkt der Eskalation um ihn herum.

00:25:34: Wie schaffte es denn die Polizei diesen Aufwand über einen Zeitraum von zwei Wochen zu rechtfertigen?

00:25:40: Die Fahndung lief die ersten acht Tage relativ konstant auf Hochtouren.

00:25:45: Erst nach zunehmender Kritik an diesem Polizeiaufgebot und keinem nennenswerten Erfolg wurde die Suche dann mit vermindertem Aufwand betrieben.

00:25:53: Es waren ja nicht nur Einsatzkräfte aus dem Anliegen in Köln unterwegs, sondern wirklich aus ganz

00:25:58: NRW.".

00:25:59: Teilweise auch hunderte Beamte aus Essen und Düsseldorf.

00:26:02: Dazu kommt dann noch die technische Ausrüstung, eine Großpfalnung in dem Ausmaß – die schränkte die Polizeiarbeit anderswo

00:26:09: ein.".

00:26:10: Die Polizisten, die an dem Fall Lüver beteiligt waren sind heute alle pensioniert.

00:26:15: Viele sind bereits verstorben.

00:26:17: Die Perspektive der Polizei können wir also nur durch Artikel in Zeitungen nachvollziehen.

00:26:23: Mit einem Zeugen konnten wir trotzdem sprechen.

00:26:26: Ich habe es am Anfang dieser Folge erwähnt.

00:26:28: Meine Kollegin Laura Ostender hat mit dem Sohn eines Polizistens gesprochen Der in den Ermittlungen um Lüfer involviert war.

00:26:36: Laura, was ist das Spannende an der Perspektive des Sohnes?

00:26:39: Der ja selbst nicht dabei

00:27:03: war.

00:27:05: Sohn von Peter Kosenbund, ehemaliger Kriminalbeamter bei der Kripo-Kölln überwiegend beim ersten KKKL für die Todesermittlung zuständig gewesen.

00:27:16: Mein Vater ist im Jahr zwei Tausend achtzehnt

00:27:18: verstorben.".

00:27:18: An was konnte sich Martin Kosenmund genau erinnern?

00:27:21: Zu Beginn des Gesprächs habe ich ihn gefragt, wie er die Arbeit seines Vaters grundsätzlich wahrgenommen hat.

00:27:26: Denn der Beruf des Polizisten ist für viele Kinder ja vorstellbar und deshalb meistens auch interessanter als andere

00:27:32: Berufe.".

00:27:34: Er hat immer ein bisschen was erzählt, kindgerecht natürlich.

00:27:55: Ich war auch ein paar Mal auf der Dienststelle.

00:27:57: da gab es ältere Kollegen die damals schon sehr alt waren, die sich immer gefreut haben wenn ich auch da war und im einen oder anderen mal eine Tafelschokolade geschenkt bekommen und sowas.

00:28:08: also das war alles noch deutlich familiärer damals bei der Polizei als es vermutlich heutzutage ist.

00:28:15: An was konnte sich Martin Grosemund genau erinnern?

00:28:18: Also am einprägsamsten war für ihn die Festdame von Lüwer.

00:28:22: Die Erinnerung von Herr Kosemund weichte aber in einem Detail von dem ab, was in den Zeitungen stand.

00:28:28: Wer genau aufgepasst hat, der könnte es auch

00:28:30: heraushören.".

00:28:38: Ich meine mich erinnern zu können, dass er mir gesagt hat der hat sich in einer Kartoffelkiste versteckt.

00:28:53: Das sind diese großen Dinger die früher im Keller waren so diese Rippenholzteile und das er sich da erschossen hat mit Beschuss in den Mund.

00:29:02: Das haben wir auch relativ detailliert

00:29:04: erzählt.".

00:29:05: Martin Kohse-Mund spricht hier von einer Kartofelkister als Lüvers letztes Versteck.

00:29:10: Meiner Recherche nach erschoss ich Lüver aber in einem Karton – das sind dann eben Erinnerungen, die ihn Details auch mal abweichen können.

00:29:17: Heute würde fast niemand seinem Kind im Detail von einem Selbstmord, von einem Suizid erzählen.

00:29:22: Aber in den letzten Jahren ist weit entfernt von heutigen Trigger-Warnungen.

00:29:27: Ja und ziemlich heftig muss auch die Waffe ausgesehen haben mit der Lüver sich das Leben nahmen.

00:29:32: Herr Kosemund beschreibt sie folgendermaßen

00:29:35: Er hat mir mal ein Foto von der Tatwaffe gezeigt.

00:29:39: Das war so eine Smith & Wesson Long Rifle Diese Dirty Harry-Pistole.

00:29:46: Gibt die Dirty-Harry-Filme mit Clint Eastwood in den Siebzigerjahren und der hat einen völlig übertriebenen Smith & Wesson Revolver, mit, ich glaube, dreißig Zentimeter Lauf oder zwanzig Zentimetern Lauf gehabt?

00:29:57: Und so ein Ding war das!

00:29:58: Da hat er mir mal ein Foto von gezeigt und da waren auf dem Lauf auch noch die Blutspritzer drauf vom Herrn Löwer.

00:30:06: Die Beschreibung klingt hier natürlich ziemlich hart.

00:30:09: Mit dem Dirty Harry-Vergleich konnte ich aber nichts anfangen, ich kenne Clint Eastwood und weiß, dass das ein alter amerikanischer Schauspieler ist.

00:30:16: Aber was die Dirty-Harry-Filme genau sind?

00:30:19: Keine Ahnung!

00:30:20: Vielleicht kannst du es noch mal für die Jüngeren oder uns erklären...

00:30:24: Also ihr müsst Dirty Hairy natürlich gucken, das ist ein Zeitdokument Ein Kultfilm aus dem Jahr有一hundundseinzig, Clint Eastwood spielte einen Polizisten.

00:30:33: Der Recht und Gesetz in die eigene Hand nimmt.

00:30:35: ein Anti-Held im grausamen Großstadt Dschungel kann man sagen.

00:30:39: eine durchaus spannende Geschichte aber man kann sich das denken.

00:30:42: sie ist immer auch sehr heftig diskutiert worden nicht nur weil sie ziemlich brutal ist sondern auch weil sie Tiefes Misstrauen in Justiz und in bestehende Regeln und in Bestehende Gesetze transportiert.

00:30:55: Und dann eben selbst Justiz als geeignetes Mittel propagiert, damit es gerechter zugeht – in einer schlimmen

00:31:02: Welt.".

00:31:03: Also kurzer Filmtipp in dieser Folge von dem Podcast?

00:31:06: Ja sehr reflektiert angucken aber der Film hat auch was!

00:31:10: Was passiert denn mit gefundenen Waffen wie in diesem Beispiel hier?

00:31:14: Hast du dazu etwas herausgefunden?

00:31:16: Das Verfahren ist neunzehntetachzig ähnlich wie heute.

00:31:19: Beschlagnahmte Waffen kommen in die Aser-Wartenkammer der Polizei, das ist ein speziell gesicherter Lagerraum für sichergestellte Gegenstände oder Beweismittel.

00:31:29: Eine Polizei nahe Quelle hat mir noch etwas Interessantes dazu verraten und erzählt dass viele Polizisten früher Trophäennieger waren und Waffen wie die von Stefan Löwer von den Tatorten mit nach Hause genommen haben.

00:31:41: Das ist ziemlich bemerkenswert, Polizisten die Waffen mit nach Hause nehmen.

00:31:46: Kommen wir noch mal zurück zu Martin Kosemund.

00:31:48: was hat er noch berichtet?

00:31:49: Hatte er Angst um seinen Vater oder hatte das als Kind eher so als Abenteuergeschichte wahrgenommen?

00:31:56: Bei deiner Ihren Vorstellung lief ja einer wild fiesen durch Köln auf den Polizistin Jagd Und dementsprechend hatte ich schon Angst um ihn.

00:32:06: Aber nicht so, dass ich jeden Tag gedacht habe, mein Gott, mein Vater ist in Gefahr.

00:32:10: aber ich war immer froh abends von ihm gehört zu haben und es war immer... Ich hab angerufen wir wohnen vierhundert Kilometer voneinander entfernt, hab abends angerufen und wollte meine erste Frage und habt ihr ihn?

00:32:22: Habt ihr ihn?

00:32:22: und das sich da so ein bisschen?

00:32:24: diese Sorge hatte auch die Sorge was passiert bei einer Verhaftung und er hat immer gesagt machte überhaupt keine Sorgen.

00:32:30: wir kriegen den Und das ist nur eine Frage der Zeit.

00:32:34: Wir wissen ja, mit wem wir es zu tun haben jetzt.

00:32:37: Das war dann auch ein paar Jahre nach diesen ganzen ARF-Geschichten, wo die Polizei insgesamt sensibler geworden ist im Umgang mit schießenden Tätern und vorsichtiger geworden ist.

00:32:51: Ich habe Angst gehabt um ihn, habe mir Sorgen gemacht aber er konnte mich da beruhigen.

00:32:58: Trotzdem war ich sehr froh als sie den Herrn über hatten.

00:33:01: Martin Kosebund war erleichtert, als keine Gefahr mehr von Stefan Lüwe ausging.

00:33:06: Der Polizei wird es ähnlich gegangen sein aber wie sieht das mit der übrigen Bevölkerung aus?

00:33:11: War das vorherrschende Gefühl während der Verhandlung eher Angst oder doch Sensationslust und Neugier?

00:33:18: Die Ausmaße der Fahndung riefen von Anfang an viel Unverständnis bei der Bevölkerung hervor.

00:33:24: Es gibt auch zahlreiche Leserbriefe im Körner Stadtanzeiger, in denen Leserinnen und Leser die Notwendigkeit dieses Aufgebots stark infrage stellen.

00:33:33: Die Kommunikation der Polizei zielte ja schon die ganze Zeit darauf ab, die angebliche Gefährlichkeit Lübers der Bevölkerungen gegenüber hochzuhalten.

00:33:42: Deshalb wurden regelmäßig Warnungen ausgesprochen und manche Eltern verboten ihren Kindern draußen zu spielen.

00:33:48: Viele Menschen fühlten sich aber von den filmreifen Szenen vor ihrer Haustür eher angezogen.

00:33:54: Als über den gesperrten Ostfriedhof die Hubschrauber kreisten, gab es auch zahlreiche neugierige Beobachter Ein siebenjähriger Junge zum Beispiel, der mit seiner Großmutter aus der Nähe die Hubschrauber beobachten wollte.

00:34:08: Ein Soldat, der vom systemlosen Vorgehen der damaligen Polizeisprach oder eine Frau, die fragte ob die Spürhunde denn schon frei hätten?

00:34:17: Die meisten empfanden das Geschehen als Abwechslung vom Alltag und als Tatort live.

00:34:22: Es gab auch die Menschen, die Lüber dann tatsächlich begegneten und solche, die meinten ihn gesichtet zu haben.

00:34:29: Haben denn auch Leute die Aufregung zur eigenen Belustigung ausgenutzt und bewusst falschen Alarm ausgelöst?

00:34:36: Ja das gab es leider auch zum Beispiel eine Männergruppe, die sich beim Grillen einen Scherz erlauben wollte und die Polizei alarmierte ohne Lübe gesehen zu haben.

00:34:45: Am skurrilsten fand ich aber nicht ein Falsch-Alarm, sondern den Bericht über eine ältere Frau, die in einem abgesperrten Gebiet im Wald selbst nach Lüver suchte.

00:34:54: Aber nicht etwa um ihn selbst zu stellen – nein!

00:34:57: Die Frau war auf dem Fahrrad unterwegs und machte sich Sorgen.

00:35:00: Stefan Lüfer tat ihr scheinbar ziemlich leid und sie wollte ihn jetzt mit Lebensmitteln versorgen.

00:35:05: Die Polizei schickte sie dann wieder nach Hause.

00:35:07: Ja, die Geschichte der Jagd auf den mutmaßlich gefährlichsten Verbrecher Österreichs ist auch eine Geschichte mit vielen seltsamen Aspekten oder gar Aneknoten.

00:35:16: wie die der Frau, die ihn da mit Lebensmitteln versorgen will.

00:35:20: Die Jagd hat ihr Publikum, Titelte der Kölner Stadtanzeige am XXIII.

00:35:24: April, und illustrierte das mit einem vielsagenden Foto.

00:35:30: Das sagt sowohl etwas über die vielen Schaulustigen als auch über die Polizei aus.

00:35:34: Da stehen nämlich Frauen und Kinder wie am Rand eines Fußballplatzes neben einem Polizisten mit Maschinenpistole so, also wenn man gemeinsam einen spannenden Spektakel zuschaut.

00:35:46: Sie stehen da, schauen, diskutieren.

00:35:49: Stehen da Bürger dieser Stadt?

00:35:51: Schreibt der Kollege im Kölner Stadtanzeiger im Stil eines Romans.

00:35:56: kaum haben sie die Polizisten entdeckt unterbrechen Hausfrauen ihren Einkaufsgang Kinder ihre Spiele.

00:36:03: Autofahrer halten an steigen aus.

00:36:05: Die Jagd nach Lüver hat ihr Publikum.

00:36:08: Der Autor berichtete davon, dass man zwischen Brück und Dellbrück keinen Parkplatz mehr bekommt weil so viele Zuschauen wollen wieder auf dem Ostfriedhof und im Wald nach Lüwark gesucht wird.

00:36:19: Ein pfeiferrauchender Rentner wird mit den Worten zitiert die werden ihn nicht kriegen das Spektakel sei eine prächtige Abwechslung es fehle nur die Würstchenbude.

00:36:30: der Artikel endet mit dem Satz the show must go on.

00:36:34: Ich habe es aber Anfang dieser Folge von True Crime Köln gesagt, man kann sich leicht vorstellen wie das Ganze heute in digitalen Zeiten und in Zeiten sozialer Medien ablaufen würde.

00:36:44: Wir haben viel über den Täter und viel über die Polizei gesprochen.

00:36:47: Entgegen der Geplogenheiten bei True Crime Köln ist das Opfer zu kurz gekommen.

00:36:52: auch dem ermordeten Polizeihauptmeister Günter Müller hätten wir gerne mehr Raum gegeben.

00:36:57: leider haben wir da nach all den Jahren nicht mehr viel gefunden.

00:37:01: in den Zeitungen von damals stand so gut wie nichts über ihn immerhin.

00:37:05: Gibt es einen kleinen Bericht über seine Beerdigung?

00:37:08: Die Trauerfeier fand im Altenberger Domstadt.

00:37:11: Mehrere hundert Menschen waren dabei, darunter auch der damalige Innenminister Nordrhein-Westfalen-Spokathirsch.

00:37:18: Er habe Müllers Ehefrau und seinen beiden Söhnen sein Beileid ausgesprochen.

00:37:23: Der Express berichtete von ergreifenden Zähnen am Grab um dann aber wieder ganz schnell zurückzukommen zur Jagd auf Lüver.

00:37:35: Wir haben es gesagt, auch diese Folge geht auf die Anregung eines Hörers zurück.

00:37:39: Melden Sie sich wenn sie etwas zu erzählen

00:37:43: haben!

00:37:48: truecrime.de.

00:37:57: Das war's für heute!

00:37:59: Dank an meine Kollegin Laura Ostender, die diesen Fall für uns recherchiert hat.

00:38:03: Danke auch an Julia Hahn Klose und Bela Hadekopf, die als Sprecherin und Sprechermit gemacht haben.

00:38:08: Bis zum nächsten Mal bleiben Sie wachsam aber bitte auch gelassen.

00:38:12: Tschü!

00:38:20: überall da wo es Podcasts gibt und auf kstd.de.

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