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Vom Staatsfeind zum Minister: Die unglaubliche Geschichte des Carl Schurz

Shownotes

Ob etwas als Verbrechen und Straftat angesehen wird, hängt auch von den jeweiligen Zeitumständen ab. Und manchmal ändert sich der Blick auf mutmaßliche Vergehen sehr schnell: Carl Schurz, der heute als Vorkämpfer für die Demokratie gewürdigt wird, wurde zu seiner Zeit als gewaltbereiter Staatsfeind steckbrieflich gesucht. Er floh über London und Paris in die USA, wo er schließlich Innenminister wurde. Die Lebensgeschichte des Rheinländers klingt fast unglaublich. Nach dem Scheitern der Revolution von 1848/49 musste Schurz aus Deutschland fliehen, kehrte jedoch noch einmal zurück, um für einen Freund einen spektakulären Gefängnisausbruch zu organisieren. In den USA kämpfte der Mann, der in Liblar auf die Welt gekommen war und in Köln Abitur gemacht hatte, im Bürgerkrieg für die Union und unterstützte Abraham Lincoln. In der neuen Folge von „True Crime Köln“ ist der Historiker und ehemalige Leiter des Kölnischen Stadtmuseums, Mario Kramp, zu Gast. Er erzählt vom Aufstieg und abenteuerlichen Erlebnissen eines gescheiterten Revolutionärs, seiner Zeit im Exil und schließlich in Amerika - und wirft zugleich einen kritischen Blick auf die Widersprüche dieser außergewöhnlichen Biografie.

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Transkript anzeigen

00:00:01:

00:00:12: Es war eine spektakuläre Befreiungsaktion.

00:00:16: Finanziert von der Frau des Innerftierten, geplant und ausgeführt von einem seiner besten Freunde.

00:00:23: Im Gefängnis konnte der Mann nicht bleiben, hatte Johanna Kinkel klargestellt die Lage ihres Mannes sei einfach entsetzlich!

00:00:30: Eine Aussicht auf eine schnelle Haftentlassung gab es nicht.

00:00:33: Im Gegenteil, Gottfried Kinckel war zu lebenslanger Festungshaft verurteilt worden weil er sich im Rheinland für Demokratie und Freiheit eingesetzt hatte.

00:00:44: Kinckell war Professor für Kunst- und Literaturgeschichte an der Uni in Bonn.

00:00:48: außerdem hat er evangelische Theologie studiert Und derjenige der ihn befreien sollte war einer seiner Studenten.

00:00:56: Karl Schurz, hieß der Mann, der selbst von der Polizei gesucht wurde.

00:01:00: Trotzdem war Schurzz bereit einiges zu riskieren.

00:01:04: Ein Fetter aus dem heutigen Kölner Stadtteil Lindh besorgte gefälschte Papiere damit Schurzt von Zürich zurückkehren konnte.

00:01:12: Zunächst war geplant Kinkel bei einem Gerichtsprozess in Köln zu befreien doch das schien zu riskant.

00:01:18: so kam es zu der tollkühnen Aktion in Berlin Spandau bei der einen bestochener Gefängniswerte half.

00:01:26: Dieser organisierte ein langes Seil und schleusste den Gefangenen während seiner Dienstzeit durch die Flure ins oberste Stockwerk des Zuchthaus.

00:01:35: Dann salte sich der Professor aus einer Dachloke des Zuchthauses ab, auf der Straße wartete Karl Schurz mit einer Kutsche, mit der die beiden Richtung Ostsee flüchteten.

00:01:50: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von True Crime Köln – der Podcast Reihe über Ware.

00:01:55: Verbrechen in Kölner Umgebung!

00:01:58: Ein Literaturprofessor, der sich aus dem Gefängnis abseilt und mit einer Kutsche flüchtet.

00:02:04: Nicht nur das wäre ein sehr guter Stoff für eine Verfilmung!

00:02:08: Unsere Hauptperson heute ist Karl Schurz also der Mann, der den Professor befreite.

00:02:14: Aus Sicht des Staates und seiner Polizei war auch Schurz ein gefährlicher Krimineller, der wahrscheinlich nicht nur zu lebenslanger Haft verurteilt worden wäre wie der Professor im Gefängnis.

00:02:25: Er wäre wohl hingerichtet worden wenn er denn geschnappt worden wäre.

00:02:30: Aus der Sicht von Demokraten die für Freiheit-und Menschenrechte streiten ist Schurzz ein Held, ein Freiheitskämpfer.

00:02:38: Wir lernen einmal mehr ob man etwas als ein Verbrechen bezeichnet oder nicht hängt ab von der Zeit, in der eine Geschichte spielt vom jeweiligen politischen System und in gewisser Weise vom Standpunkt des Betrachters.

00:02:54: In den USA hat man dem ehemaligen Kölner Gymnasiasten Carl Schurz gleich gegenüber der Amtsvilla des New Yorker Bürgermeisters ein großes Denkmal gesetzt.

00:03:05: Eine Inschrift feiert den Mann, den der Preußische Staat gerne totgesehen hätte als Verteidiger der Freiheit und als Freund der Menschenrechte.

00:03:15: So lautet die Inschrift auf dem Denkmal hoch über dem East

00:03:19: River.".

00:03:20: Wir sprechen heute bei Trugheim-Köln noch einmal über die Revolution in Deutschland und in Köln in den Jahren eighteenhundert, achtenviertzig, neunundvierzig besser gesagt über die gescheiterte Revolution.

00:03:32: Bei der Kölnia eine recht zentrale Rolle gespielt hat.

00:03:36: Allen, die unsere Folge über den faszinierenden Kölner revolutionär Franz Havaud noch nicht gehört haben empfehle ich diese mit Nachdruck Todesstrafe für einen Karnevalisten Franz Ravaud.

00:03:48: und die Revolution heißt, die Folge.

00:03:51: Und diese ist im September zwölfundzwanzig erschienen.

00:03:56: Weil die Revolution gescheitert ist sind manche Akteure in Vergessenheit geraten.

00:04:03: Jeder weiß Denkmäler werden immer von den Siegern gesetzt und so steht Köln voller Erinnerungen an preußische Könige, während an die Kämpfer für die Demokratie bestenfalls ein paar versteckte Straßennamen erinnert.

00:04:18: Das ist bei Franz Ravaux besonders erstaunlich weil er nicht nur ein Politiker sondern auch ein wichtiger Mann für den Kölner Karneval war und das gilt auch für Karl Schurz um den es heute geht.

00:04:29: ich dürfte nicht falsch liegen wenn ich behaupte das in die meisten, die uns jetzt zuhören nicht kennen und dass obwohl aus dem Rheinischen Revolutionär ein Kämpfer gegen die Sklaverei in Amerika und schließlich sogar ein Minister in der amerikanischen Regierung wurde.

00:04:46: Es ist wirklich verwunderlich, dass man noch kein Film über ihn gemacht hat finde ich.

00:04:51: Seine Lebensgeschichte würde weitere spektakuläre Zähnen bieten nicht nur diese Befreiungsaktion in Berlin.

00:04:58: alles was eine gute Story braucht wäre im Angebot bewaffnete Freiheitskämpfer Gute und böse Buben Liebe und Tod Gewalt und Leidenschaft Einsamkeit im Exil und Schlachten im wilden Westen, überraschende Wendungen und ein Happy End.

00:05:16: Außerdem könnte man in dem Film faszinierende Bilder aus großen Städten im neuen Jahrhundert zeigen – nicht nur aus Köln oder Berlin, auch aus London, aus Washington und nicht zuletzt – aus dem schillernden Paris voll prallem Nachtleben!

00:05:31: Der Mann, der im Kölner Drei-Königsgymnasium zur Schule ging, musste ins Exil.

00:05:36: Dann traf er in Amerika keinen Geringeren als Abraham Lincoln und half diesem als Wahlkämpfer dabei Präsidenten der USA zu werden.

00:05:46: Der in Deutschland von der Polizei gesuchte Mann wurde Brigadegeneral und Generalmajor im amerikanischen Bürgerkrieg.

00:05:56: In der Vorburg des Schloss Gracht im kleinen Lippler geboren wurde amerikanischer Innenminister.

00:06:03: Als solcher war er für das Office of Indian Affairs zuständig, auch dass eine brisante Aufgabe denn kurz zuvor hatten die Cheyenne und die Sue – das sind sie, die man in Deutschland eher unter dem falsch ausgesprochenen Namen Seox kennt also diese Krieger unter den Häuptlingen Sitting Bull & Crazy Horse, die hatten das Cavalry-Regiment von George Armstrong Custer bei der Schlacht am Little Bacorn vernichtet.

00:06:29: Was für eine Geschichte!

00:06:31: Wir werden Sie vertiefen mit dem Historiker und dem ehemaligen Chef des Kölnischen Stadtmuseums Mario Kramp.

00:06:38: In der Podcastfolge über Franz Ravaud haben wir die Geschichte von Karl Schurz schon mal angedeutet, jetzt hat Mario Krump ein Buch über ihn geschrieben.

00:06:47: Keine Biografie, sondern ein Buch über die Zeit des Exiles in Paris.

00:06:53: Paris, der Demokrat Karl Schurz als politischer Flüchtling lautet der Titel.

00:06:59: Das klingt sehr speziell.

00:07:01: Herr Kramp, was ist das Besondere an dieser Etappe im Leben des Rheinischen Revolutionärs?

00:07:06: Warum dieses Buch und warum dieses Thema?

00:07:09: Wenn man sich die Biografie von Cardshorts ansieht, dann sieht man dessen Kindheit und Jugend in Leblas und Köln.

00:07:15: Und dessen Aktivitäten als Studentin Bonn bis zum Scheitern der Revolution, arzt seit neunvierzig ist gut erforscht.

00:07:22: Danach die Zeit ab.

00:07:23: arzt zwanzfünfzig in den USA Kämpfer für Linken Bürgerkrieg Innenminister zum Schluss auch super gut erforcht wenn auch heute umstritten.

00:07:32: dazwischen es ein Nirvana das Ak.

00:07:35: über das Exil Von neunzehn, vierzig bis zweinfünfzig wissen wir so gut wie nichts.

00:07:40: Kaum ein bisschen was über die Schweiz und über London gar nix bis jetzt über Paris.

00:07:45: Und da hab ich mir gedacht Da muss ich zuschlagen Das war das eine und das andere ist je mehr man mit dem Thema beschäftigt desto mehr sieht man wie Paris eigentlich die entscheidende Bedeutung hat.

00:07:57: In diesem revolutionären europäischen Dreieck Köln-London-Paris spielt Paris zumindest am Anfang die entscheidende Rolle, weil von hier aus hofft man ja dass alles wieder losgeht mit der Revolution.

00:08:09: Die nächste ein besonderes Buch gelungen.

00:08:11: das ist richtig schön geworden finde ich.

00:08:13: toll gestaltet, toll illustriert und selbst jemand dem das Thema dann vielleicht wirklich zu speziell ist wird Spaß an diesem Buch haben.

00:08:20: also es ist wirklich toll geworden.

00:08:22: Bevor wir über Paris im Jahr eighteen Fünfzig sprechen, müssen wir klären warum Karl Schurz von der Polizei gesucht wurde und warum Gottfried Kinkel im Gefängnis saß.

00:08:32: Über den Revolutionsversuch in Köln haben wir schon in einer wunderbaren Folge bei Trugheim-Köln über Franz Ravaux gesprochen.

00:08:39: das war der Kölschekarnivalist der später als revolutionär zum Tode verurteilt worden ist.

00:08:45: auch in Kologne scheiterte diese Demokratiebewegung.

00:08:48: aber dass Scheitern hatte etwas typisch kölnisches.

00:08:50: das müssen wir noch mal erzählen.

00:08:52: Ja, das ist die berühmte Geschichte mit der nicht verteiligten Barrikade.

00:08:56: Also im September, die Kölner Barrikaden, die ganze Altstadt ist so knallt mit denen.

00:09:03: Die Hauptbarrikade mit einer riesigen roten Fahne steht am Altermarkt und dann kommen die Preußen nicht!

00:09:08: Und es gibt keinen Kampf.

00:09:09: Dann gehen die Kölner saufen und dann schlafen.

00:09:12: Am anderen Morgen, ganz früh kommen die Preußen und räumen sämtliche leeren Barrikaden ab.

00:09:17: Die Geschichte von der nicht verteiligten Kölnbarrikade ist zur Lachnummer in ganz Deutschland gegangen.

00:09:22: Die ging viral bis in die Leipziger illustrierte Presse.

00:09:26: aber eigentlich muss man sagen war das ja klasse!

00:09:28: Weil Marx hat ja schon zu Recht davor gewarnt.

00:09:31: Kein bewaffneter Aufstand in Köln ist gespickt mit Bayonettenköln, es begann die Sonntstadt.

00:09:37: das hätte nur unnötiges Blutvergießen gegeben und die Revolutionäreiten keine Chance gab.

00:09:42: Kölner ist die einzige Großstadt der Revolution von

00:09:45: a.z.,

00:09:45: A.t.,

00:09:46: A.-t.,

00:09:46: B.A.t.T.,

00:09:46: N.F.I.R.D.,

00:09:47: in der es kein Toten gegeben

00:09:48: hat.

00:09:49: Also manchmal ist es klug in den Kneipel zu gehen und einzudrehen?

00:09:51: Absolut!

00:09:52: Das haben sie gemacht anstatt zu kämpfen.

00:09:54: Keine Heldentat, aber vielleicht eine kluge Entscheidung.

00:09:57: Karl Schurz war in der Art von Köln im März die Revolution in Deutschland begann.

00:10:05: Nach dem Abitur in Kölnen ging er zum Studieren nach Bonn.

00:10:08: Wie und wo hat er sich in dieser Demokratiebewegung engagiert?

00:10:13: Also als Student ist man ja eh politisiert wenn ich das so sagen darf.

00:10:17: Und in dieser Zeit vor März gibt es ja jede Menge virulente Debatten.

00:10:23: Die Pressefreiheit wird zensiert, die Obrigkeit regiert durch und das alles kulminiert dann in diesem Studenten-Milieu in Bonn.

00:10:31: Er hat einen drittim demokratischen Verein bei den Kinkel in Bonne gegründet hat.

00:10:37: Kinkel ist sein Professor aber das ist auch ein artikaler Demokrat.

00:10:41: Und jetzt sich in den beiden entwickelt sich eine Freundschaft.

00:10:44: Kinkel ist auch Redakteur der Bonner Zeitung für die dann Schuchts den ersten Artikel schreibt und er nimmt an einen Studentenkongress in Eisenachteil, das schreibt ja seinen ersten größeren Text.

00:10:55: Und er wird Präsident des neugegündeten demokratischen Studentenvereins in Bonn – das muss man sich mal vorstellen mit nineteen oder zwanzig Jahren!

00:11:04: Das waren ja alles noch sehr friedliche Protestformen doch dabei blieb es nicht.

00:11:08: also er entscheidet sich im Grunde irgendwann auch Gewalt anzuwenden, er beschließt dass ist glaube ich das erste Mal wo dies zur gewalttätigen Aktion kommt, er beschließt das Zeughaus in Siegburg zu stürmen mit anderen zusammen.

00:11:22: Eine bekloppte Idee unter uns gesagt die auch zum Scheitern verurteilt war.

00:11:26: aber revolutionäre Studis an der Spitze Gottfried Kinkel und Karl Schultz ziehen nach Siegbourg und wollen das einnehmen werden natürlich dann entsprechend geschlagen und müssen sich wie die begossenen Pudel zurückziehen und seitdem werden sie natürlich steckbrieflich gesucht.

00:11:43: Die wollten da Waffen stehlen?

00:11:45: Ja, für einen weiteren Aufstand.

00:11:47: Sie nehmen ja dann auch beide an den bewaffneten Aufständen in der Pfalz und den Baden.

00:11:54: Da ist sozusagen die zweite Welle der Revolution.

00:11:57: Da versuchen die Demokraten das nochmal.

00:11:59: Und in der Pfeil zu den Baden haben sie auch großen Zulaufen, schaffen das anscheinend und dann schlagen die Preußen mit aller Macht zurück... ...und belagern zum Schluss Raststadt wo sämtliche Demokraten eingeschlossen sind.

00:12:12: Die Revolutionäre haben keine Chance gegen die Preußen, sie müssen kapitulieren.

00:12:17: Schutz rechnet selbst damit dass er möglicherweise auch zum Tode verurteilt wird.

00:12:21: das schreibt der in einem Brief an seine Familie.

00:12:24: doch dann entkommt er der Verhaftung und auch das ist wieder eine filmreife Szene.

00:12:28: auch die müssen wir mal erzählen.

00:12:30: Schurz hat gesehen, dass es von Raststadt aus einen unterirdischen Abwasserkanal gibt.

00:12:36: Er klänkt, dass das außerhalb der Festung endet.

00:12:39: dieser Kanal und die Festung ist umzingelt von den Preußen.

00:12:45: Die Demokraten wollen nicht aufgeben und dann steigt er damit einem Burschen und einem Artillerieoffizier steigt da zusammen in diesen Kanal, der ist ganz eng und er erfüllt sich mit Wasser.

00:12:55: Und dann kommen Ratten.

00:12:56: es wird ganz unangenehm.

00:12:58: sie haben nur ein bisschen Brot bei und was Wein und am Ende schaffen das bis zum Ausgang.

00:13:02: und dann brüllt eine preußische Wache wer da und da wissen Sie alles ist gescheitert und robben wieder durch den Schlamm und durch die Abwässer zurück verstecken sie in einem Schuppenversuch uns dann nochmal und dann gelingt es!

00:13:15: Und sie kommen alle über den Rhein ins freie Frankreich nach Straßburg

00:13:20: Die Angst tatsächlich begründet war, dass er mit seiner Hinrichtung rechnen musste zeigt sich am Schicksal der Weggefährten.

00:13:27: Der Revolutionsversuch wurde von den Preußen mit aller Härte beendet.

00:13:31: Ja es wurden viele Todesurteile vollstreckt und die Preußen hatten Kinkel.

00:13:35: Sie hatten ihn schon vor Raststadt gefangen in einem

00:13:39: Gefecht

00:13:40: Und dem Kinkel sollte nun der Prozess gemacht werden und zwar im Köln.

00:13:44: Wie ging das aus?

00:13:45: Wie ging diese Prozesse aus gegen Kinkel?

00:13:47: Der ging nicht mit dem Todesurtal aus.

00:13:49: Es schwankte zwischen Todesordern und Begnadigungen, er wurde dann nach dem Prozess nach Spandau in.

00:13:56: dass Zuchthaus überführt und harte da der weiteren Dinge.

00:14:00: Wir sprechen ja über eine gescheiterte Revolution, die da im Jahr eighteenhundert-achtundvierzig stattgefunden hat.

00:14:07: Wir haben im ersten Gespräch über Franz Ravaux hier bei Tulkamp Köln dahjahr schon drüber gesprochen und da haben sie gesagt eigentlich muss man von einem erfolgreichen Scheitern sprechen.

00:14:15: Klingt nach nem Widerspruch.

00:14:17: also warum muss man vom erfolgreichen scheitern dieser Revolution sprechen?

00:14:21: Zunächst mal militärisch ist sie gescheitert auf kurze Sicht auch gescheitert, aber demokratische Ideale lassen sich ja nicht aus den Köpfen schießen und aus den Herzen prügeln.

00:14:31: Das heißt die lebten weiter in den USA, in anderen Ländern und verbreiteten da ihre Ideen.

00:14:39: und schließlich die Verfassung von achtundneunundvierzig – die ja nie in Kraft getreten ist aufgrund der Repression!

00:14:46: war Vorbild für die Weimarer Verfassung und für die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland.

00:14:50: Also auf lange Sicht, Arlongu-Diree, war es ein Erfolg – auf kurze Sicht ein totales Scheitern!

00:14:56: Es ist dann schon vor dem Hintergrund erstaunlich dass so viele Menschen davon so wenig wissen.

00:15:02: also das diese Figuren verblasst sind, dass man diese Helden nicht so würdig wie sie es verdient hätten Das

00:15:07: liegt vielleicht zum Teil an unseren nationalen und nationalistischen Geschichtsschreibungen wo die ja immer sozusagen hinten runterfallen.

00:15:17: Große Helden der Demokratie feiert man im Kaiserreich und in der Nazi-Zeit weniger, das geht ja erst zarkhaft in den Sechzigern und Siebzigerjahren los.

00:15:27: Es bleibt zarkaft bis heute?

00:15:29: Vielleicht!

00:15:31: zurück zur Karl-Schurz und seiner Flucht.

00:15:33: Er fliegt durch diesen Abwasserkanal, er bleibt politischer Flüchtling.

00:15:37: von der linken französischen Rheinseite geht es weiter in die Schweiz Und dort erreicht ihn dann der Hilferuf von Johanna Kinkel und es beginnen die Vorbereitungen für die spektakuläre Befreiungsaktion in Berlin von der wir am Anfang gesprochen haben.

00:15:52: über den Inhaftierten Den Schutz befreien wird müssen wir doch noch mal ein Wort verlieren.

00:15:57: ich glaube wenn man heute Leute fragen würde wie stellt ihr euch denn so einen Liter Professor im zehnten Jahrhundert vor, dann bekäme man Antworten die nicht unbedingt zu einem gewaltbereiten Revolutionär passen würden der sich damit in dem Seil aus dem Gefängnis abseilt.

00:16:12: Auch dieser Kinkel war eine besondere Persönlichkeit oder?

00:16:15: Ja klar!

00:16:17: Der war einerseits schon der Protos über den deutschen Professors Kunstgeschichte Literatur höhere Welten andererseits war er pragmatisch und, wie Sie es gerade gesagt haben, gewaltbereit.

00:16:31: Dem war klar, wenn ich denn jetzt aus diesem Erfängnis entkommen will dann muss ich oft anders seilen.

00:16:38: Dann muss ich mich da abseilen.

00:16:39: Dan muss ich danach mit dem Schurz in einer wilden Flucht durch Brandenburg oder Mecklenburg vor Pummern bis zur Küste kommen.

00:16:46: Dann muß' ich ein rettendes Schiff erreichen!

00:16:51: Und erst auf der See.

00:16:53: Erst als die zwei schon in Sicherheit sind erfährt die Preußische Polizei, was wirklich passiert ist.

00:16:59: Über die Fluchthilfe in Berlin gibt es einen Bericht sozusagen aus erster Hand.

00:17:03: Karl Schurz schreibt über die Nacht vom Sechsten auf den Siebten November, in seinen Lebenserinnerungen.

00:17:11: Und wir werden es hören.

00:17:12: der Mann war nicht nur ein Politiker und ein Kämpfer für die Freiheit er hatte auch noch ein bisschen literarisches Talent.

00:17:20: Kurz die Vorgeschichte.

00:17:21: Schurzt fährt nach Berlin.

00:17:23: das von Johanna Kinkel gesammelte Geld wird auch zur Bestechung von Gefängniswärtern gebraucht.

00:17:29: da jemanden zu finden der mitmacht war nicht so einfach doch schließlich hat Schurz einen Mann gefunden, der ihm helfen wollte.

00:17:36: Wir haben das am Anfang gehört.

00:17:38: ein erster Befreiungsversuch scheiterte.

00:17:40: in der darauffolgenden Nacht sollte es dann gelingen.

00:17:44: Ein kleiner Auszug etwas angepasst aus den Lebenserinnerungen von Karl-Schurz.

00:17:50: Um Mitternacht stand er wohl verborgen In der tiefen dunklen Türnische dem Zuchthause gegenüber.

00:17:56: Was hätte er um ein tüchtiges Unwetter mit Sturmgebraus und Klatschen im Regen gegeben?

00:18:00: Aber die Nacht war unheimlich still.

00:18:03: Lötzlich erschien oben ein heller Schein, der mich den Rahmen einer Dachluke erkennen ließ.

00:18:09: Der Schein bewegte sich dreimal auf und ab – das war das erhoffte Signal!

00:18:13: Rasch gab ich mit Stahl- und Stein sprühende Funken schlagend meinerseits das vereinbarte Zeichen.

00:18:19: Eine Sekunde später verschwand das Licht aus der Dachlücke und dann gewartig einen dunklen Körper, der sich langsam über die Mauerkante herunterbewegte.

00:18:28: Sein Herz klopfte heftig und der Schweiß trat ihm auf die Stirn.

00:18:31: Da geschah, was er befürchtet hatte.

00:18:33: Dachschiefer und Mauerziegel regneten mit lautem Geklapper auf das Pflaster.

00:18:38: Nun, güthiges Schicksal!

00:18:39: Steh uns

00:18:39: bei!".

00:18:40: In demselben Augenblick kam der Wagen auf den holprigen Pflaster rasselnd herangerollt.

00:18:44: Man hörte das Geräusch der fallenden Ziegel nicht mehr.

00:18:47: Aber werden diese Nicht-Kinkels Kopf treffen und ihn betäuben?

00:18:51: Nun hatte der dunkle Körper beinahe den Boden erreicht.

00:18:55: Mit wenigen Sprüngen war ich zur Stelle.

00:18:57: Es war mein Freund Und da stand er lebendig auf seinen Füßen.

00:19:01: Ich bemühte mich umsonst, den Knoten des Seils das um sein Leib geschlungen war zu lösen.

00:19:06: –Ich kann ja nicht helfen, lusterte Kinkel!

00:19:09: Das Seil hat mir beide Hände furchtbar zerschunden.

00:19:12: Ich zog mein Jagdmesser und mit großer Anstrengung schnitt ich das Seil durch.

00:19:16: Was ist das für ein Wagen?

00:19:18: fragte Kinkel.

00:19:19: Unser Wagen.

00:19:21: Dunkel gestalten zeigten sich an den Straßenecken und näherten uns.

00:19:25: Um Himmels Willen was für Leute sind das?

00:19:27: Unsere Freunde?

00:19:28: In einiger Entfernung hörten wir Männerstimmen singen, während wir durch eine Seitengasse Krügers Hotel zuhalten.

00:19:34: Was ist denn das?

00:19:36: Deine Kerkermeister bei einer bohle Punch!

00:19:38: Pammos Bei Krüger traten wir durch einen Hintertür ein und befanden uns bald in dem Zimmer, in welchem Kinkel die für ihn bestimmte Kleider anlegen sollte.

00:19:47: Krüga der einige Minuten zugesehen hatte wie Kinkel seine Zuchthausuniform gegen eine neue Bekleidung austauschte entfernte sich plötzlich mit einem ihm eigenen Lächeln.

00:19:57: Bald trat er wieder ein, einige gefüllte Gläser tragend.

00:20:01: Herr Professor, sagte er, daneben sind ihre Gefängnisbeamten bei einer Bohle-Punsch!

00:20:06: Ich habe sie eben gefragt ob Sie mir nicht ein Glas erlauben wollen für ein paar Freunde die gerade angekommen wären – sie hatten nichts dagegen.

00:20:13: Nun Herr Professor trinken wir ihr erstes Wohl aus der Bohle ihrer

00:20:16: Kerkermeister.".

00:20:18: Es war uns schwer, Nicht vor Vergnügen über den Humor der Situation laut aufzulachen.

00:20:25: Soweit ein Auszug aus den Lebenserinnerungen des Karl-Schurz, die Aktion und die Art wie er sie beschreibt vermittelt schon ein ganz gutes Bild dieses jungen Mannes.

00:20:35: Die Flucht der beiden führte über die Ostsee nach Edinburgh.

00:20:39: Schurz hatte einen Fabrikanten gefunden, der sich bereit erklärt hat die Beiden auf einem seiner Schiffe nach Großbritannien zu bringen.

00:20:47: Auf dem Schiff schrieb Gottfried Kinkl einen Brief an die Eltern von Karl Schurz.

00:20:52: Der Sohn hatte sich monatelang nicht bei ihnen gemeldet, um die Befreiungsaktion zu gefährden.

00:20:58: Hal hat eine Treue bewiesen an mir, die ich ihm selber schwerlich jemals abverdienen kann.

00:21:03: Sein Mut, seine Ausdauer und Klugheit haben ein Wunderwerk vollendet – und ich verdanke ihm in vollem Sinne die Rettung meines

00:21:09: Lebens.".

00:21:10: Die spektakuläre Befreiungssaktion im Berlin ist ein echtes Husarenstück Karl Schurz, aber auch von seinem Professor Gottfried Kinkel.

00:21:19: Das wird dem preußischen Staat und der Polizei wenig Spaß gemacht haben.

00:21:23: Schurzt hat die Obrigkeit ja ziemlich alt aussehen lassen.

00:21:26: oder ein schwerer Image-Schaden.

00:21:27: Total!

00:21:28: Die war bis auf die Knochen plamiert – das ist die ganze preußische Obrischkeit, die Polizei bis zum König hoch.

00:21:33: Ähm...die räzeln ja erst?

00:21:36: Wer hat diesen Schkinkel

00:21:37: befreit?!

00:21:37: Wie ist das passiert?

00:21:38: War es vielleicht der, war es vielleicht jener?

00:21:40: Dann kommen sie raus bekommen sie raus, dass Schurzes war.

00:21:43: Da sind die beiden schon auf hoher See und das erfährt natürlich ganz Europa weil es durch die Zeitungen weht und das plammiert die Berliner Polizei bis auf die Knochen Und der König für den Schwirlmberfürchte tropft uns möchte einen Schauprozess gegen diese linken und kommunistischen Umtrebe.

00:22:00: Das ist der Kern!

00:22:02: Und der Beginn des späteren König-Kommunistenprozesses von eighteenundzwanzivünfzig.

00:22:07: Jetzt wird europaweit beobachtet und gefahndet.

00:22:10: Gottfried Kinkel ließ sich zusammen mit seiner Frau Johanna und ihren vier Kindern in London nieder.

00:22:15: Karl Schurz entscheidet sich für Paris, warum macht er das?

00:22:20: Tja, warum macht er das?

00:22:21: Das geht aus den Quellen nicht eindeutig hervor.

00:22:24: Aber man kann es vermuten!

00:22:26: Er war ja im April, also in April, so ein halbes Jahr vorher schon mal über einen Monat in Paris und hat sich da auch umgesehen Und hat sich der auch eingelebt, hat da auch Freunde gefunden unter den deutschen Exzellanten Hat da auch berichtet Verzeitungen... ...und das Argument der Sprache ist vielleicht nicht zu vernachlässigen Denn es wundert einen sehr bei Schurzen späterer Karriere wie wenig er mit Englisch anfangen konnte.

00:22:53: Er hat diese Sprache gehasst, er hatte einen, wie er sagt natürlichen Wiederwillen gegen den Vorsprachen laut der englischen Sprache.

00:23:00: Französisch dagegen ging im Aum-Palon

00:23:04: über die Lippen.

00:23:05: Aber wenn man dann in Frankreich ist, jeder der mal Französischer Schule hatte weiß, wenn man es dann sprechen muss so ganz so einfach wird's auch für ihn nicht.

00:23:12: Na ja, erzählt das ja in seiner Erinnerung wir da In Brüssel zum ersten Mal aus der Bahnsteig auf dem Weg von Köln nach Parisen, da will er sich einen Frühstück bestellen.

00:23:21: Das klappt nicht mit so einem Schulfranzösisch.

00:23:23: Das kennen wir alle!

00:23:24: Aber er hat ja sehr schnell mit einem Wachterbuch in der Hand und einer genialen Sprachlehrerin die Fremdsprache fließend gelernt.

00:23:31: also das mag auch ein Grund dafür gewesen sein dass er in Paris bleibt und die Kinkels dann noch London ziehen.

00:23:39: Jetzt stellen wir uns vor, da ist ein junger tatkräftiger Mann.

00:23:43: Ein mutiger Mann, der eine neue Welt erkundet und erobert einschließlich des berühmt-berüchtigten Pariser Nachtlebens.

00:23:51: aber so war das gar nicht.

00:23:52: Der Schurz fremdelt!

00:23:55: Also man denkt ja so ein adreter junger Mann wie schreibt er?

00:23:58: Er hat die schlankste Taldi in der Garnison und sein Schnobartseid zu einiger Prächtigkeit herangewachsen also... Ein gewisser Männlichkeitsritus hinter, man denkt er hätte jede Menge Affären in Paris.

00:24:13: Ist aber nicht so.

00:24:14: im Gegenteil der ist eigentlich sehr brüde und sehr zurückhaltend Und das zeigt sich indem er die Polizei lobt die bei Ausschreitungen moralischer Art gegen die wilde Masse vorgeht.

00:24:31: Das erstaunt einen schon sehr Und er ist auch froh, dass in seinem Hotel das Verboten ist.

00:24:37: Dass Menschen weiblichen Geschlechts mit auf die Zimmer genommen werden durften.

00:24:42: Ein kleiner Spießer der Revolutionär.

00:24:44: Ein kleiner Spieße!

00:24:44: Ja ein verklemmter Kleiner SpIESER.

00:24:47: Wir lernen in ihrem Buch auch, dass im Paris Karnowall gefeiert wurde.

00:24:51: Ich glaube das wissen viele nicht Das es damals gab.

00:24:54: irgendwann verschwindet diese Tradition.

00:24:55: Wie muss man sich das vorstellen?

00:24:57: In Karnewall, in Paris

00:24:58: Winkeln In Kneipen In Bas in Restaurants auf den Straßen, in Kostümen und es gab sogar die Kurti.

00:25:15: Der Abgang vom Hügel von Belleville runter in die Stadt als Ausklang am Aschermittwoch morgen.

00:25:21: Das war ein gewaltiger Zug mit großen Wagen und Zehntausenden Zuschauern an den Seiten, genau wie der Könner Russemontas zu.

00:25:29: Nur das ist in Paris vergessen.

00:25:31: Spätestens seit dem Ersten Weltkrieg gibt es das in Paris nicht mehr.

00:25:34: In Frankreich gibt's ja noch Karneval im Nizza mit italienischer Traditionen Blumenkorps so in Flandern eher North Frankreich eher flemisch mit diesen großen Figuren, aber in Paris nicht mehr.

00:25:47: Paris ist nicht nur bekannt für sein Kultur und für seinen Nachtleben.

00:25:50: Paris war auch die Stadt wo sich die Flüchtlinge trafen, die ins Exil mussten.

00:25:55: Im Gegensatz zum bräuslichen Staat war das ein Ort der Freiheit zumindest für eine gewisse Zeit.

00:26:02: Weißt man wie viele politische Flüchtlingen zu der Zeit in Paris waren?

00:26:06: Wie viele politische Flüchtlinge lässt sich nicht ganz ausdifferenzieren, aber wir wissen wie viele Einwanderer aus Deutschland in Paris waren.

00:26:14: Und das waren immerhin auf dem Höhepunkt vor der Revolution von aßendottundvierzig zweiundsechzig bis fünfundsechzigtausend!

00:26:22: Das ist die größte Minderheit, die größten nationale Minderhalt in Paris in dieser Zeit Und die stehen am untersten Ende der sozialen Leiter.

00:26:31: Die meisten verdingern sich als Hauslehrer, wenn sie geflüchtete Intellektivelle waren, als Dienstmädchen oder als Straßenkehrer.

00:26:40: Im Paris gibt es ganze vierte wo die besonders vertreten sind.

00:26:44: also ich hatte manchmal den Eindruck das ist ein bisschen so wie in den neunziger Jahren als ich in Paris war die arabische Minderheit.

00:26:52: Man gehört irgendwie dazu und auch irgendwie nicht.

00:26:55: Und man steht auf der untersten

00:26:56: Stufe.

00:26:56: Zu den materiellen Nöten kommt ja so auch die Schwierigkeit im Alltagsleben, das beschreiben Sie in Ihrem Buch ganz gut.

00:27:02: über die Sprache haben wir schon gesprochen aber es gibt natürlich alle möglichen anderen Hürden, die man überwinden muss wenn man sich zurechtfinden will.

00:27:10: Man hat keine Freunde, man hat keine Kontakte.

00:27:12: Es gibt allerlei Überforderungen.

00:27:14: Wie kommt denn Karl Schurz dann in Paris zu Recht?

00:27:17: Und sind da Vergleiche mit der heutigen Zeit auch hier vielleicht bei uns möglich?

00:27:21: Flüchtling in Deutschland, Flüchtlinge in Köln?

00:27:23: oder geht das dann so weit?

00:27:25: Also als direkter Vergleich geht es zu weit.

00:27:28: Aber wenn man mal einen Schritt zurück sich befördert und schaut auf die Alltagsprobleme eines Flüchtlings um achtzehntfünfzig in Paris wo komme ich unter?

00:27:40: wo kriege ich eine Wohnung?

00:27:41: wie verdiene ich Geld?

00:27:43: wie lerne ich diese verdammte Fremdsprache?

00:27:45: wo finde ich Freunde?

00:27:47: wo krieg ich was zu essen?

00:27:49: Wie erlebe ich Sitte und Moral in einer fremden Kultur?

00:27:53: Und wie entkomme ich der Polizei.

00:27:55: Das sind alles Probleme strukturell, die auch heute.

00:27:59: Flüchtlinge haben überall wenn sie aus anderen Kulturen kommen oder aus anderen Ländern kommen.

00:28:05: aber direkt kann man das natürlich nicht vergleichen.

00:28:08: Zumalsschutz Aus einer eher bürgerlichen Schicht stammt Der Vater war Lehrer.

00:28:13: gut Nicht der Reiches, aber doch bürgerlich gesätteltes Familienumfeld.

00:28:22: Der ist da eher an der oberen Kante.

00:28:26: Pariser Proletarier und Kölner Proleten verdienen weitaus weniger.

00:28:31: Wovon hat er Schurz denn gelebt?

00:28:33: in Paris?

00:28:34: Interessanterweise als Korrespondent!

00:28:37: Er hat sich für Zeitungsberichte bezahlen lassen... ...und da kommt jetzt wieder die Verbindung Paris-Köln ins Spiel.

00:28:42: Die meisten Artikel verfasst er für Hermann Becker Den Roten Bäcker, der später Oberbürgermeister war damals ein engagierter Linkerevolutionär.

00:28:52: Der die westdeutsche Zeitung in Köln hat und für diese westdeutische Zeitung schreibt Karl Schurz Artikel auch für andere Zeitungen.

00:29:00: Trotz dieser schwierigen Situation dieser schwierige Lage wird Karl Schurtz zu einer Führungsfigur der deutschen Exilanten.

00:29:08: Hat man eigentlich gedacht oder haben die gedacht dass sie aus dem Exiler raus in Deutschland nochmal so was wie eine Revolution in Gang bringen können?

00:29:15: Ja, das haben sie alle gedacht.

00:29:18: Ob im London in Paris oder die Verbliebenen in Köln – alle haben sie gedacht es kommt eine zweite Welle!

00:29:24: Wir schaffen das mal.

00:29:26: Aber diese zweite Wellee wird von Paris aus ausgelöst.

00:29:30: Paris ist der Hoch der Revolution.

00:29:32: In Paris wird der Funke der Freiheit angezündet.

00:29:35: Von Paris aus verbreitet sich das dann in ganz Europa und auch in Deutschland.

00:29:41: Und dann geht es um die interessante Frage, wer übernimmt denn die Führung in Deutschland?

00:29:46: Da sind wir mitten in den Streitigkeiten des linken deutschen Exiles in Paris und London.

00:29:52: Darüber zu reden wäre ein eigener Krimi!

00:29:57: wäre kompliziert und lang.

00:29:58: Und vielleicht irgendwann auch mühsam und langweilig, aber das was Sie beschreiben ist die Theorie.

00:30:04: in der Praxis funktioniert das ja nicht diese Revolution von außen nochmal in Gang zu bringen.

00:30:09: In der

00:30:09: Praxis funktionieren es deshalb nicht weil Frankreich sich wandelt und da sind wir wieder bei diesem Punkt warum Paris so ein wichtiger Ort ist.

00:30:18: Paris ist eigentlich der Hoch der Freiheit Frankreichs das Land der Demokratie.

00:30:22: Das war auch am Anfang so.

00:30:23: auch in der Revolutionszeit ändert sich das.

00:30:27: Dann gibt es Arbeitslosigkeit in Frankreich, dann werden die französischen ärmeren Schichten neidisch auf die deutschen Einwanderer.

00:30:37: da gibt's einen Verteilungskampf und das nutzt die Regierung und dann wandelt sich allmählich Frankreich vom Hocht der Demokratie in ein Land der Fremdenfeindlichkeit.

00:30:48: Das werden immer mehr ausgewiesen.

00:30:52: heutige europäische Flüchtlingspolitik denken lässt.

00:30:56: Frankreich schiebt jede Menge ab, und zwar in die Schweiz und nach Großbritannien.

00:31:01: Großbrитannien nimmt grundsätzlich alle auf – und weißt keinen aus!

00:31:04: Also Großbritanien ist das liberalste Land damals.

00:31:08: Die Schweiz beschwert sich, wer geringt das schon so viel?

00:31:10: Wir nehmen schon soviel nur doch damit auf.

00:31:13: Die Antwort ist, Frankreich sieht noch mehr ab.

00:31:16: Also das ist die eine Seite, irgendeine europäische Verteilung klappt überhaupt nicht im Gegenteil.

00:31:23: Die Hardliner setzen sich überall durch und das andere ist dass Frankreich mit den Staaten die repressiv sind, die unterdrücker sind wo Schurz und Kinkel und die anderen steckbrieflich gesucht werden nämlich Baden wegen des Aufstands und Preußen Die unterstützt Frankreich.

00:31:42: und da gibt es ein sehr interessantes Netz, was sich auch aus den Quellen rekonstruieren lässt.

00:31:46: Wie der französische Außenminister sich vom Pariser Polizeipräsekten alles berichten lässt Und wie er diese Berichte dann berühwarm weitergibt nach Karlsruhe und nach Berlin.

00:31:58: Wenn Sie diese Bericht lesen haben sie eine Adressverzeichnis sämtlicher, angeblich gefährlicher Deutscher in Paris Und was wir gemacht haben.

00:32:07: Und wie soll man sich diesen gefährlichen Schutz an der Grenze sofort verhaften und in eine Einzelhaftzelle stecken sollen?

00:32:15: Also die Lage in Frankreich verändert sich, die kooperieren mit dem preußischen Staat.

00:32:20: Das muss man vielleicht weil nicht mehr alle den Geschichtsunterricht im Kopf haben nochmal sagen es läuft auf Napoleon III hinaus also das totale Ende aller freiheitlichen Bestrebungen in Frankreichen.

00:32:30: Man muss wissen der Präsident Frankreichs ist Louis Napollion Der Neffe des Großen, Napoleon.

00:32:37: Und der will an die Macht und er putzt sich an die macht am zweiten Dezember eighteenundfünfzig.

00:32:44: Und das ist so ein Typ.

00:32:45: den könnte man vergleichen mit Trump heute.

00:32:49: Ich mache eine populistische Politik ich mache Putschversuche.

00:32:55: Ich instrumentalisiere die Stadtbevölkerung gegen die Landbevölkern bzw.

00:33:00: umgekehrt.

00:33:00: Ich bringe das land gegen die städte auf Ich suche Rückhalt bei den Arbeitern.

00:33:05: Im Grunde diene ich dem Großkapital und habe einen Geschmack für pompöse

00:33:10: Inszenierungen.".

00:33:13: So kommt er an die Macht, dann ist es aus mit der Demokratie.

00:33:17: Schurz muss also weiter.

00:33:18: Er bleibt politischer Flüchtling.

00:33:19: Er muss Frankreich verlassen.

00:33:20: In eighteenhundertzehnundertzeinfünfzig besteigt er mit seiner Frau Margarete in England ein Schiff das sie nach Amerika bringt.

00:33:29: Warum bleibt er nicht in England?

00:33:30: Warum verlässt der Europa?

00:33:32: Wir haben eben schon gehört, dass er Englisch gar nicht mochte.

00:33:35: Also er geht nach Amerika.

00:33:36: warum?

00:33:38: Das begründet er mit einem lateinischen Spruch.

00:33:41: Ubi liber tas i bi patria Da wo die Freiheit ist da is mein Vaterland.

00:33:47: Die USA sind das einziges Land noch übrig geblieben Fast einziges land Was eine Zukunft verspricht und was eine zumindest teilweise freiheitliche Zukunft versprecht.

00:33:58: Und das ist ja die große Quittung.

00:34:00: Nachdem Napoleon sich an die Macht geputscht hat, ist es in Europa vorbei mit jeglicher realistischen Revolutionshoffnung.

00:34:09: Also müssen sie sich umorientieren und sehr viele unter Unterschutz ziehen nach Amerika von Paris, England oder Brüssel aus.

00:34:19: Und da beginnt ein sehr spannendes Leben, was wir jetzt nur andeuten können.

00:34:23: Er lernt Abraham Lincoln kennen... Aber freundet

00:34:26: sich sogar mit ihm!

00:34:27: Sie werden weggefährten und ziehen zusammen in den Bürgerkrieg.

00:34:30: So ist es.

00:34:30: Der Schutz wird dann Botschafter in Madrid.

00:34:33: Das mag er gar nicht weil er will den Bürger Krieg gegen die Sklaverei kämpfen und gegen die Südstaaten.

00:34:38: Da wird er dann General im Bürgerkrig und kämpft bei Gettysburg mit.

00:34:43: also das sind ja Wichtige Daten in der amerikanischen Geschichte wird zum Schluss im Senat und dann Innenminister.

00:34:51: Aber das führt jetzt zu weit, er macht eine... Also der kleine Lipplerer-Jung macht einen Riesen.

00:34:57: Kein Weltkarriere?

00:34:58: Ja!

00:34:58: kann man sagen.

00:34:59: Jetzt ist er die Konstellation so.

00:35:00: in Deutschland, also im Preußen bleibt er weiter ein Staatsfeind den man sucht und er hat Verwandte, er hat Freunde in Deutschland.

00:35:08: Ist jetzt in Amerika eine wichtige Person geworden, er wird glaube ich erst Kongressabgeordneter bevor er dann später Minister wird.

00:35:14: und dann denkt der er möchte mal zurück und die Leute besuchen und lässt dann mal so eruieren ob er denn gefahrlos wieder nach Deutschland einreisen kann.

00:35:25: überraschenderweise gibt es keine Probleme.

00:35:27: Ja, erst mal schon.

00:35:28: Erstmal macht er das heimlich aber beim so und so Filmenbesuch fragt er dann ganz ordentlich beim Botschafter Preußens nach ob er das denn dürfe?

00:35:36: Und ja... Dann vermittelt man ihm sogar etwas in Berlin.

00:35:42: Einen

00:35:43: Treffen mit

00:35:45: Bismarck!

00:35:45: hat ja, absoluten Kriegen, der durfte sich frei rumlaufen in Paris oder London.

00:35:54: Er besucht Freunde und verwandt den Lippler Köln Bonne- und Wiesbaden.

00:35:57: aber in die Geschichtsbücher geht natürlich vor allen Dingen dieses Treffen mit Otto von Bismarck ein.

00:36:03: Sie trinken zusammen eine Flasche Wein.

00:36:04: alles scheint sehr harmonisch abgelaufen

00:36:07: zu

00:36:08: sein.

00:36:10: Wie ist das zu erklären?

00:36:11: Die sprechen hinterher voneinander im großen Respekt.

00:36:16: und der Kanzler.

00:36:17: Nun beide haben sich verändert.

00:36:19: Schurz ist von diesem ursprünglichen Universalism, diesem Idealismus des jugendlichen Revolutionärs abgekommen.

00:36:30: Er schreibt auch zum Schluss an Kinkel Wir müssen unsere Revolution nationaler machen erhofft die Gefahr hin unseren ehemaligen Idealen nicht treu zu sein.

00:36:40: Also da bröckelt schon so etwas hin zu einer Realpolitik, hin zum Nationalen.

00:36:46: Und Bismarck ist klug genug um das einschätzen zu können und von seinem ehemaligen Supervorfolger Image abzurücken.

00:36:55: Also es klappt dann zwischen den

00:36:57: beiden.

00:36:57: Zwei Jungs kommen miteinander klar.

00:36:59: In den USA läuft das mit den direkten Nachfolgern von Lincoln nicht ganz so gut, sondern der dritte Nachfolger von Abram Lincoln, der ihn dann zum Innenminister macht.

00:37:12: Das ist Rutherford Heiß.

00:37:14: Schurz ist der erste deutschstämmige Minister in den USA.

00:37:17: Der gehört weiter zu dem politischen erlinken Lager der Fortschrittlichen in den USA.

00:37:23: Aber mit seiner Arbeit als Minister verbindet sich auch Kritik.

00:37:27: In ihrem Buch beschreiben Sie das gleich ganz am Anfang, damit da kein Missverständnis aufkommt Überschrift ein Denkmal wangt.

00:37:34: Was trübt denn das Bild des Kämpfers für Demokratie und Freiheit dann?

00:37:38: Ja dass trügt seine Einstellung zu Indigenen Und seine Einstellungen zur Afroamerikaner.

00:37:45: Die Indigen Wulgo Indianer oder deren Familien und Stämme wurden ja immer mehr vom amerikanischen Zug in den Westen von den Weißen verdrängt und sollten in Internat die Kinder um Teile einer normalen, anfangs zwischen US-Gesellschaft zu werden mit einer Woche ihre Identität komplett verlieren.

00:38:07: Die sollte ihnen aberzogen werden.

00:38:09: Das ist natürlich ein Fall von Rassismus.

00:38:12: ganz klar Schurz leider mitbetrieben und diese Internate auch für gut geheißen.

00:38:20: Und er hat sogar den Colorado-Jews einen bestimmten Stamm, mit militärischem Einsatz oder mit Hunger tot bedroht wenn sie sich nicht fügen.

00:38:29: also das ist Ein sehr düsteres Kapitel.

00:38:33: Mit den Afro-Amerikanern ist es so, dass in den USA kurz nach dem Bürgerkrieg eine Inspektionsreise in den Süden macht und sagt zum Präsidenten, lasst nur ja unsere Truppen da!

00:38:46: Sonst übernehmen diese weißen Eliten wieder die Führung und hauen die Schwarzen Bilder in Litonne.

00:38:52: Wir müssen sie unterdrücken – wir müssen die Schwarze befreien Und das ändert sich.

00:38:58: Am Ende ist er sogar gegen ein Verbot des Kokoks klaren.

00:39:01: Ich nehme nur eins Zitat von Schurz aus dieser Zeit seines Rassismus und das ist jetzt ein Zitat, also ein wörtliches Irgendwann wird der Neger ausreichend gebildet und unabhängig geworden sein um selbst zu denken und zu handeln.

00:39:19: Zitatende grauenvoll Aber...Schurz is nicht die Speerspitze dieses Rassismus und nicht der Radikalsvertreter.

00:39:29: Er ist ein eher liberaler Vertreter, der sich aber zu solchen Sachen auch hinreißen lässt.

00:39:34: Was schließen wir daraus?

00:39:36: Müssen die Straßen, die nach ihm benannt werden wieder umbenannt werden?

00:39:40: müssen wir die Denkmäler abreißen?

00:39:42: Ach Herr Frangenberg und Gottes Willen!

00:39:44: Das wollen wir doch nicht.

00:39:46: Sehen Sie, Aktivistinnen träumen überall davon große moralische Helden zu haben.

00:39:51: Aber Helden sind nie absolut Helden, sind immer nur relativ.

00:39:57: Ich halte eher mit der deutschen Historikerin Hedwig Richter, die schreibt es ist gewiss sinnvoll an Schutz als einen der Väter der deutschen Demokratie zu erinnern.

00:40:06: Aber dabei sollen seine rassistischen Einstellungen nicht ausgeblendet oder als überraschende Abirrung interpretiert werden.

00:40:13: Auch die problematischen Seiten gehören zu Demokratiegeschichte und zugehören auch die Denkmäler-und Straßen, meine Ansicht nach zur Demokratie-Geschichte.

00:40:22: aber das ist ein heißes Eisen!

00:40:24: Wir wissen dass der Bundespräsident bis heute noch nicht Die Schutzbüste, die er von Lipla geschenkt bekommen hat wie ursprünglich geplant vor seinem Bellevue Schloss aufgebaut hat.

00:40:36: Aber ich bin Historiker und kein Politiker.

00:40:40: Und manchmal ist es gar nicht so falsch, wenn politisch aktive Menschen auf Historiker hören.

00:40:45: Herzlichen Dank Mario Kramp für die kundliche Begleitung bei dieser Zeitreise ins neunzehnte Jahrhundert!

00:40:52: Wir empfehlen noch einmal die True Crime Köln-Folge zu Franz Ravaux, die wir im September zwanzig zusammen gemacht haben und ins Netz gestellt haben – Todesstrafe für einen Kernevalisten.

00:41:03: Franz Ravo und die Revolution heißt die Folge von True Crime Mario Kramp zu Gast war.

00:41:10: Der ehemalige Chef des kölnischen Stadtmuseums und Köln-Känner ist nicht nur ein toller Interviewgast, wir haben es heute wieder gehört er ist auch ein toler Erzähler und Sänger auf der Bühne.

00:41:20: Es gibt eine kleine musikalische Formation die sich Letrion nennt Und in dieser kleinen Band kann man Mario Krump auch beim zehnten Kölner Krezzjefest im Oktober.

00:41:33: Das Buch, das Mario Kramm geschrieben hat heißt ich sage es nochmal Paris.

00:41:38: Der Demokrat Karl Schurz als politischer Flüchtling.

00:41:42: Richtig schön ist es geworden auch das habe ich schon gesagt und dass werden auch diejenigen finden den das Thema dieser besondere Zeitausschnitt aus dem Leben von Karl Schurtz ein bisschen zu speziell ist.

00:41:53: Auch die werden Spaß an dem Buch haben weil es sehr feingestaltet und illustriert ist.

00:41:59: wenn Bücher so aussehen und sich so anfühlen wird sie kein digitales Medium verdrängen, sag ich mal mutig.

00:42:06: Dank an Julia Hanclose und Simon Westphal die als Sprecherinnen und Sprechern mitgemacht haben.

00:42:12: das war's für heute.

00:42:13: bleiben Sie wachsam aber bitte auch gelassen

00:42:27: tschö.

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