Bestrafung als Massenspektakel: Die Entführung des Bäckermeisters Ecks
Shownotes
Die Einladung zum Feierabendbier in einer Kneipe war eine Falle: Arglos folgte der Kölner Bäckermeister dem fremden Mann in die Machabäerstraße im Kunibertsviertel. Dort wurde er niedergeschlagen, gefesselt und mit einer Karre in ein Versteck gebracht. In einem feuchten Keller hatten die Entführer für ihn einen Käfig aus Weidenästen gebaut. Sie wollten von seiner Ehefrau ein hohes Lösegeld erpressen. Doch der Plan ging nicht auf. Gerichtsdiener – damals gab es noch keine Polizei – konnten das Versteck ausfindig machen und den Bäcker befreien. Ein Tuchhändler, dem das Haus gehörte, und sein Gehilfe, der das Opfer als Lockvogel angesprochen hatte, wurden festgenommen.
Die neue Folge der Podcastreihe des „Kölner Stadt-Anzeiger“, „True Crime Köln“, widmet sich einem besonderen Kölner Kriminalfall. Schon 1588 sorgte er für viel Aufsehen: Im Gegensatz zum Kölner Umland, wo man jederzeit mit Überfällen durch Räuberbanden rechnen musste, galt das Leben innerhalb der Stadtmauern als sicher. Folglich sorgte der Entführungsfall eines angesehenen Handwerkers nicht nur für einen Schock. Er veranlasste die Verantwortlichen in der Stadt auch dazu, eine extrem harte Strafe zu verhängen. Obwohl niemand gestorben oder verletzt worden war und die beiden Männer gar nicht die Drahtzieher des Verbrechens waren, wurden sie zum Tode verurteilt und vor der öffentlichen Vollstreckung des Urteils gefoltert. Tausende sollen dabei zugeschaut haben. Die Hinrichtung war ein Massenspektakel. Zu Gast im Studio ist der Autor und ehemalige Richter Norbert Klein. Das in der Folge erwähnte Buch heißt: „Morde,Esel, KVB“ und ist über verschiedene Anbieter im Netz bestellbar.
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Transkript anzeigen
00:00:01: True Crime Keilen, der Podcast des Kölner Stadtanzeiger.
00:00:06: Über wahre Verbrechen, spannende Geschichten und spektakuläre Fälle.
00:00:13: Tausende haben sich auf dem Rabenstein eingefunden.
00:00:16: Sie wollen dabei sein wenn Peter Wilz und Hermann Glehn von Lüttich
00:00:20: sterben?
00:00:22: Die Männer sind auf Räder gebunden.
00:00:24: Der Henker wird ihnen mit einem großen Schwert den Kopf abschlagen.
00:00:28: Das Gericht hat keine Gnade walten lassen.
00:00:32: Das Räuber banden im Umland, ihr Unwesen trieben, ließ sich nicht verhindern.
00:00:36: Aber dass diese beiden Männer es gewagt hatten Angst und Schrecken innerhalb der Stadtbauern zu verbreiten das war nicht hinzunehmen.
00:00:44: Im Jahr fifteenhundert
00:00:45: achtundachtzig
00:00:46: war ein angesehener Mann entführt worden Und fast alle hatten es mitbekommen auch weil man die Kölner Bürger dazu aufgerufen hatte sich eine Suche nach dem Entführungsopfer und den Entführern zu beteiligen.
00:00:59: Peter Wils und Hermann Glähen von Lüttich hatten auf das große Geld gehofft, als sie ihrem Opfer auflauerten.
00:01:06: Doch daraus wurde nichts.
00:01:10: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von True Crime Köln der Podcast-Reihe des Kölner Stadtanzeiger über wahre Verbrechen aus Kölnen und der Region!
00:01:19: Wir reisen dieses Mal zurück ins sechzehnte Jahrhundert.
00:01:22: Das ist lange her und doch dieser alte Kriminalfall Beziehungsweise der Umgang mit der Tat hat einen ungeplanten aktuellen Bezug.
00:01:31: Die Hinrichtung eines Straftaters als öffentliches Spektakel auch zur Abschreckung, das hatte die amerikanische Regierung für Anfang Dezember geplant.
00:01:41: Ein ehemaliger Militärarzt
00:01:43: der US Army soll von einem Erschießungskommando hingerichtet werden.
00:01:47: er hatte bei einem Amoklauf dreizehn Menschen auf einem US-Militärstützpunkt ermordet.
00:01:53: Seine Exekution sollte per Livestream im Internet übertragen werden.
00:01:58: Die Kritiker sprachen von einem Rückfall ins Mittelalter.
00:02:02: Auch da hatte man öffentliche Hinrichtungen mit dem
00:02:05: mutmaßlichen
00:02:05: Abschreckungseffekt begründet, tatsächlich wurden sie zu einem Massenspektakel – eine Attraktion wie bei einem Volksfest wie einer Kirmes!
00:02:15: Der US-Präsident hat den LivestREAM nach heftigem Gegenwind unter anderem von seinem Vizewans abgesagt.
00:02:23: Der Attentäter wird wohl wie geplant durch ein Erschießungskommando getötet.
00:02:27: Es wird aber keine Live-Übertragung
00:02:30: geben.".
00:02:31: Dass es in den USA überhaupt so weit kommen konnte, ist erschreckend!
00:02:35: Wenn man von Bestrafungen wie Mittelalter spricht, meint man in der Regel islamistische Länder – nun war die USA nur einen kleinen Schritt davon entfernt Ähnliches zu tun.
00:02:46: Zum Glück gibt's ja aktuell auch wieder viele hoffnungsmachende Nachrichten aus Amerika.
00:02:50: das kann in einem True Crime Format sagen.
00:02:54: Bei so vielen schlechten Nachrichten, die uns das Leben schwer machen muss man auch noch mal betonen es muss nicht jeder Tag schlechter werden als der davor ist kann auch wieder besser werden.
00:03:06: Wir sprechen über einen Fall der im sechzehn Jahrhundert für öffentliches Aufsehen sorgte und mit einer brutalen öffentliche Hinrichtung endete.
00:03:14: Zeitungsartikel die wir zitieren könnten gibt es nicht aus dieser zeit auch wenn man da schon wusste wie man Bücher drückt aber Zeitungen, die regelmäßig als Druckerzeugnis erscheinen gibt es erst seit dem Beginn des siebzehnten Jahrhunderts.
00:03:28: Was wir aber stattdessen haben ist eine Art Flugblatt das von der Hinrichtung von zwei überführten Kriminellen berichtet.
00:03:35: Urteil und Gericht über zwei gefangene Übeltäter geschehen zu Köln im Oktober.
00:03:41: fifteen hundert achtund achtzig so übersetzte ich mal die Überschrift, die da in altertümlichem Deutsch auf dem Blatt steht.
00:03:49: Berichtet wird auf recht ungewöhnliche Art.
00:03:52: Zum einen zeigt das Flugblatt großformatisch, wie vor viel Publikum
00:03:56: die Todesstrafe
00:03:57: vollzogen wird.
00:03:59: Da hat einer sehr liebevoll, sehr gruselige Dinge gezeichnet.
00:04:03: zum anderen wird in Reimform erzählt warum die beiden Männer sterben müssen.
00:04:07: Das sind ziemlich schlecht gereimte Knittelverse kann man sagen.
00:04:12: über die Hinrichtung kann man da zb lesen Ihr Leib zerrissen Wurt mit Weh, durch glühend Zange und dann Mäh beim Galgen auf dem Rabenstein lebend zerstückt mit großer Pein.
00:04:26: Die Hinrichtung als Massenspektakel – wenn die Schätzungen stimmen dass rund acht tausend Leute bei so einer Hinrichting dabei waren wäre das fast ein Fünftel der gesamten damaligen Kölner Stadtbevölkerung!
00:04:39: Die Leute schauten sich an wie vor den Stadttoren Kölns grausamste Strafen vollstreckt wurden und das auch dann, wenn die Verbrechen, die bestraft wurden gar nicht so grausamen waren.
00:04:51: Zumindest aus heutiger Sicht denn wir werden einmal mehr bei True Crime Köln sehen dass was Menschen richtig oder falsch finden verändert sich im Laufe der Zeit immer wieder und damit auch die Vorstellung von Recht und Gerechtigkeit.
00:05:05: Darüber sprechen wir
00:05:06: mit einem Mann,
00:05:07: der selbst recht gesprochen hat.
00:05:08: Das hat er getan am Kölner Finanzgericht.
00:05:11: Norbert Klein ist ein Gast bei Trugheim Köln den ich immer wieder gerne begrüße.
00:05:16: Wir haben schon manch spektakulären Fall aus der Kölners Gerichts- und Kriminalgeschichte zusammen erzählt.
00:05:21: Solche Geschichten sammelt Norbert klein und macht daraus Bücher die er selbst verlegt.
00:05:27: Den Fall über den wir heute sprechen habe ich in seinem Buch Morde-Esel KVB entdeckt.
00:05:33: Bevor wir uns mit dem Vergehen der beiden Männer, die zum Tode verurteilt wurden beschäftigen müssen, wir uns ein wenig in das Leben, in der Stadt und in der frühen Neuzeit hineindenken.
00:05:43: Herr Klein, was muss man wissen über das Leben in Köln im späten sechzehnten Jahrhundert?
00:05:47: Man muss wissen, Kölnen war immer noch eine florierende Handelsstadt war gemessen an anderen Städten sicherlich reich.
00:06:01: Das lag einmal am Rhein, ne?
00:06:04: Bekannter Verkehrsweg.
00:06:06: da ließen sich Waren leicht und kostengünstig transportieren.
00:06:11: dann gab es ja noch das Stauberecht für Gönn Und auch in der Ostwestrichtung Da liefen die Handelsstraße über Gönne was sehr zum Nutzen und Formeln von Gönnen war aber zum Nutzen und Frommen hauptsächlich von bestimmten Körner-Familien, die es dann geschafft hatten ihre Privilegien ja zu versteinern muss man fast sagen weil ein gesellschaftlicher Bando der fand nicht statt.
00:06:46: Die Handwerker die waren in ihren Gaffeln organisiert war auch vergrößtete Struktur die es abgeschafft wurde, als Napoleon meinte, dann wären wir doch eigentlich französisch.
00:07:03: Und die kamen also zu Recht.
00:07:06: die Handwerker und Fuhrleute ganz unten.
00:07:09: und das ist eigentlich ich sage mal bis heute so... Ganz unter war eine überproportionale Anzahl von Bedürftigen und Bettlern.
00:07:22: Die belagerten Sonntags die Kirchen um da ein paar Kupfermünzen zu bekommen, uns damit ihr Leben zu bestreiten.
00:07:36: Die Privilegien sind versteinert worden aber man sagt ja so im Blick zurück eigentlich ist Köln insgesamt wie versteinat stehen geblieben.
00:07:43: also das Mittelalter vorbei und in ganz Europa brechen Dinge auf.
00:07:48: es nicht nur die Entdeckung Amerikas gibt die Reformation der Buchdruck ist erfunden worden.
00:07:54: Heute sagen wir, ist der Beginn der Neuzeit.
00:07:56: Aber Köln verharrt noch weitere Jahrhunderte eigentlich in dieser mittelalterlichen Struktur und bricht eben nicht aus und es gibt keine Neuerungen.
00:08:04: Und
00:08:04: jetzt kommt der zweite Punkt dieser vergrosseten Strukturen.
00:08:09: Kern hat sich gegen die Reformation unter sehr erfolgreich mit Händen um Füßen gewährt darin abzulesen dass Protestanten eigentlich kein Wohnrecht in Kern hatten Also Juden sowieso nicht, da war man noch knüppelacht.
00:08:26: Aber Protestanten auch nicht eigentlich!
00:08:29: Man war großzügig wenn protestanten kamen zum Beispiel von den Niederlanden als Flüchtlinge die gut ausgebildet waren und die handwerklich geschickt waren, die konnte man gebrauchen.
00:08:41: Da sagt man okay aber Juden nicht.
00:08:46: also der Gipfel ist für mich immer noch gute.
00:08:51: Mediziner waren jüdlich.
00:08:53: Die durften aber nicht in der Stadt wohnen, aber man brauchte sie ja.
00:08:59: Darum wurden sie gerufen.
00:09:01: die mussten am Stadttor eine kostenpflichtigen Passierschein lösen, die Patienten behandeln und bei Sonnenuntergang mussten die wieder raus nach Deutsch oder wo sonst?
00:09:14: Das ist dann auch ein Beispiel für Verkrustung, die die katholische Kirche, die gerade ja ihren Kern so stark war durchgesetzt hat.
00:09:28: Sinnbild für diese Verkrüstung ist übrigens die Stadtmauer.
00:09:32: Also die schotteten sich gegen alles ab was davon außen kam und die Stadtmauder wurde erst niedergelegt als man Platz braucht im Zuge der Industrialisierung.
00:09:46: Das ist so ein Punkt.
00:09:50: Auch kann man die Verkrustung ansehen oder den Stilstand am Körner Dom, im sechzehnten Jahrhundert stand er schon der Bau jahrhunderte lang still und kein Mensch dachte daran den zu vollenden.
00:10:06: das war ebenso genau wie der Dreck in Körn der bis heute auch Tradition ist wie dass der Herr Schätzing so schön formuliert hat.
00:10:16: Aber da muss man natürlich sagen, der Dreck von heute ist kein Vergleich zum Dreck vom damals.
00:10:21: Also wenn wir über das Leben in der Stadt sprechen dann müssen wir uns schon eine sehr schmutzige stinkige Stadt vorstellen.
00:10:29: die Leute schmeißen ihren Unrat auf die Straße und...
00:10:34: In Nachtöpfe?
00:10:36: Es gibt kein elektrisches Licht es auch sehr wichtig.
00:10:39: also man kann es nicht mit heute vergleichen.
00:10:42: Nicht mal Hausnummern von Straßenbeleuchtung oder gar nicht reden.
00:10:45: Man muss eine Fackel mitnehmen oder Laterne und das ist dann auch nachher in unserer Geschichte aus so einem Punkt.
00:10:54: Genau, also die erzählen wir jetzt mal diese Geschichte.
00:10:57: Also in dieser Stadt in der dunklen Stadt sperrt der Bäckermeister am späten Abend des neunundzwanzigsten September, seine Backstube zu und wahrscheinlich hat er genau wie sie sagen, eine Laterne in der Hand um den Weg nach Hause auszuleuchen.
00:11:12: Was passiert?
00:11:13: Wer geht es
00:11:14: weiter?".
00:11:14: Er wird von hinten angesprochen von einem Mann ohne Laterne oder Fackel – das ist schon zum ersten Mal bemerkenswert!
00:11:23: Und er hat auch seine Kapuze tief ins Gesicht gezogen so dass man sein Gesicht nicht gut erkennen kann an mit Namen.
00:11:36: und der fragt natürlich vorwunder zurück, woher kennst du mich?
00:11:40: Da kommt so eine Larifari antwort ja, sie braken so gut das Brot, solche Leute kennt man doch.
00:11:46: Und dieser Unbekannte, der lädt jetzt den Ex ein zu einem Feierabendbier.
00:11:56: Der Unbekante gibt vor er sei Kaufmann und er habe gerade ein gutes Geschäft gemacht und auch das Bedürfnis Jemandem jetzt mit einem Bier zu beglücken und dabei was zu erzählen.
00:12:08: Und der Bäckermeister denkt okay, ne?
00:12:12: Also ich muss morgen schon wieder um vier Uhr in der Schuhe stehen.
00:12:15: Und so ein schlummer Trunk, der ist ja vielleicht doch nicht verkehrt.
00:12:19: Trinkst du mir mit dem guten Mann, den dich da so nett einlädt?
00:12:23: Und dann kannst du ja immer noch schlafen
00:12:25: gehen.".
00:12:25: Dazu
00:12:25: kommt es nicht!
00:12:26: Es gibt kein Bier sondern der Mann wird in eine Falle gelockt.
00:12:30: Kaum ist mal die Ecke rum... das is' die Mach-Cabea-Straße.
00:12:36: Da tauchen aus der Dunkelheit mehrere dunkle Gestarten auf und unser Bäckermeister kriegt einen Schlag auf den Kopf, sodass er zu Boden sinkt.
00:12:48: Was er noch mitkriecht ist ihm wird ein Knebel in den Mund gesteckt.
00:12:52: Er wird gefessert und dann auf einem Schubgarn geladen.
00:12:57: Die Schubgarre rumpelt dann über das Pflaster und die Endstation.
00:13:04: Ein feuchter Keller, da wartet eine Art Käfig auf Ex.
00:13:11: Nämlich ein aus weiden Ästen geflochternder Käfig.
00:13:16: In den wird er eingesperrt und das wird sein Gefängnis für die nächsten vier Tage
00:13:21: sein.".
00:13:22: Es dauert nicht lange, dann melden sich die Entführer bei der Ehefrau des Bäckers?
00:13:33: Zuhause auf ihrem Mann ängstlich gewartet.
00:13:36: Also war das so lange dauern, sie kann sich gar nicht vorstellen dass der noch solange in der Backstube zu tun hat.
00:13:44: und als die Tür aus dem öffnet da liegt ein Brief.
00:13:48: Sie hört noch in den Dunkelheitsschritte die sich rasch entfernen Öffnet dem Brief dann und liest einen App-Presserbrief Drei Tausend Kronen aufbringen und als Lösegärt für die Freilassung ihres Mannes zahlen.
00:14:07: Übergabeort ist die Hortskapelle mit dem Gnadenbild, weit vor den Toren Kölns im sogenannten Villerwald.
00:14:19: Das ist ein Waldgebiet im Südwesten von Köln also in der Nähe von Säutchenbergheim.
00:14:26: Da hätte ein Förster mal eine Vision gehabt und aus Dankbarkeit für den Zuspruch, den er von der Mutter Gottes erfahren hat.
00:14:36: Hätte da eine Ortskapelle mit diesem Gnadenbild gebaut?
00:14:41: Der scheint trügt – das ist wie man heute sagen würde – eine No-Go Area also eine ganz verrufene Gegend wo Räuber ihr Unwesen treiben besser nicht hingeht.
00:14:57: Die Ehefrau versucht aber, das Lösegeld zusammenzubekommen.
00:15:02: sie bittet Verwandte und Bekannte um Hilfe.
00:15:04: gelingt es ihr?
00:15:06: Nein!
00:15:07: Sie muss das erfahren was in einem ja bitteren Wort sprich Wort zusammengefasst ist Freunde in der Not gehen tausend auf ein Lot.
00:15:22: jeder von ihren Verwandten oder auch Verwandten ihres Ehemannes natürlich.
00:15:29: Und von dem Freundeskreis hat eine andere Ausrede dafür, dass er sich nicht finanziell an der Lösegerzunge beteiligen kann oder will oder beides.
00:15:42: Es ist einfach so.
00:15:45: die einen sagen ich bin im Moment ein bisschen klamm Ich habe ein neues Pferd angeschafft oder ein neues Fuhrwerk.
00:15:56: Die anderen sagen schmallich, ich könnte das vielleicht.
00:16:01: Aber was machen wir?
00:16:02: Wenn die Führer sagen, drei tausend ist uns zu wenig, da müssen noch mal zwei Tausend drauf gelegt werden!
00:16:09: Da bin ich ja schon wieder am Zahlen.
00:16:11: oder wir?
00:16:12: und wer sagt uns, dass dann Schluss ist.
00:16:15: Nee, nee, machen wir nicht.
00:16:16: Tut mir leid auf Wiedersehen.
00:16:19: Also sie kriegt es nicht zusammen.
00:16:20: Sie kriegt das nicht zusammen, sie kriecht eigentlich gar nichts.
00:16:25: Was weiß man denn über das Versteck des Entführten oder das versteckt der Entführer, wo war der Entführte versteckt?
00:16:30: Ist es ein Haus innerhalb der Stadtmauern in der Stadt gewesen?
00:16:34: Ja.
00:16:34: Das war innerhalb der Stadtmauer gar nicht so weit weg von dem Ort, wo er der Bäckermeister niedergeschlagen worden ist.
00:16:44: also die Schubgare hatte keinen langen Weg zurückzulegen.
00:16:49: Es war das Haus eines Tuchhändlers.
00:16:54: Und in diesem dunklen feuchten Keller, da hockte er nun.
00:17:00: Er wusste gar nicht, jessens wo er war ganz klar.
00:17:04: Er hatte auch keinen Zeitempfinden mehr.
00:17:07: Einmal am Tag kam eine Vermummte gestaut, bin der Fackel zu ihm runter... ...in den Keller und dann kriegte er einen ganten Brot und ein Krug Wasser.
00:17:20: Das war vier Mal geschehen und der Bäcker dachte Wahrscheinlich werde ich einmal am Tag hier mit Essen versorgt und dann sind jetzt vier Tage vergangen.
00:17:32: Mein Gott, wie lange soll das denn noch dauern?
00:17:35: Was passiert als
00:17:36: Nächstes?".
00:17:37: Kein Lösegeld aber trotzdem geht der Plan der Inführer nicht auf... Der arme Mann wird befreit!
00:17:43: Er wird befried ganz überraschend den Bäckermeister Ex hört in seinem Keller auf einmal, wie es übel ist ihm im Erdgeschoss.
00:17:55: Rumput, Möbel werden umgeworfen, Stimmen, laute Stimmen hört man schreien und dann kommt Licht in seinen Keller und die Herren, die ihn da unten mit einer Fackel begrüßen diesen ganz offensichtlich nicht von der Entführergruppe, sondern sie sagen keine Sorge Bäckermeister wir kommen, um sie jetzt zu befreien.
00:18:24: Die Entführer sind festgenommen – alles wird
00:18:27: gut!
00:18:52: Diese Gewalten, wie man das nennt sind gebündet in der Hand des Kölner Rates.
00:19:01: Leute die sowohl die Rechtssetzungsakte durchführen als auch dafür sorgen dass sie durchgesetzt wurden und die auch entscheiden bei Streitigkeiten.
00:19:14: Damit ihr nun das was Sie für Recht empfinden oder auch bekannt gegeben haben durchgesetzt wird bedienen sie sich der sogenannten Gerichtstiener.
00:19:25: Das ist praktisch die Polizei, man stelle sich vor das sind kräftige Männer, die dürfen auch nicht allzu dumm sein denn die haben so eine Art Kripo Funktionen, die müssen also auch Kriminalfälle aufklären aber mit starken Muckis auch dafür sorgen dass renitente Bürger das tun was der Rat für richtig hat.
00:19:46: Kann man sich heute kaum noch vorstellen, dass eine Gesellschaft ohne Polizei funktioniert.
00:19:52: Und das wissen die meisten nicht, dass die Institution der Polizei eine sehr neuzeitliche Erfindung ist.
00:19:59: Also späte Neuzeit.
00:20:01: Es hat Jahrhunderte ohne Polizei functioniert irgendwie!
00:20:06: Schwer vorzustellen, wie funktioniert eine Gemeinschaft ohne Polizei?
00:20:10: Wie wird sichergestellt, dass denn Anordnungen, Recht und Gesetz auch umgesetzt werden in der mittelalterlichen oder in der frühneuzeitlichen Stadt.
00:20:18: Da könnte man eine ganz eigene Folge darüber machen.
00:20:22: Gehen wir mal zurück zum Fall!
00:20:23: Wir haben die Gerichtsdiener von der Entführung und vom Versteck erfahren.
00:20:27: Da muss ja irgendeiner geplaudert haben, oder?
00:20:29: Ja,
00:20:29: man weiß es nicht.
00:20:31: Das ist das Erstaunliche... an der Lösung dieses Falles.
00:20:37: Man sollte meinen, da hat jemand Verdacht geschafft zum Beispiel dass in dem Keller was vor sich geht aus der Nachbarschaft hat vielleicht auch in der Nacht gesehen das der Schubkarn mit einem Mensch transportiert angekommen ist.
00:20:59: aber das wissen wir nicht.
00:21:00: die Quellen schweigen auch darüber.
00:21:04: es geht aber die wohl begründete Vermutung, dass ein Mitwisser vielleicht eine Ehefrau eines Beteiligten.
00:21:17: Dass einen Mitwisserin also vielleicht dem Rat eine Tipp gegeben hat und das aus nicht ganz eigen Nützchen gerunden, aber auch aus Gemeinnützeln gegründen.
00:21:33: Denn – und das ist die Vermutungen!
00:21:36: Der starke katholische Glaube, der in Köln ja dann ich sag mal zu neunneinzig Prozent verbreitet war.
00:21:45: Der besagte für solche Fälle wenn von schlimmen Verbrechen die Täter nicht ermittelt und bestraft werden Dann bestraft der liebe Gott die ganze Stadt stellvertretend dafür.
00:22:02: Und bevor das passiert wird der mitwisser oder die mitwisseren gedacht haben, da gibst du doch lieber mal dem Rat und den Gerichtsdienern einen Tipp.
00:22:12: Und dann können die zielgerichtet in den Keller dagehen und dann ist der Entführungsfall beendet und Gottesstrafe ist
00:22:20: abgewendet.".
00:22:21: Das ist eine Vermutung das wissen wir nicht so ganz genau?
00:22:23: Ja
00:22:24: es ist eine vermutung eines Kriminalogenen der die Görner Kriminalität auch intensiv untersucht hat.
00:22:34: Professor Schwerthoff ist das?
00:22:36: Jetzt könnte man sagen, wenn man bei True Crime Köln regelmäßig zuhört.
00:22:39: Wieso haben die diesen Fall ausgewählt?
00:22:41: Der ist ja ruckzuckerzählt und es geht eigentlich ja gut aus.
00:22:45: also der Mann wird nach nur vier Tagen befreit Ist unversehrt Die Frau musste nix bezahlen.
00:22:51: die Ja die gerichtsteiner Haben guten job gemacht Es ist alles gut ausgegangen.
00:22:57: wir haben den fall auch deshalb ausgewählten weil man an ihm Gut zeigen kann wie sich die vorstellung von recht gesetz gerechtigkeit und auch von Strafen für Vergehen über die Zeit verändert, immer wieder neu verändert.
00:23:12: Denn das was da passiert ist also eine Entführung ohne Todesfall ohne wirklich schlimmen Ausgang führt trotzdem zur schlimmsten Strafe, die verhängt wird.
00:23:22: Der Besitzer des Hauses mit dem Kellerversteck ein Textilhändler und sein Diener der den Bäcker als Lockvogel angesprochen hatte werden beide zum Tode verurteilt Und das muss man auch wissen.
00:23:33: auch interessant drüber zu sprechen.
00:23:35: Die Vollstreckung des Todesurteils wird als Massen Veranstaltung als mega Event für jedermann inszeniert.
00:23:44: Wie lief das ab?
00:23:45: Ja, zunächst einmal um das noch zu verstärken.
00:23:49: Die Ermittlungen – also immer die Ermittlung waren – ergaben dass dieser Tuchhändler und seinen Gehilfe nicht die Planer dieses Verbrechens waren sondern es war ein Juncker mit einem bestimmten Namen.
00:24:08: dem gelangt dann auch die Flucht weil eben die Ermittlungen seinen Namen erst spät ergaben.
00:24:18: Und das muss man auch wissen, der Tuchhändler und sein Gehilfe, die da mit der Todesstrafe bedacht wurden, die waren auch in den Augen des Rates geholfen!
00:24:34: Da fragt man sich was wäre dann wenn man einen Junker geschnappt hätte?
00:24:40: Wie hätte man denn noch gefoltert oder zu Tode gebracht.
00:24:44: Wir können es ahnen, denn Tuchhändler und Gehilfe waren zunächst dazu verurteilt gerädert und geköpft zu werden vorher aber noch mit glühenden Zangen gefoltern.
00:25:02: also klar wurde sind ja nur geholfen.
00:25:04: der Juncker war der Planer und der Kopf der Bande.
00:25:08: da haben sie gesagt okay dann lasst mir die glühende Zangen weg.
00:25:12: Die konnte sich also glücklich hätten, ziemlich gesagt.
00:25:17: Das ist so furchtbar dass man vor Not drüber lachen muss!
00:25:20: Wir müssen auch nur sagen was Rädern ist.
00:25:23: Also das ist eine ganz furchttbare Folterart und Hinrichtung.
00:25:27: Ja
00:25:27: ja ich habe das.
00:25:29: im Wurf meines Buches hatte ich das beschrieben.
00:25:33: aber meine zwei Lektoren die haben gesagt Muss da sein, dass du das da bringst?
00:25:42: Ich muss nicht sein.
00:25:44: Wer weiß, wer der Buch er liest und den Fins haben ist eine Schmeißetraus.
00:25:48: Dann steht jetzt nicht im Buch.
00:25:49: also Rädern heißt nicht etwa Dass die da wie ein Rollenrad festgebunden sind Sondern die andere Ausdrucksweise ist ja auch auf das Rad geflochten.
00:26:02: Das heißt Beine und Arme wurden durch die Speichen gezogen.
00:26:06: Das geht aber wegen der Stahlheit der Knochen nur, wenn die Gebeine vorher mit Knüpfen zerschlagen wären.
00:26:14: So dass die Beine wirklich beweglich sind und geflochten werden können.
00:26:20: Und erst dann kam der Henker mit dem Schwerts und dann hieß es Kopf ab – das werden wir aus Erlösen betrachtet haben!
00:26:29: Also furchtbar grausame Hinrichtungsarten.
00:26:32: und nochmal, wir reden über eine Entführung bei der keiner gestorben ist.
00:26:39: Wir sollten mal beschreiben, wie die zwei ... Das ist ja diese öffentliche Zuschaustellung.
00:26:43: Das spielt eine Rolle.
00:26:46: Man will auch öffentlich demonstrieren, wie mit Straftaten umgegangen wird.
00:26:51: Bevor sie beim Hinrichtungsort landen, werden die durch die ganze Stadt gefahren.
00:26:56: Eine Erklärung für diese grausame Höchstrafe wurde gemerkt oder Strafe?
00:27:04: Ist der unerhörte Tabu-Bruch dass in einer Stadt wie Köln mit Stadtmauer drum herum so etwas geschehen konnte.
00:27:16: Das war bis dahin nicht vorgekommen, man führte sich in der Stadt total sicher anders wenn man sich über Land bewegte.
00:27:27: Stichwort Wildwald haben wir eben gehört.
00:27:29: da konnte man selbstverständlich von Räubern überfallen werden ganz schlimm zugerichtet werden ermordet werden.
00:27:35: aber in der Glaubte man sich sicher.
00:27:40: Natürlich, da gab es auch Dachendiebeln.
00:27:43: Ganz klar!
00:27:44: Aber so ein Verbrechen das war unerhört.
00:27:48: Das Zweite war die Gesetzgebung ist immer ein Spiegelbild der Herrschenden Klasse sag ich jetzt mal.
00:27:59: und die Herrschende Klasse sind die Patrizia, das sind die wohlhabenden Bürger, die Angst um ihr Hab und Gut haben.
00:28:07: und so eine räuberische Erpressung mit Entführungen, die ist ja dazu angetan, an viel zu kommen.
00:28:18: Anders als der Taschendieb, der dann nur ein paar Kronen mobst.
00:28:24: Und darum sollte das ein abschreckendes Beispiel für potenzielle Nachahmer sein.
00:28:31: So jetzt komme ich zur Hinrichtung.
00:28:35: bevor sie am Hinrichtungsort angelangt waren, am Rahmenstein.
00:28:41: Wurden sie auf so einer Art Schlitten durch die Stadt geschleift?
00:28:47: Aber nicht irgendwie, nicht irgendwo hin sondern exakt an den Orten vorbei, an denen Sie das Verbrechen begangen hatten.
00:28:59: Das waren also zunächst mal die Macherbärstraße wo sie den armen Bäckermeistern jeder geschlagen hatten Dann das Haus mit dem Keller, wo er vier Tage lang gefangen gehalten wurde und erst dann ging es per Schlittenfahrt aus dem Stadttor raus zum Rabenstein.
00:29:21: Der Rabenstein war eine Hinrichtungsstätte und das schon seit dem Schlaubertreiz in der Hundert.
00:29:30: Da wurden vielfältige Hinrichtungen vorgenommen, da gab es zum Beispiel auch in einer Feuergrube.
00:29:35: Da wurden die Leute verbrannt, die dazu verurteilt waren und natürlich Galgen aber dann eben auch eine Stätte wo Leute gerädert und geköpft wurden.
00:29:51: Kurz bevor die Täter im Fall Ex hingerichtet wurden hatte der Rat diesen Rabenstein, diese Hinrichtungsstätte also geradezu theatermäßig herrichten lassen.
00:30:08: Nämlich in der Mitte war ein kleiner Hygo.
00:30:14: da ging eine kurze Leiter hoch und rund um diesen Hygo wie um einen Boxring.
00:30:23: von allen Seiten konnte das Publikum die Hinrichtung verfolgen.
00:30:28: Da hatte er Stadtrat auch Platz geschaffen.
00:30:31: Achttausend Leute konnten da Zuschauer schauen.
00:30:35: Und die kamen auch
00:30:36: noch?
00:30:37: Also ich will gar nicht aus Marlwether kommen, der wäre noch Kinder.
00:30:40: wahrscheinlich war gewesen.
00:30:42: Zum Rabenstein muss man dann auch noch sagen ... Der blieb Hinrichtungsstätte bis denn die Franzosenkörn besetzten und da kam die Geutine zum Zuch Die Geutin.
00:30:59: Also das Fallbau konnte man problemlos in der Stadt aufbauen und wieder abbauen.
00:31:06: Und das wurde dann auch getan, diese öffentlichen Hinrichtungen hatten Zweierlei Aspekte.
00:31:17: Einmal natürlich Potenzialität abzuschrecken die Sorten sehen um sich grausen mein Gott.
00:31:24: also sowas Schlimm ist, was die getan hat.
00:31:27: Das machst du ganz bestimmt nicht denn sonst endest du so schlimm wie die da.
00:31:31: und zum anderen ganz klar das Auto Publikums Belustigung sein.
00:31:36: Das war weh oder Gladiatorenkämpfe im Alten Rom.
00:31:42: also wenn es das gegeben hätte hätten die Leute da wahrscheinlich gestanden und Popcorn gegessen.
00:31:51: Es gibt ja ein sehr bekanntes Bild, eine Darstellung des Rabensteins des Kupferstechers Franz Hogenberg.
00:31:59: Wer sich ein bisschen für diese dunklen Kapitel der Kölner Geschichte interessiert wird das sicher schon mal gesehen haben.
00:32:05: die Enthauptung des Hieronymus Michaelis heißt es Das kann man auch leicht im Internet finden.
00:32:12: Und das Bild hilft ein bisschen dabei, die Dimensionen des Kölner Rabensteins zu erfassen.
00:32:16: Also man sieht da wieder nicht achttausend aber doch eine Unmenge an Menschen zum Teil beritten kommen um zuzuschauen und das Ganze als Inszenierung dargestellt und dann auch in diesem Bild fest gehalten.
00:32:29: Der Vergleich mit einem Boxring der ist, ich sag mal naheliegend Magaber, aber naheliegend Weil es ja ein kleiner Hügel war, da konnten die Leute wirklich toll sehen.
00:32:43: Die fanden da offensichtlich gar nichts bei.
00:32:46: und noch eine makabre Einzuhalt der Rabenstein heißt Rabenstein weil da viele Raben rumflattern.
00:32:55: warum fliegen da viele Raben um?
00:32:59: Weil die die sterblichen Reste der hingerichteten die die Hänker nicht beseitigt hatten, gierig aufpickten.
00:33:08: Und er hieß nicht nur in Köln-Rabenstein sondern das ist ein gängiger Name für ihn Richtung Stetten in der damaligen Zeit?
00:33:15: Ja wahrscheinlich auch weil der Rabern Unglücksvorge sein sollte.
00:33:19: man weiß...
00:33:19: Wo war das genau im heutigen Kölnen?
00:33:23: Der Rabenstein war auch bezeichnet in der Nähe der Milatenstadt Jürgen Das heißt wo die Aussätzige sind hinverbannt wurden, weile außerhalb der Stadtbau.
00:33:36: Und Melaten, der Name hat sich hier erhörten, Melaten Friedhof in dem Bereich.
00:33:43: da war der Rammstein gewesen
00:33:45: und da sind viele bekannte Menschen auch hingerichtet worden.
00:33:49: die hellsten Verbrennungen haben da stattgefunden.
00:33:53: also das war Ja, über Jahrhunderte der Ort wo die Todesstrafe in Köln vollstreckt worden ist bis die Franzosen das abgeschafft haben und in der Innenstadt dann die Geotine aufgebaut haben.
00:34:04: Zunächst am Dom und dann auf dem Altermarkt.
00:34:07: Lang lang ist es her und schlimm Und man schaut als Bürger Der Bundesrepublik Deutschland In Frieden Aufgewachsen in die Demokratie eingeboren Schaut man also mehr oder weniger fassungslos zurück, aber die Zeiten waren eben nicht immer so angenehm wie heute und das gilt nicht nur im materialen Sicht.
00:34:38: Zeit natürlich auch und da kommen wir zu dem nächsten Kapitul dieses Falles Wie schnell und auch gravierend sich Gesetz Recht und Gesetz ändern können.
00:34:55: Also jede Zeit hat spiegelbürtlich auch das, was man aus Gerechtigkeit empfindet niedergeschrieben in Gesetzen.
00:35:06: Ich bin hier siebzig Jahre alt aber so viel kann ich sagen wie ich ein kleiner Junge war.
00:35:14: da fand ich das völlig okay.
00:35:17: dass ehebruch bestraft wurde Das tut mir ja nicht, ihr brechen.
00:35:21: man hat ja mal Posto gesagt so lange bis das der Tod uns scheidet.
00:35:26: Oder mein erstes Strafgesetzbuch habe ich mit zwölf Jahren gekauft in einer Bücherei.
00:35:34: Da habe ich gesagt, ich hätte gerne ein Gesetzbuch.
00:35:36: und die erste Erkenntnis war Die Verkäuferin fragte er welches denn?
00:35:41: Burgelisches Gesetzbuch, Handelsgesetzbuch... Strafgesetzbuch.
00:35:47: Dann nehm ich das Strafgesetzbuch, guck dich da rein.
00:35:49: Homosexualität, Barg auf einhundertfünfundessiebzig war ganz normal als Straftat aufgeführt.
00:35:58: Der Wandel gerade im Bereich der Anschauung zu Sittlichkeit, zur Moral ist drastisch.
00:36:08: Ich kann das jetzt an einem sehr einleuchtenden Beispiel festmachen.
00:36:17: In den sechzehr Jahren gab es einen Schlager, der hieß Rotelippen-Sommerküsten von Cliff Richard.
00:36:30: Hier ist im Original Lucky Lips und war da so gut lief hat er Cliff Richard die deutsche Version eingesungen.
00:36:38: Da heißt das in der ersten Strophe Ich sah ein schönes Fräulein im letzten Autobus.
00:36:45: Sie hat mir so gefallen.
00:36:46: drum gab ich ihren Kuss.
00:36:49: Doch es blieb nicht bei dem einen, das firme gar nicht ein.
00:36:54: und hinterher habe ich gesagt so soll nicht böse sein.
00:36:58: Wenn man das jetzt mal strafrechtlich untersucht mit dem SDGB von heute dann ist das ein glasklarer Fall von sexueller Nötigung.
00:37:09: Paragraph onehundert siebenen siebzig SDGB Und der Kerl da wird's ja noch mehrfach.
00:37:16: Also ein Intensiv-Data ist das.
00:37:19: Da stört sich die Frage, kommt da noch mehr der gern Strafe davon?
00:37:23: Ja und man stellt es sich vor dieser Sänger, diese Cliff Richard, der stachet doch geradezu auf!
00:37:33: Der ist anstieft dafür eine sexuelle Nötigung.
00:37:36: also sollte man überlegen ob er nicht auch anklagt.
00:37:39: ja also dass Küssen Ungefragte Küssen einer fremden Frau ist sexuelle Nötigung.
00:37:46: Das haben ja dann die roten Funken und andere Tanzgoers dann auch erfahren, dass Ausschwärmen zum Bützen nicht mehr so aktuell sind.
00:37:58: Man bützt dann die eigene Frau.
00:38:02: Das
00:38:02: ist ein schönes Beispiel wie sich Vorstellungen verändern, die dann einen Gesetzgeber durch Veränderungen im Gesetzbuch spiegelt.
00:38:11: Also nachvollzieht, wenn wir über Schlager sprechen oder Rockmusik da gibt es ja unzählige Titel die man zitieren könnte.
00:38:18: So Rolling Stones, Andermal Thumb oder so.
00:38:21: Da fällt einem sicherlich einiges ein und GD Anderson das ist ja noch gar nicht so lange her dann hat der Mann tatsächlich ernsthaft gesogen.
00:38:27: nein heißt
00:38:28: Ja!
00:38:29: Wenn man lächelt sowie du.
00:38:31: Und da sprechen wir nicht um die Zeit von Cliff Richard sondern das ist noch nicht so lang her.
00:38:36: Nein heißt Ja wenn man läichelt wie
00:38:38: Du
00:38:39: Und es ist ja quasi eine Vorwegnahme dessen, worüber wir heute diskutieren.
00:38:44: Nein heißt nein Punkt.
00:38:46: und also der Sexualstrafrecht ist sicherlich ein sehr gutes Beispiel wo man sehen kann dass sich das permanent auch heute noch verändert was wir für strafbar halten und was wir wo wir auch hohe Strafen verhängen wollen.
00:39:00: Strafen werden verschärft und in der damaligen Zeit bei dem Fall über den wir gesprochen haben war tatsächlich vergehen, am Eigentum das räuberische Erpressen schlimmer als Mord und Totschlag.
00:39:15: Das kann man
00:39:16: sagen?
00:39:17: Es gab die Möglichkeit sich nach einem Totschlag zumindest von Strafe freizukaufen.
00:39:26: also hätte der neidische Konkurrent vom Bäckermeister Ex im Streit den Ex wütend erschlagen Und hätte er sich mit der Witwe auf eine Abfindungszahlung geeinigt, es wäre nichts passiert.
00:39:48: Also Menschenleben zerrten nicht viel aber Geld zerrte sehr viel und das musste sich ja nach der damaligen Vorstellung in der Bestrafung von Tätern niederschlagen.
00:40:02: Jetzt sind sie pensioniert, aber sie werden sicherlich mit großem Interesse auf alles draufgucken was mit Recht und Ordnung heutzutage zu tun hat.
00:40:10: Was würden Sie sagen?
00:40:11: Was steht als nächstes an Änderungen an?
00:40:13: Was müsste sich Ihrer Meinung nach ändern?
00:40:15: Wo muss der Gesetzgeber etwas nachvollziehen wo er vielleicht sogar ein bisschen später dran ist?
00:40:22: Es müsste wirklich ganz schnell eine rechtlicht tragfähige Basis für die Verwendung der künstlichen Intelligenz geschaffen werden.
00:40:37: Im Augenblick ist das ja der Würde Westen, mit KI macht jeder praktisch was er will.
00:40:43: Demnächst werden wir die Enko-Trick an Rufe haben mit täuschend ähnliche Stimme des Enkots selbst und dann hat die Oma keine Zweifel, dass der Enko da am Telefon ist.
00:40:56: Dann helfen alle wohl meinen Ratschläge, wie sieht nur oder hört nur.
00:41:02: Da ist der enkelne Not, da muss man helfen.
00:41:07: Anderes ganz erstaunliches Beispiel ist das wir der Technik auch hinterher hinken was zum Beispiel die demnächst schon angekündigten selbstfahrenden Taxis angeht.
00:41:24: Also ein selbstfahrendes Taxi transportiert einen Fahrgast und durch einen Softwarefehler fährt das Taxi beruht über die Ampel, und tötet einen Fußgänger.
00:41:40: Wer wird jetzt wegen fahrlässiger Tötung angeklagt?
00:41:44: Soviel kann man sagen der Fahrgaster nicht, er ist Zeitung hinten!
00:41:49: Der weiß von nichts und wird nur transportiert.
00:41:52: Der kann auch nicht eingreifen, das ist Sezinten oder so was.
00:41:56: Ist es der Hersteller des Autos?
00:41:59: Also wir reden nicht überschadendes Satz zu Vio.
00:42:02: Istes... Wir reden über Bestrafung.
00:42:06: Wird die Herstelle des Autors bestraft weil er ein Vehiko in den Verkehr gebracht hat zum Verkauf gestellt hat, was nicht perfekt ist?
00:42:18: Dann wird ihr sagen, äh ... Die ganze KI Also habe ich zugekauft vom Spezialunternehmer Dingsbombs.
00:42:26: Der hat ja dann auch die Programmierung gemacht, so... Dann ist der Feind raus vielleicht?
00:42:34: Oder sagen wir du Subunternehmer Zulieferer, der du da für Fort Mercedes war doch immer Die Technik machst, die Computertechnik.
00:42:47: Du bist jetzt dran.
00:42:49: und dann sagt er Vorstandsvorsitzender von diesem Zulieferbetrieb, was habe ich damit zu tun?
00:42:54: Dafür habe ich eine Entwicklungsabteilung.
00:42:57: Da gibt es Programmierer und wenn da einer eine Zeile im Computerprogramm falsch gestreckt hat ist das mir nicht vorzuwerfen.
00:43:08: Ich verstehe davon nichts!
00:43:09: Ich muss glauben, was meine Programmiererin machen, dass alles okay ist.
00:43:14: so der Programmierar sagt ja Erstens mal ist die Frage, ist diese Zeile wirklich dafür verantwortlich?
00:43:26: Oder war es noch andere Einflüsse?
00:43:28: und überhaupt hier in der Programmierabteilung arbeiten wir zu zwanzig Kollegen.
00:43:33: Wer hat denn diese Zeilen da, die falsche Zeile programmiert?
00:43:37: also ich glaube ich nicht.
00:43:39: Da war ich im Urlaub oder so ähnlich.
00:43:41: Aus dem Ergebnis wird keiner bestraft, oder?
00:43:44: Aber ist das ein Problem von fehlenden Gesetzen?
00:43:47: Ja natürlich!
00:43:48: Das muss geregelt sein.
00:43:50: Man könnte mit dem heutigen Handwerkszeug und den heutigen Vorgaben nicht so eine Haftungsfrage klären, glauben Sie?
00:43:58: Das ist wie gesagt nicht die Frage der Zivilrechtlichen Haftung sondern der Vorwerfbarkeit.
00:44:04: Wer hat Schuld daran?
00:44:06: Also spitzt sich wahrscheinlich irgendwie auf die Programmierabteilung zu aber das ist fraglich!
00:44:15: Wenn wir jetzt mal diesen Skandal nehmen, die haben auch Vorstandsvorsitzende alle gesagt, das macht die Entwicklungsabteilung.
00:44:23: Ich wusste davon nichts.
00:44:25: Gut aber da hat ja das Gericht dann Entscheidungen getroffen und
00:44:29: die Verantwortlichkeiten
00:44:30: geklärt?
00:44:31: Vielleicht
00:44:31: die Blaupause.
00:44:32: oder man sagt mal auf du musst bevor der so selbst warnes Taxi unter dem Mercedes-Stern auf die Straße lässt, musst du sicher sein.
00:44:44: Da hat da keine falsche Programmierung drinstecken.
00:44:47: Man musste eben drei Jahre lang ausprobieren und ich weiß es
00:44:49: nicht.".
00:44:50: Das sind so Beispiele wo das Gesetz sich anpassen muss oder reagieren muss auf technische Entwicklungen oder Veränderungen.
00:44:59: Aber wir haben ja auch ein paar ... Die Beispielen sie eben genannt haben waren eher von moralischer Natur.
00:45:04: Und das gibt's ja immer noch.
00:45:05: Wir diskutieren ja immer über den Paragraph twohundert achtzehn.
00:45:09: Und die Frage Sterbehilfe ist natürlich ein total spannendes Thema, wo auch jeder irgendwie betroffen ist und eine Meinung zu hat.
00:45:17: Auch da geht es ja darum ob das was bisher als Gesetz gilt, ob das weiter gelten soll oder ob sich nicht unsere Gesellschaft so weit verändert hat dass es andere Regelungen braucht und Dinge die unter Strafe stehen eben in Zukunft nicht mehr unterstrafen.
00:45:32: Ja das mag sein also wir haben das ja auch erlebt Das bestimmte Tatbestände ersatzlos gestrichen worden sind.
00:45:42: Also zum Beispiel aus dem Strafgesetzbuch Landstreicherei, der Maler Bock den ich in meinem neuen Buch mit seinen Episoden beschrieben habe, der wurde mehrfach mit Haft bestraft weil er keine Unterkunft fand, ging was aus Sicht Der Obrigkeit, kein Richtiger.
00:46:06: Er wohnte in so einem alten Kessau wie Diogenes und Mundraub ist auch so ein Tatbestand unterhalb des Diebstahls wurde ersatzlos gestrichen weil man sagt so einen Quatsch braucht man nicht mehr.
00:46:23: also das ist dann die Stau gering wird.
00:46:26: ihr Sachen heißt dass jetzt ein Absatz geworden.
00:46:30: In anderer Sache ist der Gesetzgeber übers Zielen ausgeschossen, wie weder es ist ich meine.
00:46:39: Also zum Beispiel beim Datenschutz der Datenschutze hindert unsere Polizei daran effektiv schwerste Straftaten aufzuklären.
00:46:52: das darf eigentlich nicht sein und Ich habe so ein ganz persönliches Beispiel.
00:46:57: vielleicht können wir damit abschließen.
00:47:01: ich hatte die Ehre von meinem Dreijährigen Enkel ausgewählt zu werden.
00:47:09: Beim Großeltern-Tach in seiner Kita sollte ich sein Gast sein.
00:47:15: Führt mich hoch geährt, bin ich hingegangen.
00:47:18: es gab dann Kakao und Plätzchen...
00:47:22: Und kletze kleinen Stühlen?
00:47:24: Ja für uns hatten sie großen.
00:47:28: Dann habe ich mir nix daran gedacht, habe mein Handy gezückt und wollte meinen Enkel fotografieren.
00:47:35: kaum hatte ich das Handy erhoben, kam eine Kindergärtnerin laut rufen dann nein, nein, sind da andere Kinder mit auf dem Bild?
00:47:45: Ich weiß es nicht.
00:47:47: Dann dürfen sie nicht fotografieren!
00:47:48: Sie müssen ihren Enkel separat fotografieren.
00:47:51: oder wir müssten die Einwilligung der anderen Eltern einholen.
00:47:56: aber das wird heute nachmittag nicht möglich sein.
00:47:59: Da habe ich mir gesagt mein Gott ist das denn so schlimm?
00:48:06: Wenn die ein Abschlussfoto machen, bevor sie ins erste Schuh riechen, müssen alle Eltern unterschreiben.
00:48:14: Ja, mein Kind darf auf das Gruppenboden und wenn die sagen, nein wollen wir nicht, dann wird das Kind später was sagen.
00:48:21: Wo war ich denn an dem Tag?
00:48:23: Mein Vater-Mutter, wir haben den Datenschutz hochgehalten!
00:48:28: Das sind die Entwicklungen, die eigentlich keiner braucht.
00:48:30: vom Becker X im sechzehnten Jahrhundert zum Datenschutz im XXI.
00:48:35: Jahrhundert, das war ein spannender Brückenschlag von einem historischen Kriminalfall zur immer aktuellen Frage wie sich Recht und Gesetz ändern können wenn sich die allgemeinen Vorstellungen von Moral also von dem was
00:48:48: gut
00:48:48: und böse ist schlimm oder weniger schlimm ändern können.
00:48:52: Das ist ein Prozess der niemals enden wird.
00:48:55: Herzlichen Dank, Norbert Klein für den Besuch im Podcaststudio des Kölner Stadtanzeiger.
00:49:00: Zwei Bücher mit vielen Geschichten aus Köln und der Kölners Gerichtsgeschichte hat Norbert Kleim mittlerweile veröffentlicht.
00:49:06: Mörder Stadtratt & FC heißt sein erstes Buch Morde Eselkvb seines Zweites.
00:49:12: Da kann man auch die Geschichte von der Entführung des Bäckermeisters noch einmal nachlesen.
00:49:17: Das war's für heute.
00:49:18: Bleiben Sie wachsam aber bitte auch gelassen!
00:49:21: Tschö True Crime Keilen mit Helmut Frangenberg.
00:49:27: Alle zwei Wochen eine neue Folge, überall da wo es Podcasts gibt und auf ksta.de.
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