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Im Auftrag von Odin und Loki: Der Mord an Patricia Wright

Shownotes

Im Februar 1996 wurde in Bergisch Gladbach die 23-jährige Patricia W. in ihrer Wohnung ermordet. Die junge Frau wurde gewürgt, auf den Hinterkopf geschlagen und erstochen, nachdem sie vergewaltigt worden war. Später stellten die Rechtsmediziner über 90 Messerstiche fest. Der Tatort habe einem Schlachtfeld geglichen, sagt der damalige Kölner Mordermittler Bernhard Hatterscheid in der neuen Folge von „True Crime Köln“, der Podcast-Reihe des „Kölner Stadt-Anzeiger“. Für ihn war es der erste Fall einer Kölner Mordkommission. Nicht nur deshalb ist er für ihn bis heute ein besonderer geblieben. Hatterscheid absolvierte damals sein Abschlusspraktikum im gehobenen Dienst und wollte Kriminalkommissar werden. Dass er gleich zu Beginn mit einem so brutalen Mord konfrontiert wurde, prägte ihn nachhaltig. Die Ermittler gingen zahlreichen Spuren nach. Der Ex-Freund des Opfers geriet ins Visier, konnte aber schnell entlastet werden. Die Ermittlungen gestalteten sich schwierig, doch dann kam es zu einer überraschenden Wende: Im Ruhrgebiet wurde nach einem Mord in Dorsten ein 27-jähriger Neonazi festgenommen. Und dieser gestand ungefragt fünf Morde – darunter den in Bergisch Gladbach. Die Polizei hatte offensichtlich einen Serienmörder verhaftet. Im Gespräch bei „True Crime Köln“ erinnert sich Bernhard Hatterscheid nicht nur an diesen spektakulären Mordfall. Er berichtet auch, wie er mit dem erlebten Leid und den schlimmen Verbrechen umgeht. Wer sich für die True Crime Dinnershows mit Berhard Hatterscheid interessiert, findet Infos im Netz unter: www.truecrimedinnershow.de

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Transkript anzeigen

00:00:01: True Crime Kallen, der Podcast des Kölner Stadtanzeiger.

00:00:06: Über wahre Verbrechen, spannende Geschichten und spektakuläre Fälle!

00:00:16: Die Tote war erst dreiundzwanzig Jahre alt, eine freundliche ruhige Frau.

00:00:37: Die Polizei kann zunächst gar nicht sagen woran sie starb.

00:00:40: Sie wurde gewürgt auf den Hinterkopf geschlagen und erstochen nachdem sie vergewaltigt worden war.

00:00:45: über neunzig Messerstiche werden hinterher festgestellt.

00:00:49: In die nächsten Tagen und Wochen wird die Polizei mehreren Hinweisen und Spuren nachgehen aber nichts führt sie zu Patrizias Mörder Bis die Mordermittler von einer Nachricht aus Recklinghausen überrascht werden.

00:01:02: Dort hatte die Polizei nach einem Mord in Dorsten einen siebenundzwanzigjährigen festgenommen und der erzählte im Verhör Dinge, nach denen er gar nicht gefragt worden war.

00:01:15: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von True Crime Köln – der Podcast-Reihe des Kölner Stadtanzeiger über wahre verbrechenden Kölnen und in der Umgebung!

00:01:23: Der Fall, über den wir heute sprechen ist ein besonderer.

00:01:26: Für Bernhard Hatta scheite sogar einen ganz besonderen, denn es war der erste Fall an dem er als Mordermittler beteiligt war.

00:01:34: Herzlich willkommen im Podcaststudio des Kölner Stadtanzeige!

00:01:38: Bernhard Hattascheid ist noch im Dienst, er arbeitet als Ermittler bei der Kriminalpolizei allerdings nicht mehr in der Mordkommission.

00:01:46: Er ist nun zuständig für die Aufklärung von sogenannten Amtsträgerdelikten und von Vergehen an denen Rechtsanwälte beteiligt sind.

00:01:54: auch das wäre mal ein spannendes Thema für True Crime Köln.

00:01:58: Bernhard Hatta Scheid hat einen Buch geschrieben mit dem Titel True Crime am Rhein.

00:02:06: über vierzig Jahren Polizeiarbeit.

00:02:09: Und in einer dieser Stories geht es um die Ermittlungen im Fall von Patrizia Weh, wie war das damals?

00:02:16: Im Februar nineteen Hundert Sechsund Neunzig.

00:02:19: Sie waren gerade ein paar Tage im Kriminalkommissariat der Kölner Mordkommission beim Abschlusspraktikum.

00:02:25: Ja genau ich habe mich ja damals beworben zum gehobenen Dienst und wollte Kriminalkomissar werden und das war mein Abschluss Praktikum bei der MordKommission.

00:02:33: Welche Erinnerungen haben Sie an den Tag, als sie nach Bergisch-Klatbach gefahren sind und dort den Tatort gesehen haben?

00:02:40: Der erste Mordfall.

00:02:41: Und dann noch gleich so ein brutaler...

00:02:43: Für mich war das erst mal total aufregend!

00:02:46: Nicht in Köln, sogar nicht außerhalb von Kölnen.

00:02:48: Ich kannte ja die ganzen Geflogenheit noch gar nicht.

00:02:50: Dann sind wir nach Bergische-Klattbach gefangen aber da lief die Mordkommission schon ein paar Tage.

00:02:55: Ich bin also selber nicht im Haus am Tatort gewesen sondern habe mir natürlich Bilder angeschaut.

00:03:00: Wie erinnern Sie sich an die Bilder des Tatorts?

00:03:03: Also für mich war das als junger Beamter ziemlich krass, muss ich sagen.

00:03:08: Man sieht da eine Leiche auf dem Boden liegen mit sich Verletzungen im Rücken an der Wand überall Blutspritzer dann diese Gipsbüste die zerschlagenen Bohnen hat.

00:03:17: Das sah für mich aus so... Ich habe das in meinem Buch glaube ich als Schlachfeld beschrieben.

00:03:22: Das war für mich der Begriff, der mir als erstes in den Sinn kam, als ich das gesehen habe.

00:03:26: Tatsächlich war es aber so, dass es überhaupt keine Hinweise auf eine Gegenwehr gab.

00:03:31: Also Schlachtfeld als sehr einseitige Angelegenheit.

00:03:34: Ja...

00:03:36: Das ist schon richtig!

00:03:36: Aber der Begriff Schlachtfelden kann man ja für viele Dinge benutzen.

00:03:40: Vielleicht ist er falsch an der Stelle?

00:03:42: Vielleicht würde ich heute einen anderen wählen.

00:03:43: Aber der erste Gedanke war wow, was denn hier

00:03:46: passiert?!

00:03:47: Wie sieht das denn aus?

00:03:49: Es ist glaube ich wichtig festzuhalten Patrizia, keine Chance hatte sich zu wehren.

00:03:53: Das war schnell klar

00:03:54: oder?

00:03:55: Ich vermute mal ich war nicht dabei aber aus Hinvernehmung und weiß es natürlich.

00:03:58: sie hat keine Chance.

00:03:59: Es war ihr erster Mordfall.

00:04:01: das bedeutete für Sie damals dass alles mögliche zum ersten Mal passierte.

00:04:05: zum Beispiel eine Obduktion.

00:04:06: Sie fassen zum ersten mal ne Leiche im leichen Schauhaus an.

00:04:11: Ich muss noch ein bisschen Feuer einhaken.

00:04:14: Das war zwar der erste Mordfall an dem ich mitarbeiten durfte, aber es war nicht den ersten Mord Fall, den ich jetzt gesehen hatte.

00:04:20: Da hatte ich ein paar im Streifendienst gesehen wo ich in Corvailer im Streifendienst gewesen bin und das war ja auch für mich so.

00:04:26: der Auslöser zu sagen... ...das ist aber cool!

00:04:29: Total interessant was sie hier machen.

00:04:31: Mordermittlung wäre auch etwas für mich.

00:04:33: So fing das an.

00:04:35: Die Patrizia W. habe ich ja selber bei der Obduktion nicht gesehen, das war so ein bisschen später erst, wo man mich mitgenommen hat zur Rechtsmedizin hier am Elatengürtel und der Kollege sagte, du hast noch nie eine Leiche gesehen?

00:04:47: Da fahren wir jetzt hin!

00:04:48: Und dann kamen wir da an... ...und dann lag da einen älterer Mann mit geöffneten Brustkorb und musste sich jetzt noch näher ran und er soll ja klar sagen... Ja und dann bin ich näher rangegangen und dann war es für mich so So unwirklich.

00:05:03: Also ich sehe das Bild jetzt vor mir, wie der da liegt und ich denke naja ist da wie so eine Prope?

00:05:07: Ist ja eigentlich gar nicht so schlimm.

00:05:09: und ja das hat funktioniert.

00:05:11: Wir kennen es ja eigentlich so aus den Krimis im Fernsehen.

00:05:14: Dann geht er neue mit und dann wird ihm erstmal schlecht.

00:05:17: Ja, das hat man mit mir auch versucht.

00:05:19: Ich kann mich erinnern dass einer der Rechtsmediziner ich bin jetzt bewusst keine Nab.

00:05:23: Ich weiß wer es war Mit der silbernen Schale da vor mir stand mit der Leber drin und so vor mir rum geschwenkt ist am Gesicht hier guck mal die Leber, die Leiber und die Sau hab' ich fall nicht um Und dann war alles gut.

00:05:34: Jetzt

00:05:35: müssen wir aufpassen dass wir lichtliche Hörerinnen und Hörern verlieren.

00:05:38: wird.

00:05:38: mir zu sehr ins Detail

00:05:39: Nein

00:05:40: aber...

00:05:40: Das ist halt das was man einfach mit den jungen Kollegen mal versucht und so gucken Ist das Wort für dich oder ist das nichts für dich?

00:05:46: So würde ich es einordnen.

00:05:47: und natürlich muss man mit der ganzen Sache immer pietätvoll umgehen.

00:05:50: Das haben wir auch getan.

00:05:52: Aber wenn Sie jetzt sagen, als ich vorher schon Kontakt hatte mit diesen Schwerstverbrechen und den schlimmsten Verbrechen.

00:05:59: Und sagen, glaubt ihr haben eben gesagt sogar cool?

00:06:02: Also was ist das, was einen da so fasziniert hat?

00:06:04: Warum...

00:06:05: Also cool!

00:06:06: Ich meine nicht die Verbrechnen, sondern ich meine die Kollegen von der Mordkommission, die ich damals da kennengelernt habe, die da ankamen und sagten, mach dies, mach dass, fahrt mir denen dahin, fahrt mir denen, holt den Zeugen.

00:06:16: Ich fand das irgendwie so.

00:06:17: ja, das war ... besser als im Fernsehen, was ich immer gesehen habe.

00:06:22: Ich finde das fand ich cool so wie die agiert haben.

00:06:25: Die waren so die Ruhe selbst und das hat mich fasziniert.

00:06:28: Ihr Kollege Peter Schneeders spricht von der Faszination des Bösen.

00:06:32: Kennen Sie das?

00:06:33: Ich bin davon nicht fasziniert.

00:06:34: Das ist ja immer erschreckend und es ist auch immer jemand am Ende tot geblieben wenn wir ermitteln mussten.

00:06:41: Und ich weiß jetzt nicht, was Peter damit meint aber das wird ja wahrscheinlich gesagt... Das

00:06:45: ist ein Buchtitel!

00:06:46: Natürlich ein reißerischer Buchtitler mit viele das Buch kaufen.

00:06:50: Aber man kann sich dem ja nicht so ganz entziehen.

00:06:52: Wir machen hier True Crime Köln und es gibt uns hellige andere True Crime Formate.

00:06:56: Es muss ja irgendetwas dran sein an diesem Thema.

00:06:59: und wenn man dann mit jemandem spricht dessen Arbeit, dass es solche Dinge aufzuklären Und man hört dann, es gibt doch auch da etwas was fasziniert.

00:07:07: Dass man in menschliche Abgründe guckt und denkt wie ist so was möglich?

00:07:11: Wie kann sowas sein?

00:07:12: Auf jeden Fall!

00:07:13: Es ist da das schlimmste Delikt finde ich was passieren kann.

00:07:16: und daran mitzuwirken dass aufzuklären... Das ist für mich einfach... Das is für mich faszinhierend und das ist das was das ausmacht.

00:07:23: Mir ist das dann auch egal ob ich acht Stunden im Büro bin oder über stunden mache Kühlschrankes leer weil keiner einkaufen geht kommt halt vor.

00:07:30: aber das ist was mich an so einer Sache fasziniert hat.

00:07:33: immer

00:07:33: Wie ging es im Bergeschlabbach weiter?

00:07:35: Gab es Spuren, irgendwelche Hinweise, was haben Zeugenbefragungen ergeben.

00:07:40: Spuren

00:07:40: hatten wir ja schon alleine aus der Wohnung.

00:07:43: ziemlich viele den man nachgehen konnte aber natürlich auch viele Zeugen und auch Angehörige die befragt worden sind Und die erste, ich sag mal anführend, heiße Spur führte zu dem Ex-Friend mit dem sie da auseinander gegangen ist.

00:07:57: nicht im Guten Aber das verlief ganz schnell im Sande.

00:08:00: Das hatte sich relativ schnell geklärt, dass er damit nichts zu tun hat... Da kamen so die wildesten Theorien auf!

00:08:05: Ich kann mir eine davon erzählen... Die haben sich ein neunzig kennengelernt oder getrennt?

00:08:10: Ich weiß es nicht mehr genau.

00:08:11: und deshalb die einneunzig Messerstiche.

00:08:14: Also solche Theorieren kam dann auf Und muss man halt danach gehen.

00:08:19: Natürlich sammelt man auch Informationen über das Opfer, weil sich damit die Hoffnung auf Hinweise auf den Täter und mögliche Motive verbindet.

00:08:26: So sind sie auf den Exfreund gekommen – was muss man denn wissen?

00:08:30: Was muss man wissen über Patricia W.?

00:08:32: Patricia W soll sehr lebenslosig und kontaktfreundlich gewesen sein und sie mochte Rockmusik also eine junge Frau mit Beinbeinen.

00:08:42: im Leben stand.

00:08:42: Der Exfreunt war es nicht.

00:08:44: Wie ging's dann weiter?

00:08:46: Wochenlang tagelang keine weiteren Hinweise, keine weitere Spuren.

00:08:50: Spuren, wie gesagt hatten wir ja genug und wenn man alle Spuren abgearbeitet hat und dann irgendwie gar nicht weiterkommt, dann überlegt man was kann man noch tun?

00:08:59: Und ich weiß heute noch dass sie in unzähligen Wohnungen gewesen bin habe mich vorgestellt und gesagt hier wir sind von der Mordkommission und wir würden gerne ihre Kleidung abkleben.

00:09:10: Dann guckt man erstmal infrage die Gesichter und dann erklärt man das was man will nämlich Fahrsatzspuren sichern Können sich nicht vorstellen, wie viel Kleidungsstücke ich in der Hand hatte und aufgeklebt, aufgeklebt nummeriert.

00:09:22: Das war eine Arbeit die sehr lange gedauert hat und sehr intensiv war

00:09:26: um was rauszufinden?

00:09:27: Um herauszufinden ob vielleicht eine der Fasern die wir auf den Kleidungsschücken sichergestellt haben dann mit der Klebefolie Ob sie irgendwie korrespondiert mit irgendeiner Sache am Tatort War aber auch nicht.

00:09:40: Und dann?

00:09:41: Ja und dann kam irgendwann ein entscheidender Hinweis.

00:09:44: Aber der war nicht das Ergebnis von Ermittlungen, deshalb frage ich noch mal wie muss man sich das vorstellen?

00:09:49: Wie oft ist es im Laufe der Jahre bei Ihnen vorgekommen dass man da sitzt und feststellen muss, dass man nicht weiter kommt?

00:09:56: Ich habe leider auch ein paar Mordkommissionen an denen ich mit ermitteln durfte die nicht aufgeklärt sind.

00:10:02: Das sind heute dann sogenannte Cold Case Fälle.

00:10:04: Hoffe ich jedenfalls, dass das welche werden!

00:10:07: Und hier in dem Fall war so wir haben einen Hinweis bekommen auf den Mittäter damals auf den Marcel M. und dann haben wir ihn festgenommen.

00:10:16: Aber das noch mal bevor wir zu der Festnahme kommen, nochmal über dieses Gefühl sprechen wenn man nicht weiter kommt?

00:10:25: Das kribbelt einen unter den Nägeln!

00:10:26: Man will ja diesen Fall aufklären.

00:10:28: Man denkt ja schon in welche Richtung ich in die falsche Richtung muss ich lieber in diese Richtung ermitteln.

00:10:34: Man hat einfach den Drang das aufzuklären.

00:10:36: Ich kann das gar nicht besser beschreiben.

00:10:38: So ein regelrechtes Jagdfieber wäre zu viel, aber irgendwo ist es ja auch.

00:10:42: Man will gucken wer hat das gemacht und wie könnte ich die Tat hier aufklären?

00:10:47: Und wie ist das dann wenn man nicht weiter kommt und dann so eine Akte irgendwann in den Schrank mit dem Coldcase gestellt wird?

00:10:54: Ja also ich bin froh wenn sie dann in der Schrank der Coldcase landet.

00:11:00: Das ist ein blödes Gefühl!

00:11:01: Also man hat das Gefühl man hat nicht alles getan Obwohl man alles getan hat, aber trotzdem nagt das an.

00:11:08: Mir nagen die Fälle, die ich nicht mit aufklären konnte heute noch.

00:11:11: Also man nimmt das mit?

00:11:13: Das nehme ich mit, aber ich schlafe deswegen jetzt nicht schlechter.

00:11:15: Aber wenn man mich darauf anspricht weiß es fort.

00:11:17: Aha der Fall ja klar den haben wir nicht geklärt.

00:11:19: Und was wäre so ein Beispiel für einen Fall, der Ihnen immer noch...

00:11:22: Das ist ein Fall aus dem Erfkreis in Bergheim.

00:11:27: da ist jemand erschossen worden auf dem Parkplatz und unser Bauchgefühl hat damals gesagt Die Ehefrau mit ihrem neuen Freund, das passt schon.

00:11:36: Das könnte damit zusammenhängen.

00:11:38: Konnten wir aber nicht klären.

00:11:39: Also dann fehlen die Beweise?

00:11:40: Man hat so ein Bauchgefühl und denkt er war es... Genau!

00:11:43: ...und da sind dann wahrscheinlich noch schlimmer als keine.

00:11:46: Ja genau.

00:11:46: Keine Hinweise zu haben, man weiß, man glaubt zu wissen, wer's war.

00:11:50: Genau.

00:11:50: Aber das Bauch-Gefühl reicht ja nicht.

00:11:52: Man muss sich schon Ding festmachen und gerichtsfest.

00:11:55: Aus dem Fall, über den wir heute sprechen wurde kein Cold Case.

00:11:58: Aber das war weniger der Verdienst der Kölner Mordermittler sondern die Folge einer Verhaftung nach einem Mord im Ruhrgebiet genauer gesagt in Dorsten.

00:12:07: Sechs Wochen nach der Ermordung von Patrizia Wehenbergisch Gladbach war dort ein Mann im Flur eines Wohnhauses erschossen worden.

00:12:15: Hinweise aus dem Umfeld des Opfers führten die Ermittler dann zu einem Polizeibekannten, siebenundzwanzigjährigen zu Thomas L. Vorbestraft wegen Brandstiftung Körperverletzungen Volksverhetzung und illegale Waffenbesitz.

00:12:29: Er war für Brandanschläge auf eine türkische Familie Und auf ein Polizeirevier mit verantwortlich.

00:12:35: Ein waschechter Neonazi kann man sagen der sich Auf einem Foto im Kampfanzug mit Hitlergruß und Panzerfaust präsentierte.

00:12:44: Und der gestand dann bei ihren Kollegen in Recklinghausen nicht nur den Mord in Dorsten, er berichtete auch davon was in Bergisch-Slatbach geschehen ist dass er Patricia Wehe umgebracht habe.

00:12:57: Nicht nur das die Polizei hatte einen richtigen Serienmörder gefasst oder?

00:13:01: Ja das konnte vorher noch keiner ahnen dass es sich um ein Serientäter handelt.

00:13:06: also Festnahme von Thomas L. in Recklinghausen, die hatten natürlich zu einem Wendepunkt auch in unseren Erbindungen geführt.

00:13:13: klar aber der hat nicht sofort von dem Tötungsdelikt im Bergeschlagbach erzählt.

00:13:19: Wir hatten ja unsererseits den Mithäter festgenommen Der hier auch schon angefangen hat zu plaudern und dann ist das übereinandergekommen.

00:13:26: Das hat sich quasi zeitlich ziemlich auf zwei Schienen bewegt.

00:13:30: Der erzählt uns den Bergeschlagbach Der war's und wir haben dann festgestellt, der ist festgenommen in Drecklinghausen.

00:13:37: Und dann setzt man sich natürlich mit den anderen Mordkommissionen in Verbindung.

00:13:40: Genau das haben wir auch getan.

00:13:42: Nicht nur Thomas L hat ja von dem Tötungsdelikt erzählt im Meer geschlattet, sondern seine Freundin damals, die Bianca-Wiha

00:13:48: genauso.".

00:13:49: Da geht es noch um einen weiteren Fall über den wir jetzt noch nicht gesprochen haben.

00:13:53: Er will fünf Menschen getötet haben sagt er da im Verhöhe in Recklinghausen, weiß man eigentlich irgendwas darüber warum er so freimütig erzählt hat?

00:14:03: Er wird wegen eines Mordes festgenommen und gibt dann vier weitere zu oder sagt er hätte vier weitere begangen.

00:14:08: Also

00:14:09: reine Mutmaßung.

00:14:10: ich hatte ja den Mittäter vornommen und der sprach ja schon bei dem Delikt im Berge Schlatt nach davon dass der Thomas Elson starke Mann gerede.

00:14:18: Das hätte er so richtig drauf.

00:14:19: Ich vermute, man wollte einfach dick auftragen und sagen die drei haben da gefunden und die anderen zwei hier ja die sage ich euch jetzt auch noch weil sonst kommt er ja nicht selber darauf.

00:14:27: hätten sie ihn bekommen wenn er nicht alles gestanden hätte?

00:14:31: hätten Sie ihm das nachweisen können?

00:14:32: Hätten Sie den Mitwisser weich gekocht?

00:14:35: Da bin ich von überzeugt!

00:14:36: Ich habe den mitwisser mithäter selbst tagelang mit vernommen und der fing an zu gestehen

00:14:44: Und dann hättet ihr ihn verraten.

00:14:45: Thomas L glauben sich

00:14:46: Das ging relativ schnell, dass er den Namen genannt hat.

00:14:48: Deshalb ja auch die Kontaktaufnahme zum Recklinghausen.

00:14:53: Was hat er gesagt zur Motivation für diese schlimmen Taten?

00:14:57: Mit Welcher haben wir anfangen.

00:14:59: Gibt es mehrere?

00:15:00: Es waren ja drei!

00:15:02: Also die Patricia W., oder Patrizia, die hat er kennengelernt auf einem Bahnhof in Hagen wohl bei einem Umsteigevorgang und hat gesehen das sie einen Sticker auf der Kleidung getragen hat.

00:15:13: Nazis raus.

00:15:14: Dann hat er sich angesprochen, als Antifaschist auch ausgegeben und gesagt, das sehe ich genauso.

00:15:20: Und ich habe aber jetzt nicht viel Zeit, kannst du mir deine Adresse geben?

00:15:23: Wir können uns ja noch mal verabreden und uns

00:15:25: treffen.".

00:15:26: Ja!

00:15:27: Und offenbar der netten Eindruck gemachte und die Adresse bekommen.

00:15:30: Und dann ist er mit dem Marcel irgendwann hin und mit der Begründung – ja, das fällt mir jetzt ein – wir haben damals natürlich den Marcel M gefragt nach dem Motiv.

00:15:50: Was hat er zu den anderen Motiven gesagt?

00:15:52: Er bringt Götter der Mythologie ins Spiel.

00:16:12: des Verräters.

00:16:13: Er hat gesagt, das ist ein Spitzel und der muss weg.

00:16:15: Und wegen ihm hatte er ja auch schon mal ein paar Jahre im Knast gesessen.

00:16:19: was heißt wegen ihm ist er nicht ganz richtig sondern weil er ihn bedroht hat und dann wegen anderen Delikten verurteilt worden ist.

00:16:25: so ist er richtig.

00:16:26: und als er wieder rauskam hat er schon angefangen auf die Laternfehle und der Umgebung wo er gewohnt hat Plakate zu kleben Verräter und solche Dinge alle.

00:16:36: Und hat auch ganz befiede die Familie tatsächlich angerufen und gesagt, der kommt halt nicht nach Hause, dem irgendwas passiert, er ist tot.

00:16:44: Martin kam aber immer wieder nachhause und irgendwann stand er bei dem vor der Tür und hat dann diesen Tatbegang.

00:16:52: Und er erzählt dass er Stimmen hört?

00:16:55: Göttliche Stimmen.

00:16:56: Ja ich habe den selber nicht vernommen Ich hab den da kennengelernt in Rechlinghausen Aber nur kurz Das haben wir die Kollegen erzählt, der sitzt dann in der Vernehmung und die fragen den was.

00:17:06: Und er so, ich muss jetzt erstmal gerade fragen ob ich das sagen darf?

00:17:10: So war das ja!

00:17:12: Nee da oben kann ich jetzt nicht reden aber ich kann Ihnen etwas anderes erzählen.

00:17:16: So ging das.

00:17:17: hat er sich so ran getastet?

00:17:19: vielleicht weil es nicht wollte oder nicht konnte, kann ich nicht sagen Ja und am Ende waren's dann Odin und Loki, die germanischen Götter von denen er Aufträge erhalten haben

00:17:29: will.

00:17:29: Die germanische Götterwelt ist ja in vielen Nazi-Gruppierungen und Strömungen immer ein wichtiger Bezugspunkt gewesen, dass er ausgerechnet Odin und Loki hört – das ist wohl kein Zufall!

00:17:40: Die SS hat in der Nazizeit die germanischen nordische Göttarwelt als Gegenbild zum Christentum umgedeutet und in ihr rassistisches Weltbild integriert.

00:17:49: Da ist dann Ode nicht nur eine zentrale Gottheit aus der Mythologie, da geht es auch um crude Vorstellungen von Abstammung – das ist im Zusammenhang mit den Morden über die wir sprechen!

00:18:00: schwer zu verstehen.

00:18:01: Den ersten Mord hat Thomas L ein halbes Jahr vor dem Mord in Berges Schlatt begangen, in der Nähe von Altena im Sauerland war eine fünfundzwanzigjährige Frau ermordet worden.

00:18:12: auch diese Tat gesteht der Mann bei der Polizei in Recklinghausen.

00:18:17: Auch da hatte er jemand an seiner Seite mitgemacht und das war seine Lebensgefährtin.

00:18:22: Die beiden entführten eine gemeinsame Bekannte, fesselten und knäbelten sie.

00:18:27: Dann wurde die Frau mit dem Auto in einen Wald gebracht, mit einem Seil gewürgt und schließlich mit einem Spaten

00:18:34: erschlagen.".

00:18:36: Sie waren bei der Vernehmung der Freundin, der Mitarbeiterin dabei.

00:18:41: Sie schreiben in ihrem Buch dass sie das ihr ganzes Leben lang nicht vergessen werden.

00:18:44: Warum?

00:18:45: Das kann ich Ihnen sagen wenn wir heute darüber reden kriege schon wieder Gänsehaut.

00:18:49: Als wir nach Altenlage fahren sind, um die Wohnung zu durchsuchen und mal zu gucken finden wir eine Spurenlage.

00:18:55: Zu unserem Fall dann Spuren zur Sache.

00:18:58: in Dorsen sagt sie während der Fahrt so ganz können wir noch einen Abstecher machen zu den Fischstreichen hier bei mir in der Nähe wo ich wohne.

00:19:08: und wir so warum haben gedacht was will die denn jetzt?

00:19:11: Dann sagt es ja da liegt noch jemand.

00:19:14: Wir haben letztes Jahr jemand getötet und da im Wald vergraben.

00:19:19: Also völlig überraschend.

00:19:20: Völlig überraschen, da hat niemand mit gerechnet.

00:19:22: Klar man wusste Dagmar Ka ist nicht mehr da die wird vermisst.

00:19:26: aber dass die beiden damit zusammenhängen das hat ja keiner gewusst.

00:19:29: Das hat ihr auf der Fahrt nach Altena erzählt.

00:19:31: und dann sind wir da im Stock dunkeln Mit ihr durch den Wald gelaufen Und an irgendeiner Stelle hättest du gesagt Da müssen sie graben!

00:19:39: Da liegt sie.

00:19:40: Und das ist das was ich meine.

00:19:42: das werde ich niemals vergessen.

00:19:44: also Nee, das vergesse ich ganz sicher nicht.

00:19:47: Also in dem Moment war sie noch gar nicht als Mitheterin im Visier?

00:19:51: Richtig.

00:19:52: Das hat ja keiner gewusst, dass Dagmar K zusammen von Thomas L und Bianca W ermordet worden ist.

00:19:59: Was hat sie denn erzählt warum Sie mitgemacht hat?

00:20:02: Ja das ist so eine längere Geschichte zwischen den beiden.

00:20:07: Es lief ja nicht immer rund zwischen Thomas L & Bianca Und soweit ich mich erinnere war der damals auch noch verheiratet mit der Sharon Lee M. aus den USA, die war wieder weg weil sie sich gezockt hatten und er wurde zeitgleicher mit einem Vorführbefehl gesucht.

00:20:24: Er war zu einer Gerichtsverhandlung nicht erschienen.

00:20:26: Nebenbei bemerkt es ging weder auf einen Bedrohung zu dem späteren Opfer aus Dorsen da ist er nicht erschien und es gab ein Vorführ Befehl.

00:20:34: Und bei der Bianca hatte er Unterschlupf gefunden und wollte, die jetzt durch ein gemeinsames Menschenopfer so an sich bin und erpressbar machen, dass sie niemals sagt wo er sich auffällt.

00:20:43: Kann man sich kaum vorstellen?

00:20:44: Sie macht dann trotzdem mit?

00:20:46: Sie hat mitgemacht ja!

00:20:47: Sie hatte Angst vor ihm.

00:20:48: Sie hat auch damals gesagt das ihr auch ein paar Tage vorher noch ich zinte mal ein paar in die Fresse gehauen habt.

00:20:55: also die hatte wirklich auch Angst vor dem.

00:20:56: da war wohl Mann mit zwei Gesichtern konnte lieb sein aber auch ganz anders.

00:21:03: Opfer anruft und lockt.

00:21:06: Wer jetzt genau den Anruf gemacht hat, weiß ich heute gar nicht mehr.

00:21:10: Ich kann sogar sagen dass er die selber angerufen hat und gesagt hat ich brauche deine Hilfe.

00:21:14: und dann hat man sich getroffen, hat ihn nach Hause gelockt, dann hatte ja auch versucht die zu vergewaltigen.

00:21:20: das hat hier auch nicht funktioniert und da wurde sie entkleidet und gefesselt im Kofferraum da rübergefahren.

00:21:27: Man kann sich das kaum vorstellen.

00:21:28: Also man tötet gemeinsam oder zwingt jemanden zu so einer Tat, um ihn dann dadurch an sich zu binden?

00:21:35: Das ist Wahnsinn!

00:21:36: Ja also als sie dann angekommen sind an den Fischsteichen hat Thomas L und Bianca W zeitgleich an beiden Enden von einem Seil gezogen die gedrosselt und als er bewusstlos war, hat er noch den Klappspaten genommen und mit diesem Klappspartner auf deren Schädel eingeschlagen.

00:21:52: Die Leiche, die im Wald gefunden wurde wird ausgegraben und obduktiert.

00:21:57: Dann gibt es noch mal ein erschreckendes Ergebnis.

00:21:59: Das ist ein Grund, warum ich so etwas nie vergessen werde.

00:22:02: Neben dem müssen sie graben, habe ich hinterher erfahren, dass sie ins Erdloch verschart worden sein soll als sie noch gelebt hat.

00:22:08: Das haben die Rechtsmediziner festgestellt.

00:22:10: Alles ist kaum fassbar.

00:22:12: Es zeugt von einer erschreckenden Grausamkeit und Kaltblütigkeit.

00:22:17: harter Stoff heute.

00:22:19: Damit wir den Überblick nicht verlieren, noch mal die zeitliche Abfolge der Taten, die ja nicht dem Zeitablauf bei der Polizei entspricht.

00:22:27: Den ersten Mord begeht Thomas L zusammen mit seiner Lebensgefährtin Bianca im Juli, in Altenaar.

00:22:36: Das Motiv ist unklar.

00:22:38: es scheint tatsächlich reine Mordlust gewesen zu sein.

00:22:41: Es gibt ein Hinweis dass er in einem Verhör gesagt haben soll das ihn der Film Natural Born Killers angeregt habe.

00:22:48: Rund ein halbes Jahr später, im Februar, wird dann Patrizia Weh in ihrer Wohnung in Berges Gladbach ermordet und sechs Wochen später wird in Dorsden einen sechsenzwanzigjährigen Erschossen was schließlich zur Verhaftung von Thomas L führte.

00:23:05: Bei seiner Vernehmung hat der Täter ja nicht nur diese drei Morde gestanden.

00:23:09: er sagte dass er Fünf Menschen getötet habe.

00:23:12: Also was ist aus den beiden anderen Morden, mutmaßlichen Morden geworden?

00:23:18: Darunter war ein Fall wo er sagte er habe einen Mann mit dunkler Hautfarbe Getötet dem sei er zufällig in Duisburg am Rhein begegnet.

00:23:27: Er habe ihn erschossen weil er immer mal einen Schwarzen töten wollte.

00:23:31: so hat er das ausgesagt.

00:23:32: Die Leiche haben er dann in den Reihen geworfen.

00:23:35: später vor Gericht ging es nur um die erwähnten drei Mordfälle.

00:23:40: Was ist denn aus diesem Mord in Duisburg geworden und was ist aus der mutmaßlich fünften Tat geworden?

00:23:45: Es gab schlichtweg keine weiteren Opfer, die man eben zurechnen konnte.

00:23:50: Es wurden beispielsweise damals alle Wasserleichen überprüft, die in Holland und Deutschland hier aus dem Rheingeborgen wurden.

00:23:59: um zu gucken hat das vielleicht irgendwelche Verletzungen?

00:24:02: diese Schussverletzung gab es aber niemanden.

00:24:05: Es wurde auch niemand weiteres vermisst von seiner Freundesliste, die leben alle.

00:24:10: also da fehlte auch niemand.

00:24:12: insofern und irgendwann ist er davon abgerückt.

00:24:14: und so nach dem Motto habe ich ja gar nicht gemacht wann nur die drei

00:24:18: erfunden

00:24:19: erfunden hatte auch selber gesagt später hat aber ein bisschen gedauert bis er das gesagt hat

00:24:24: Der Täter ist ja ganz offensichtlich ein Neonazi.

00:24:27: Also man hat da ganz viele Hinweise für es.

00:24:29: schon als Jugendlicher in der Szene aktiv, mit siebzehn ist er da ein Anführer einer Neonazigengen und er nennt sich selbst einen unverbesserlichen Nationalsozialisten.

00:24:40: Er war Mitglied in einer rechtsradikalen Partei.

00:24:42: In seiner Wohnung soll die Polizeilisten mit Namen von politischen Gegnern gefunden haben, die man durchaus also Mordlisten interpretieren kann.

00:24:53: seine Taten mit seiner Gesinnung.

00:24:55: Sie haben es im Fall von Patricia gesagt, Linke haben kein Recht zu leben.

00:24:59: Da ist das eigentlich ganz offensichtlich.

00:25:01: und trotzdem als es dann zur Anklage kommt, blendet die Staatsanwaltschaft das völlig aus.

00:25:07: Das haben viele nicht verstanden.

00:25:09: wie haben sie das damals gesehen?

00:25:11: Ich weiß gar nicht ob ich jemals die Anklageschrift gelesen habe.

00:25:15: Ich würde mal sagen hab ich nicht.

00:25:17: und selbst wenn ich gelesen hätte Ich hätte wahrscheinlich noch nicht mal was dazu gesagt.

00:25:23: Das ist einfach gar nicht mehr mein Ding dann, aber ich kann hier nur spekulieren.

00:25:27: Ich weiß es nicht!

00:25:28: Ich habe die Anklageschrift ganz sicher nicht gelesen.

00:25:31: Aber wenn Sie das so berichten und sagen, der hat Ihrem Bahnhof kennengelernt.

00:25:35: Die hatte ein Sticker an, er täuscht sie und sagt hinterher nach der Tat Linke haben kein Recht zu leben dann ist das doch eigentlich eine klare politische Motivation oder?

00:25:44: Ja das ist seine.

00:25:45: aber ob das dann hinterher auch so erfasst wurde und dann so weitergetragen wurden ich kann es Ihnen nicht sagen...

00:25:49: Also machen sich als Polizist gar keine

00:25:51: große Lange.

00:25:52: Ich bin dazu da ja die Tat aufzuklären und das ist passiert.

00:25:56: was dahinter die Justiize ausmacht habe ich ja gar keine Karten drin Und die erfasst, ob...die das so erfasst haben oder nicht?

00:26:03: Offenbar ja nicht.

00:26:04: Was hätte es denn für eine andere Motivation geben können?

00:26:07: Der hat ja verschiedene Motivationslagen gehabt Leute umzubringen also die zwei die er getötet hat.

00:26:13: Ob dass jetzt tatsächlich nie hier war bei Patrizia wo er das später auch dem Marcel gesagt hat Das weiß ich ja nicht.

00:26:19: Also die Staatsanwaltschaft spricht von einem sexuellen Trieb als Motiv.

00:26:23: War das oder ist das für sie nachvollziehbar?

00:26:26: Also insofern nachvollziehbar?

00:26:28: schon, weil er hat ja Dagmar K. versucht zu vergewaltigen, Patrizia W., da hat das gemacht und bei Martin K. klar, da gab es ja kein sexuelles Motiv.

00:26:38: sofern kann das ja schon sein.

00:26:39: also ich würde jetzt nicht ausschließen wollen.

00:26:42: Der Prozess beginnt im Februar in Essen.

00:26:46: angeklagt sind neben Thomas L seine Lebensgefährtin die beim ersten Mord dabei war mit der sie im Auto gesessen haben und der Mann, der in Bergisch-Slatbach geholfen hat.

00:26:57: Wenn Sie sagen ich habe die Anklageschrift nicht gelesen durch die Frage fast überflüssig ob sie mal beim Prozess waren, sind Sie nicht gewinnen?

00:27:05: Also ich war ja nicht vorgeladen als Zeuge und ich gehe dann auch nicht hin.

00:27:10: also ich gehe nicht einfach als Prozess beobacht.

00:27:12: man sagt jetzt gucke ich mir mal wie die Sache hier ausgeht.

00:27:14: das ist ja auch gar nicht so mein Ding.

00:27:16: Also will man das nicht wissen als Polizist, was wird?

00:27:19: Natürlich interessiert mich das schon.

00:27:21: Aber das erfahre ich ja später aus der Zeitung oder aus dem Radio oder einer erzählt es bei der Frühbesprechung.

00:27:28: Ich habe ja schon wieder wahrscheinlich mit so gewesen sein.

00:27:31: den nächsten Fall, den ich versuche zu klären Da halte ich mich ja nicht damit auf.

00:27:36: Ist das ein Grundsätzlich Phänomen oder ist das ein Bernhard Hatterscheid Phänomene?

00:27:39: Sehen die Kollegen das auch so?

00:27:41: Ich kann das jetzt nicht für andere sagen aber Ich glaube nicht, dass meine Kollegen darauf aussehen zu gucken.

00:27:48: Aber was kriegt ihr denn für eine Strafe?

00:27:49: Und mal gucken, ob wir nicht noch jährliche mehr rausholen ist da gar nicht unsere Baustelle.

00:27:53: Aber oft hört man ja von Ärger bei Polizisten die dann finden das Urteile zum Mädel sind oder ... Ach da!

00:28:00: ... wird der Arbeit ins leere Gelaufen ist oder so.

00:28:03: Ich sag mal so vor ewigen Zeiten hätte ich vielleicht gesagt Ja, da stimme ich jetzt absolut zu aber da bin ich schon lange vorm Weg.

00:28:12: Das ist Sache der Juristen und nicht meine.

00:28:15: Also da habe ich wirklich eine klare Linie, und ich ärger mich auch nicht darüber.

00:28:19: Eine sehr professionelle Einstellung?

00:28:21: Ja die muss man irgendwo auch haben weil sonst ärgert man sich ja vielleicht tatsächlich wirklich und kriegt noch einen Mahngeschwer oder keine Ahnung.

00:28:28: Also bis in Distanz hilft dann auch

00:28:30: immer.

00:28:30: das habe ich auch mit meiner Arbeit.

00:28:32: Es war in jedem Fall ein ungewöhnlicher Prozess, damals in Essen.

00:28:35: Es gibt Berichte die davon sprechen dass die Hälfte der Zuschauerplätze mit Rechtsextremen besetzt waren sie sich klar als solche zu erkennen haben.

00:28:44: das Gericht hat dagegen nichts unternommen.

00:28:47: manchem Zeugen soll die starke Präsenz der Szene Angst gemacht haben.

00:28:52: Ein Thema im Prozess ist die Schuldfähigkeit von Thomas L. Wie soll man umgehen mit den Stimmen, die der Angeklagte glaubt zu hören?

00:29:02: Sein Verteidiger hält ihn nicht für voll schuldfähig.

00:29:05: wenn man dem angeklagten Geschichte von den dämonischen Kräften, die ihm Aufträge erteilt hätten also von Odin und Loki abnimmt Könnte man ihm vielleicht bei Pflichten, Staatsanwalt und Richter sehen das anders.

00:29:18: Sie halten Thomas Elf für voll schuldfähig.

00:29:22: Im März, nineteenhundert siebenundneunzig fällt dann das Urteil lebenslänglich- und Sicherungsverwahrung für den Hauptangeklagten sechs Jahre für die Freundin und fünf Jahre für den Mittäter von Berges Klappbach.

00:29:35: Wie haben Sie das Urteil aufgenommen, auch wenn sie sich für den Prozess wenig interessiert haben?

00:29:40: Das Urteil muss sie interessiert werden.

00:29:41: Was

00:29:41: heißt wenig interessieren ist ja nicht ganz richtig.

00:29:43: natürlich interessiert mich wie so ein Fall ausgeht.

00:29:46: man hat man schon mal jemanden der drei Leute getötet hat.

00:29:48: ist da klar dass man das wissen will?

00:29:50: Ja also für ihn fand ich es jetzt absolut passend auch das mit der Sicherheitsverwahrung und soweit mir bekannt ist er heute noch inhaftiert Und die anderen beiden haben ja offenbar dem Gericht glaubhaft gemacht wie ihre Beteiligung an den Taten war und haben diese Urteile bekommen.

00:30:08: Der Fall hat Folgen, er hat ein Nachspiel eigentlich sogar mehrere.

00:30:12: zunächst mal für sie ganz persönlich Sie sagen und schreiben in ihrem Buch dass das für sie ein ganz einschneidendes Erlebnis gewesen ist.

00:30:19: dieser Fall warum?

00:30:21: Ja das war für mich so nochmal eine Bestätigung die ich ja im Streifendienst schon hatte.

00:30:25: Ich möchte zur Mordkommission und dafür, dass wenn ich hier einen Serienkiller mit aufklären konnte – also ein Fall mit einem Serienkeller – vielleicht kann ich noch viele andere Weiterfälle aufklernen?

00:30:34: Und da war für mich klar, ich bin hier richtig!

00:30:36: Also ich will tatsächlich zur

00:30:37: Mordskommission.".

00:30:38: Wie viele Jahre haben Sie das dann

00:30:39: gemacht?".

00:30:41: Noch gar nicht so lange wie viele andere.

00:30:43: Bei sieben Jahren war bei mir dann Schluss.

00:30:45: Das lag aber nicht daran, dass ich keine Lust mehr hatte sondern, dass sich Vater geworden bin und ich wollte mein Kind auch mal sehen.

00:30:52: Die Arbeitszeiten waren jetzt nicht mehr so ganz passend.

00:30:55: Es gibt eine Frage, die ich hier bei True Crime Köln immer wieder stelle wenn Polizisten im Studio sind... Wenn man mit so viel Leid und Elend konfrontiert ist in Beruf jeden Tag aufs Neue und dazu dann auch noch die Frusterlebnisse, wenn man eben einen Fall nicht aufklären kann oder nicht ausreichend aufklären kann was tut man um nicht krank zu werden?

00:31:14: Oder zum Zyniker zu werden?

00:31:15: wie hält man das aus?

00:31:16: also Ich bin da an die Sachen immer mit Abstand dran gegangen.

00:31:19: Das mache ich auch heute noch, ich nehme das überhaupt nicht persönlich.

00:31:23: und damals bei den ganzen leichen Sachen Suiziden alles was ich Schlimmes gesehen habe gehe ich mit zum Weg dran.

00:31:32: Ich kann den Schalter im Kopf umlegen und sagen Was ist hier passiert?

00:31:35: Und ich HUR!

00:31:37: Wie viel sieht das denn hier aus?

00:31:38: Und es stinkt ja gerade ganz schlimm.

00:31:40: Das blende ich aus.

00:31:41: Mir geht's nur um die Sache.

00:31:43: Das klingt jetzt professionell aber anders kann man da nicht dran gehen.

00:31:47: Aber zur Sache gehört dir auch die Erkenntnis zu, was Menschen fähig sind.

00:31:51: Auf jeden Fall!

00:31:52: Also mal lernt schon menschliche Abgründe kennen und sagt ja das kann doch jetzt nicht wirklich passiert sein aber doch es ist passiert.

00:31:59: und ob ich mich verändert habe dadurch da müssten sie jetzt meine Kinder fragen eine Frau fragen Ich persönlich denke ich hab mich nicht verändert.

00:32:08: kleines Beispiel dazu wenn ich ein Sterbefall in der Familie habe oder im Freundeskreis bin ich genauso trauernder Mensch wie jeder andere auch.

00:32:18: Das wirft mich genauso aus der Bahn wie jeden.

00:32:20: Und verzweifelt, man könnte ja auch eine Menschheit verzweifen?

00:32:25: Das habe ich nie!

00:32:29: Den Gedanken hatte ich nicht... Man sagt immer die Welt ist schlecht aber naja Teile davon, aber nicht alles.

00:32:36: Ein weiteres Nachspiel hat der Fall auf politischer Ebene.

00:32:39: im Jahr über zehn Jahre nach der Tat wird der Mord an Patricia Weh vom Bundeskriminalamt als politisch motivierte Straftat eines Rechtsextremisten anerkannt.

00:32:51: Damit verbindet sich natürlich eine deutliche Kritik am Essener Landgericht, dass eben diese politische Motivation völlig ausgeblendet hat.

00:32:58: Wir haben hier bei Two Cram Köln eine Folge über den dreifach Mord von Oberrad gemacht – ein brutaler Mord in einer Rechtsanwaltskanzlei.

00:33:07: Da war das ähnlich und da ist es dann das Land gewesen, dass Jahre nach der Tat eine neue Bewertung durchsetzte.

00:33:12: auch da hatten wir es mit einem morden Rechtsextremisten zu tun.

00:33:17: Auch da hat das Gericht, eine politische verneint.

00:33:22: Wie sehen Sie diese Entwicklung?

00:33:23: Hat man dazu gelernt, wenn man Jahre später sagt da ist was falsch gemacht worden oder kann man es auch umkehren und sagen vielleicht machen wir uns heute zu leicht?

00:33:34: Das ist aber eine große Frage!

00:33:37: Ich versuche die jetzt mal zu beantworten ohne dass ich mich verzettle oder irgendeinem schwarzen Beta zuschiebe, das ja schnell passieren kann... Im Grunde ist es ja so, dass sich nicht die Taten selbst verändert haben.

00:33:48: Sondern die Erfassungskriterien im Laufe der Zeit und auch die gesellschaftliche Sensibilität hat sich verändert.

00:33:56: Das ist heute eine andere.

00:33:58: Wenn das heute so gesehen wird muss es ja nicht sein, dass das vor dem Jahrzehnt war.

00:34:02: und zu dieser Zeit jetzt wenn wir auf unseren Fall den Heute besprechen zurückkommen kann man das nicht unbedingt vergleichen mit den Erfassungskriterien heute?

00:34:13: Also warum Das Landgericht Essen, das so gemacht hat, kann ich nicht sagen.

00:34:17: Ich war ja nie da, ob die es sich zu leicht gemacht haben.

00:34:20: Kann ich überhaupt nicht sagen und noch nicht beurteilen?

00:34:24: Und selbst wenn wir als Polizei das so einstufen muss es ja nicht heißen dass die Juristen das genauso sehen.

00:34:30: Es gibt immer diesen Vorwurf, dass Ermittlungsbehörden egal ob bei Justiz oder Polizei, wenn's darauf ankommt auch schon mal auf dem rechten Auge blind sind.

00:34:38: Also für mich kann ich das mit... Völligem Nein beantworten.

00:34:42: Ich bin darauf nicht blind, ich bearbeite auch heute Delikte wo das mit Unterschummal vorkommt und ich gehe der Sache nach, dass hätte ich auch damals genauso getan.

00:34:52: Was machen Sie heute?

00:34:53: Ich bearbeitte heute Amstträgerdelikte und auch Rechtsanwaltsverfahren also alle die an öffentliches Amt begleiten und angezeigt werden.

00:35:03: Da kann es sein, dass das bei mir auf dem Tisch landet und ich das bearbeiten muss.

00:35:06: Amtszeiger, das muss man vielleicht nochmal kurz erklären.

00:35:09: Das sind Menschen im öffentlichen Dienst, da geht's nicht nur um Verwaltungsmitarbeiter, sondern auch um die Polizei.

00:35:16: In Berges Schlabbach hat siebenundzwanzig Jahre nach der Tat eine Initiative engagierter Bürgerinnen und Bürger durchgesetzt, dass eine Gedenktafel für Patricia Weh als Opfer rechter Gewalt aufgestellt wurde.

00:35:30: Ein QR-Code führt zu Informationen zum Mordfall.

00:35:34: darunter steht auf der Tafel kein Einzelfall, kein Vergessen, keinen

00:35:40: Wegschauen.".

00:35:41: Ich finde das ganz große Klasse, dass es nicht vergessen wird!

00:35:45: Das stehe ich voll dahinter.

00:35:46: Also, ich erzähle über diesen Fall tatsächlich auf einer meiner True Crime Dinner Shows eben auch aus dem Grund nicht weil... Schaut mal her was ich hier tolles präsentieren kann sondern diese Tat darf nicht vergessen sein und deswegen erzähle ich die.

00:35:59: Ich könnte ja jede andere Tat erzählen aber die habe ich extra reingenommen in meine Show damit das immer wieder auf den Tisch kommt.

00:36:06: Und

00:36:07: warum?

00:36:07: Warum ist es in diesem Fall so wichtig für Sie?

00:36:10: Weil's mein allererster Fall war tatsächlich Weil es ein Serientäter war und weil in meinem Fall hat, ja ich bin auch der Meinung das Linker haben kein Recht zu leben.

00:36:18: Das kann man den Leuten ruhig mal sagen, was da passiert ist.

00:36:21: Mit einer anderen Idee scheiterte die Gruppe mit dem etwas sperrigen Titel Erinnerungspolitische Initiative Berge Stadtbach.

00:36:29: Sie wollte das ein zentraler Platz in Beensberg nach Patrizia benannt wird.

00:36:34: sie wollte den Hindenburgplatz umbenennen.

00:36:36: denen gibt es tatsächlich immer noch in Köln's Nachbarstadt.

00:36:40: der Mann der als Reichspräsident Hitler zum Kanzler machte und schon in den Jahren zuvor alles dafür tat Republik in einen autoritären Staat zu verwandeln, ist immer noch der Namensgeber eines Platzes in Berges Gladbach.

00:36:56: Spätestens an dieser Stelle wird es sehr seltsam, dass wir in dieser Folge den Namen des Opfers immer abgekürzt haben.

00:37:03: Natürlich steht der volle Name auf der Stähle und natürlich würde er auch auf einem Straßenschild stehen wenn sich die Initiative durchgesetzt hätte.

00:37:13: Wir haben uns vor der Aufzeichnung der Folge auf die Abkürzung des Namens geeinigt weil Bernhard Hatterscheid ihn als Polizisten nicht nennen darf.

00:37:22: das hat ihm die Staatsanwaltschaft untersagt ich.

00:37:25: Ich verstehe es nicht so ganz, aber ich finde dass man den Mordopfern erst recht denen die aus politischen Gründen sterben musste.

00:37:34: Nicht den Namen nehmen darf um sie angemessen zu würdigen.

00:37:38: Patrizia W heißt Patricia Wright.

00:37:42: Herzlichen Dank.

00:37:43: Bernhard Hatta Scheidt.

00:37:44: True Crime am Rhein heisst sein aktuelles Buch.

00:37:47: wer ihn mal bei einer Crime-Dinner Show erleben will sei auf seine Seite im Netz verwiesen.

00:37:54: truecrime-dinnershow.de ist die Adresse und wenn Sie mir was erzählen wollen, können sie mir schreiben.

00:38:01: Zögern Sie nicht!

00:38:02: Kritik, Vorschläge, Anregungen – alles ist erwünscht.

00:38:06: Haben Sie Vorschlage?

00:38:08: Hinweise, Kritik und Ideen?

00:38:10: Dann schreiben Sie uns.

00:38:12: truecrimes at kstarmedien.de Ist unsere Adresse.

00:38:17: truecrimsatkstarmedia.de.

00:38:21: Das war's für heute.

00:38:22: Bleiben Sie wachsam Aber bitte auch gelassen.

00:38:36: Tschö!

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